
Mütter haben die Macht, Väter leiden - das dokumentiert Wolfsperger sehr subjektiv in seinem Film© Joachim Gern
Der Soziologe Gerhard Amendt hat 2005 in einer Studie festgestellt, dass fast die Hälfte der befragten Scheidungsväter ihre Kinder selten oder gar nicht sehen. Er macht dafür auch "spätfeministische Vorurteile" verantwortlich. In Familiengerichten und auch Jugendämtern würden häufig Gutachterinnen und Sozialpädagoginnen auftreten, die den Mann vor allem als Täter sehen. Nach der Scheidung werde die Ernährerrolle von ihnen weiter akzeptiert, jede andere Form von "Väterlichkeit" aber nicht.
Wolfspergers Ex-Freundin tritt in seinem Film nicht auf. Zu stern.de sagt sie nur so viel: "Es ist eine tragische Privatgeschichte, die in der Öffentlichkeit nichts verloren hat." Wolfsperger hat aber eine Frau gefunden, die er stellvertretend für all die Mütter reden lässt. Eine Geigerin in einem Orchester, die ihre Tochter alleine erzieht. Sie wirkt streng und herrschsüchtig, und es wird klar, dass sie den Vater nach der Trennung immer als Konkurrenz wahrgenommen hat. Einer, der der Tochter alles spendierte, ihr alles erlaubte. Der einsah, dass sie den Selbstverteidigungskurs abbrechen wollte, obwohl es mit der Mutter anders abgesprochen war. In ihrem Weltbild ist der Mann im Zweifel nicht mehr als ein Erzeuger. So inszeniert Wolfspergers sein Feindbild: Die Frau, die ihren Sieg über den vertriebenen Vater feiert. Einer, der sie geschlagen hat, als der Streit ums Kind wieder eskalierte.
Solche Momente gehören zu allen diesen Geschichten. Wenn das Kind geholt oder gebracht wird, gerinnt die ganze, verfahrene Situation manchmal zu einem Bild: Ein Vater und eine Mutter zerren an ihrem gemeinsamen Kind - wie im Brecht'schen Drama "Der kaukasische Kreidekreis". Unter den Vätern, die Wolfsperger zeigt, ist auch ein Polizist. Er kenne sich mit solchen Situationen aus, sagt er. Er bleibe deshalb immer ganz cool. Klingeln, Kinder abgeben, schnell weg.
Wolfspergers Film ist eine einseitige Anklage, aber er benennt auch seine Schuld an der Trennung, wenn man ihn danach fragt: Er arbeitete an einem schwierigen Filmprojekt, war nie zu Hause - auch nicht, als Eva auszog. Es hat eine Weile gedauert, bis er sich nach dem Auszug der Freundin um das Kind bemüht hat. Er sagt, dass er Eva verletzt hat. Alles, was danach kam, wertet er als ihren persönlichen Rachefeldzug. Dass der von den Gerichten meist toleriert wurde, betrachtet er als den eigentlichen Skandal.
Es sind die Frage, die der Film aufwirft, die ihn über das persönliche Schicksal des Machers hinaus so spannend machen: Wieso gäbe es keine Sanktionen, wenn die Mutter das Kind dem Vater entziehe, obwohl Richter anders entschieden haben? Obwohl es entwicklungspsychologisch erwiesen ist, dass ein abwesender Vater dem Kind schadet, besonders den Söhnen. Sie sind oft schlecht in der Schule, ziehen sich zurück, werden häufiger kriminell, sagt die Psychologin Seiffge-Krenke.
Die Praxis in den Gerichten scheint sich trotzdem nur ganz langsam zu ändern. Immerhin gibt es mittlerweile das Cochemer Modell, wo die Richter versuchen, dem Kind Vater und Mutter zu lassen und beiden möglichst viel Kontakt zu ermöglichen. Die Institutionen treten dort nicht so sehr als Entscheider, sondern eher als Moderatoren auf. Solche Neuerungen machen Wolfsperger Hoffnung. "Das muss gesellschaftlich einfach verhandelt werden", sagt er.
Douglas Wolfsperger schlägt das Album mit den glücklichen Fotos zu. Er hofft, dass seine Tochter diese Momente tief in sich verankert habe. Und dass sie sich daran erinnert - sollten sie sich einmal wiedersehen.
*Namen von der Redaktion geändert