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5. September 2007, 17:59 Uhr

"Ich muss mir nichts mehr beweisen!"

In der Musical-Komödie "Hairspray" von Adam Shankman spielt Michelle Pfeiffer die bösartige Velma Von Tussle© Warner/DDP

Was haben Sie also unternommen?
Ich habe Fotos von mir machen lassen. Ich habe im Telefonbuch unter Modellagenturen nachgeschaut, weil ich mir dachte, die wissen ja wohl, wie so was geht. Man hat mir gesagt, ich solle unverbindlich vorbeikommen, und so sind meine ersten Bilder entstanden. Und dann kam eins kam zum andern.

Sie haben auch an Schönheitswettbewerben teilgenommen? Ja, ein Freund sagte mir, der Jury-Vorsitzende sei ein Agent für Schauspieler, und so habe ich bei dem unterschrieben. Das hat mir den Anfang erleichtert. Ich nahm Schauspielunterricht und bekam dann Kontakt zu einem anderen Agenten, der mich in seine Kartei aufnahm. Er hat mir erste Fernsehrollen vermittelt, und so fing alles an, Schritt für Schritt.

Schauen Sie sich Ihre alten Filme gern an?
Nie. Das würde mich nur nervös machen.

Warum sind Sie vor ein paar Jahren mit Ihrer Familie aus Los Angeles nach Nordkalifornien gezogen?
Es ist nicht so, dass ich Los Angeles nicht mag - obwohl die Paparazzi schon sehr nerven. Aber mein Mann und ich haben immer gesagt, wenn die Kinder mal ein bisschen älter sind - Claudia ist jetzt 14 und Jack Henry 13 -, wollen wir in einer Gegend leben, in der es ein bisschen gemächlicher zugeht. Außerdem reitet meine Tochter, und wir haben jetzt ein richtig großes Grundstück mit Pferden, so ein Ranch-Leben ist in Los Angeles nicht möglich.

Sie sind seit vierzehn Jahren verheiratet. Gibt es da ein Erfolgsgeheimnis?
Ich hab mir den Richtigen ausgesucht.

Mögen Ihre Kinder Ihre Filme?
Sie interessieren sich nicht besonders dafür. Neulich habe ich meinem Sohn einen meiner Filme empfohlen, ich weiß nicht mehr welchen. Ach, sagte er, ist das der, in dem du das und das machst? Der kam gerade im Fernsehen, ich habe die ersten zehn Minuten gesehen. Und? Fragte ich, weiter hat es dich nicht gepackt? Nö, sagte er. Soviel dazu.

Haben Sie Ihren Kindern zuliebe schon mal eine bestimmte Rolle angenommen?
Nein, dazu bin ich viel zu egoistisch! Na gut, einmal habe ich in der Muppet-Show mit Miss Piggy gekämpft.

Berühmte Hollywood-Stars wie Glenn Close und Holly Hunter spielen derzeit Hauptrollen in amerikanischen Fernseh-Shows. Hat Ihr Mann Ihnen je angeboten, eine Serie für Sie zu schreiben?
Oh nein! Eine schreckliche Vorstellung. Wir beide kommen viel zu gern abends nach Hause und schimpfen darüber, was uns auf der Arbeit geärgert hat - und jeder von uns erwartet, dass der andere immer auf seiner Seite ist. David könnte sich nie über seine zickige Hauptdarstellerin beklagen und ich nie über den sturen Drehbuchautor! Manchmal würde ich gerne mit ihm arbeiten, er schreibt schließlich wunderbare Stoffe für Frauen. Aber nein, ich kenne zu viele Paare, die durch die gemeinsame Arbeit ihre Ehe aufs Spiel gesetzt haben.

Wie groß ist Ihr Ehrgeiz?
Einer der Vorteile des Älterwerdens - und wir suchen ständig nach den Vorteilen, nicht wahr? - ist, dass ich immer weniger das Gefühl habe, ich müsste mir oder anderen etwas beweisen.

Und wie steht es um Ihre Disziplin?
Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Mein Vater hat uns vier Kindern dieses ganz traditionelle amerikanische Arbeitsethos eingeimpft: Wenn du dich wirklich anstrengst und hart arbeitest, dann kannst du alles erreichen. Ich habe immer gern gearbeitet. Egal was du tust, sagte er, gib dir Mühe und mache das Beste daraus. Das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen. Ich bin gründlich, in allem, was ich tue. Wenn ich einen Schrank sauber mache, dann ist es hinterher der sauberste Schrank, den man sich denken kann.

Was machen Sie, um sich zu entspannen?
Ich male. Ölbilder. Stillleben. Nichts Weltbewegendes, aber genieße es seit vielen Jahren. Unser Keller steht voll mit meinen Bildern.

Wenn Sie morgen in Urlaub fahren könnten, was wäre Ihr Ziel?
Urlaub? Nun, dann würde ich zuallererst einen dicken fetten Burrito mit Guacamole essen. Ich liebe mexikanisches Essen, ich liebe Mexiko. Aber würde ich überhaupt eine Reise machen wollen? Ich glaube nicht. Ich würde zu Hause bleiben. Da bin ich am liebsten.

Interview: Frances Schönberger/Christine Kruttschnitt

Der Film "Hairspray" läuft am 6. September 2007 in den deutschen Kinos an.

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