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24. September 2002, 11:17 Uhr

Die Fremdgeherin

Franka Potente beweist in Amerika viel Selbstbewusstsein© Phillip Dixon

Zum Glück gibt es Marie. Sie ist emotionaler Rettungsanker in diesem haarsträubenden Plot, sie darf Angst haben, schockiert sein - und sich sogar lustig machen über den Helden. »Die Romanvorlage«, so Franka Potente, »fand ich schrecklich. Dieses 70er-Jahre-Frauenbild, einfach furchtbar. Die Figur, die ich jetzt spiele, ist keine dekorative Tussi, sondern eine normale junge Frau, die sich in einer Ausnahmesituation wiederfindet. Ich hatte die Chance, mal aufzuräumen mit diesem blöden coolen Getue. Es ist eben nicht normal, dass irgendwer dich töten will, dass die Welt um dich herum in die Luft fliegt und Menschen durchsiebt werden. Da kotzt Marie halt in den Hausflur. Das war meine Idee.« In den braunen Augen blitzt es vor Vergnügen und Stolz, »und sie haben es nicht rausgeschnitten«.

Im Augenblick versucht die Westfälin, sich nicht kirre machen zu lassen. Auch nicht von den Paparazzi-Fotos, die sie knutschend mit Elijah Wood, dem Hobbit aus »Der Herr der Ringe«, zeigen. Eine Lovestory? »Klar ist was dran«, sagt sie amüsiert, »aber es ist viel weniger dramatisch, als es in den Zeitungen stand. Ertappt! So ein Quatsch. Tom und ich sind nicht mehr zusammen, keiner ist gestorben, keiner hat sich umgebracht. Und wir werden bestimmt auch wieder miteinander arbeiten. Ich frage mich nur, was ist das für ein Heiopei, der mich in einer Bar in Vancouver sieht und nichts Besseres zu tun hat, als die «Bild»-Zeitung anzurufen? Widerlich.« Dass sie sich nach fünf Jahren von »Lola rennt«-Regisseur Tom Tykwer getrennt hat, den sie noch vor kurzem »den Mann meines Lebens« nannte, ist für sie kein Widerspruch. »Wenn ich eine Beziehung beginne, werde ich immer das Gefühl haben - der isses. Alles andere wäre zynisch.«

Mehr will sie nicht sagen, ihr Intimleben geht niemanden was an. Und sie hat Wichtigeres zu tun. Sie nimmt sich Zeit für den Besuch ihrer alten Schule in Dülmen, quatscht mit ihren Fans im Teenie-Alter - und stürzt sich in die Arbeit. Bis Oktober steht die Lehrertochter für den Kinofilm »Blueprint« unter der Regie von Rolf Schübel vor der Kamera: in einer Doppelrolle, als MS-kranke Pianistin und deren Klon, eine Seele in zwei Körpern. Die sensible Geschichte ist ganz nach ihrem Geschmack, denn »ich mache echt nur Sachen, die für mich eine besondere Qualität haben«.

Keine Werbung, für kein Geld der Welt. Keine Kompromisse. Da bleibt sie stur. Starke Mädchen haben ihren eigenen Kopf - und Potente, das klingt echt stark.

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