Man kann Jobs beim Denken zusehen, ihn beim Abheben betrachten, wenn er wunderbare Bilder findet, um Design- oder Karriereentscheidungen zu beschreiben. So erzählt er, dass er als Kind einen Artikel in der Zeitschrift "Scientific American" gelesen habe, der die Effektivität der Fortbewegung verschiedener Spezies behandelte. Bären, Vögel, Fische, Menschen. Der Kondor habe gesiegt, der Mensch schaffte es gerade mal ins zweite Drittel. Doch dann sei ein Wissenschaftler "brillant genug" gewesen, den Menschen auf einem Fahrrad zu untersuchen. Der habe den Kondor von der Liste gefegt. "Menschen bauen Werkzeuge, und die können unsere Fähigkeiten drastisch verbessern", so Jobs. "Eine frühe Apple-Werbung hieß deshalb 'Der Computer ist das Fahrrad des Gehirns'. Daran glaube ich mit jeder Faser meines Körpers."
"Ich habe Hunderte hochrangiger Technologie-Bosse interviewt", zitiert das Branchenblatt "Forbes" Jobs' Interviewer Bob Cringely. "Aber ich habe niemals diese Art des Denkens auf höchstem Level von ihnen gehört." Darin sei Jobs so ganz anders gewesen.
Dieses Mastermind wurde schon zu Lebzeiten vielfach als Tyrann beschrieben, als ungeduldig und rechthaberisch. Hört man ihm nun zu, wie er die Dynamik der eigenen Kreativität beschreibt, wird klar, dass er es ernst meint, wenn er sagt: "Es geht mir nicht darum Recht zu haben, es geht mir um den Erfolg". Deshalb hat er ganze Abteilungen geschlossen und Forschungsarbeit dem Mülleimer übergeben, wenn er irgendwo auf der Welt eine bessere Idee gefunden hat, die Apple-Produkte schneller, günstiger, eleganter weiterbrachte. Deshalb hat er sich von Mitarbeitern verabschiedet, wenn sie nicht die besten waren.
Der größte Feind der Menschheit war für Jobs der Stillstand, weshalb er Apple zum Zeitpunkt des Interviews einen "schmerzvollen Tod" prophezeite. Es gehe um Inhalte, nicht Abläufe, so Jobs. Das würden erfolgreiche Firmen immer wieder vergessen, und das bedeute ihr Ende. Er und seine Mitarbeiter seien Hippies gewesen, die nicht um des Computer Willens mit einem Computer arbeiteten, sondern weil sie das Gefühl hatten, durch den Computer am besten vermitteln zu können, was sie mit anderen teilen möchten. Da hört Jobs sich an wie ein Musiker, der von seinem Instrument spricht. In seiner ruhigen, wenn auch wachsamen Art zeigt Jobs Dankbarkeit, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort lebe, um an diesen Entwicklungen teilzuhaben. Und dann bricht sein Gesicht in ein breites Lächeln aus, als er diese unberechenbare, sich ewig wandelnde Welt einen "wundervollen Ort" nennt.
Das ist vielleicht der Augenblick, in dem Apple-Fans mit liebevollem Blick erkennen, dass die Untertitel in der alten Apple-Schrift "Chicago" gehalten sind. In eben diesem Augenblick wird dieser Interview-Film zu einer Hommage, denn wie Jobs sagt: Apple-User lieben ihr Produkt, weil es Seele hat. Und er hat sie ihm gegeben. Nur ein Jahr nach dem Interview hat Apple Next gekauft. Jobs wurde CEO und schenkte der Welt die schöne neue Welt von iPod bis iPad - und rettete Apple vor dem Bankrott.