9. November 2008, 08:00 Uhr

Wo 007 geboren wurde

James Bond, 007, Geburtsort, Ian Fleming, Roger Moore

Ian Fleming starb 1964, bevor er über seine Erlebnisse in Bletchley Park berichten durfte©

Wenn man durch Bletchley Park schlendert, scheint es allerdings nicht der richtige Ort zu sein, wo einem all die wilden Verfolgungsjagden und Verschwörungen einfallen, die Fleming in seinen Romanen verewigt hat. Alte Bäume, Blumenbeete und hübsche Häuschen. Nur die durchnummerierten Holzhütten haben etwas von Krieg. Allerdings erinnern sie von außen eher an KZ-Baracken.

Kodierungsmaschine Lektor erinnert an "Liebesgrüße aus Moskau"

In einer der Hütten erzählt Dave Whitechurch gerade von den 40 Brieftauben, die in Bletchley Park lebten, die von den Nazis beschossen wurden, als sie herausfanden, wozu die Tiere gut waren. Da kommt Mavis Batey um die Ecke. Sie war 19 Jahre alt, als sie 1940 zu den Code-Brechern nach Bletchley Park geholt wurde. Vorher hatte sie in London die Lyrik der deutschen Romantik studiert. Batey hat gerade das kleine Buch "From Bletchley With Love" verfasst, in dem sie in den Bond-Romanen nach Hinweisen auf Ian Flemings Zeit in Bletchley suchte. So erinnere zum Beispiel die Kodierungsmaschine Lektor in "Liebesgrüße aus Moskau" natürlich an Enigma. Seinen ersten Bond, "Casino Royale", schrieb Fleming in seinem jamaikanischen Feriendomizil "Goldeneye". 1941 versuchte Fleming angeblich im Casino von Estoril bei Lissabon deutsche Spione auszunehmen. Tatsächlich mischt sich Realität und Fiktion, auch wenn es meist nur Details sind. "Fleming wusste nicht all das über Bletchley, was Sie heute sehen können", sagt die Frau mit dem grauen Lockenkopf.

Aber er wusste etwas anderes, und das ist eine herbe Desillusionierung: "Fleming wusste, dass Geheimdienstoperationen statt kaltblütiger Abenteuer harte Arbeit, viel Geduld, hochentwickelte technische Fähigkeiten und wahnsinnig vorsichtige und kompetente Organisation bedeuteten", zitiert sie einen damaligen Kollegen des Autoren. Lebt James Bond also all das aus, was die Realität nicht hergab?

Zusätzliche Löcher im Hintern

Nach Ende des Krieges traf sich Fleming in London regelmäßig mit Geheimdienst-Kameraden, die den sogenannten 36 Club gegründet hatten. Die Männer saßen zusammen, rauchten, tranken, plauschten und beschwerten sich darüber, "dass es den traditionellen fiktionalen Spion nicht mehr gibt", beschreibt Batey. Fleming habe daraufhin eines Abends Abenteuer zusammenfantasiert, die er im Krieg hätte erleben können, wenn man ihm völlige Freiheit gelassen und unbegrenzt Geld zur Verfügung gestellt hätte. Wie bei Bond eben.

Und wie sieht das einer, der mal Bond war? Moore sieht das alles weiterhin sehr pragmatisch: Was die stärkste Erinnerung an seine Zeit als 007 sei? "Außer dass ich ordentlich bezahlt wurde? Ach wissen Sie, wundervolle Orte, die ich besuchen durfte, dass ich einen Jet Bird fahren konnte, die Alligatoren... aber die sind keine schöne Erinnerung."

James Bond, 007, Geburtsort, Ian Fleming, Roger Moore

Roger Moore in Bond-Tagen©

Aber ist denn nach sieben Mal Bond etwas übrig geblieben? Hat der Schauspieler vielleicht Narben davongetragen? Kurzes Lachen, dann sagt er voll britischer Selbstironie: "Ich habe ein paar zusätzliche Löcher am Hintern, weil sie mich in 'Der Spion, der mich liebte' fast in die Luft gesprengt haben. Ich saß auf einem Stuhl, und Curd Jürgens sollte unter dem Tisch eine Rakete auf mich feuern. Zwar hatte der Stuhl eine Metallplatte hinten drin, damit ich nichts abkriege. Aber dazu hätte ich rechtzeitig aufstehen müssen."

Kurz darauf verlässt Roger Moore Bletchley Park, überlässt es wieder seinen Besuchern und seiner Geschichte. Er lächelt, winkt und steigt in einen silbergrauen Aston Martin. Zumindest in diesem Augenblick sind sich Fleming und Moore plötzlich ganz nah.

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James Bond in Bild, Ton, Wort und online

  • "James Bond 007 - Ein Quantum Trost" ist am 6. November angelaufen.
  • Der Soundtrack zu "Quantum of Solace" von David Arnold ist bei Sony/BMG erschienen
  • Flemings Bond-Romane sind unter anderem im Heyne-Verlag erschienen
  • Die MGM Blu-ray James Bond Edition gewährt einen blitzblanken Blick auf die alten Filme
  • Anfang 2009 erscheint Roger Moores Autobiografie
  • Und wenn Sie mehr über Bletchley Park erfahren möchten: www.bletchleypark.org.uk
  • Wenn Sie ein Codierungs-Freak sind: www.codesandciphers.org.uk
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