. .
Film, Kino, DVD
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
11. September 2009, 08:06 Uhr

Clooney-Glamour und grüne Revolution

... seltener in Hauptrollen zu sehen - mal abgesehen von Ausnahmen wie Isabelle Huppert in Claire Denis' "White Material" und Sylvie Testud in Jessica Hausners "Lourdes". Stattdessen standen auf der 66. Mostra auffällig häufig die Männer im Mittelpunkt des Geschehens: Todd Solondz' düstere "Happiness"-Quasi-Fortsetzung "Life During Wartime" kreist um zwei Jungs, die mit der Kinderschändervergangenheit ihres Vaters konfrontiert werden. Derweil kämpft sich Viggo Mortensen mit seinem gleichfalls großartigen Filmsohn Kodi Smit-McPhee in "The Road" durch ein drastisch bebildertes Roadmovie-Kammerspiel in der Post-Apokalypse.

Und während sich Romain Duris in Patrice Chéreaus "Persécution" mit einer so uninteressanten wie komplizierten Liebesbeziehung mit Charlotte Gainsbourg abmüht, herrscht in anderen Beiträgen Krieg: mal in deftiger Zombie-Splatter-Verkleidung wie in George Romeros x-tem Untoten-Horror "Survival of the Dead" oder als klaustrophobisches Erlebnis, wenn in "Lebanon" der Libanon-Krieg aus der Perspektive der verzweifelten Rekruten in einem Panzer dem Zuschauer drastisch nah gebracht wird.

Auch Michael Moore zieht mal wieder in die Schlacht. Diesmal gegen das US-Finanzsystem. In "Capitalism: A Love Story" zeichnet der "Fahrenheit 9/11"-Regisseur nach, welche Gründe die derzeitige Krise hat und beschwert sich über den Verlust der Demokratie und die Entstehung einer von Gier getriebenen Herrschaft des Kapitals. Natürlich hat Moore seinen vergifteten Liebesbrief an den Kapitalismus, die Finanzwelt und die versagende US-Politik aber nicht nur mit den Tränen der Leidtragenden, sondern auch mit dem gewohnten Sarkasmus und seinen typischen Guerilla-Aktionen unterzeichnet. Eine differenzierte Analyse der Situation kommt so eher nicht zustande. Sein Film ist so manipulativ, selektiv und persönlich wie alle seine anderen Kinopropagandaaktionen. Dennoch ist "Capitalism" ein mitreißender Aufruf zur Revolution von einem Filmemacher, der nach wie vor für ein anderes Amerika kämpft.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Von der Wirtschaftskrise inspirieren ließ sich auch Werner Herzog, und schrieb Festivalgeschichte. Wie sich mit dem traditionellen Überraschungsfilm herausstellte, zog der deutschstämmige Regieveteran mit gleich zwei Beiträgen für die USA ins Löwen-Rennen. Allerdings wirkt sein "Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans" wie eine Polizeithriller-Videopremiere aus den 90er Jahren mit einem schon grotesk schlechten Nicolas Cage und genau drei genialen Szenen.

Laut dem Branchenblatt "Variety" hatte Abel Ferrara, der einst mit einem gleichnamigen Film Standards für abgründiges Polizistenverhalten setzte, schon vorab gesagt, dass Herzog für dieses Projekt in der Hölle sterben solle. Der wiederum entgegnete in Venedig, er kenne Ferrara und dessen Filme nicht. Das macht seinen "Bad Lieutenant" aber auch nicht besser. Gut, dass er noch den gelungenen Psychothriller "My Son, My Son, What Have Ye Done?" um einen Muttermord nachschob. Mit aufgekratzter Spannung, morbidem Humor und leichtem Eso-Touch blickt dieser unperfekte Low-Budget-Thriller mit beunruhigend unberechenbarer Musikuntermalung in den Wahnsinn seiner Hauptfigur und erinnerte dabei sehr an die die Filme David Lynchs, der für den Film als ausführender Produzent fungierte.

Preisverdächtig war das jedoch kaum, wie so vieles im diesjährigen Wettbewerb mit satten 25 Beiträgen. Dabei hätte Festival-Chef Marco Müller bestens auf den einen oder anderen Löwen-Konkurrenten verzichten können. Zwischen den Durchschnitts-Durststrecken gab es aber glücklicherweise immer wieder auch deutliche Ausreißer nach oben: Mit "Lebanon", "Capitalism", "Women Without Men" und "Lourdes". Ein Filmwunder gab es in Venedig jedoch nicht. Kann aber noch kommen. Vielleicht muss man einfach warten wie im vergangenen Jahr, als "The Wrestler" in letzter Sekunde seinen triumphalen Auftritt hatte. Diesmal wäre das "A Single Man", das Regie-Debüt des Ex-Gucci-Designers Tom Ford. Die Hoffnung stirbt immer mit dem letzten Film.

Von Sascha Rettig
1 2
weiter  
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Filmfestspiele Venedig Michael Moore zerlegt den Kapitalismus

Der deutsche Regisseur Werner Herzog zieht gleich mit zwei Produktionen ins Rennen um den Goldenen Löwen in Venedig. Sein Widersacher ist allerdings ein Schwergewicht: Michael Moores Abrechnung mit dem US-Kapitalismus sorgte für Aufsehen. mehr...

Internationale Filmfestspiele Die Jagd auf Venedigs Löwen

Wenn in Venedig die 66. Filmfestspiele beginnen, geht es amerikanisch zu. Die USA sind 2009 besonders stark vertreten und machen den Europäern die Löwen streitig. Wer am Ende gut gebrüllt hat, wird ab Mittwoch entschieden. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft