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20. Juli 2008, 13:28 Uhr

Mamma Mia! "Meryl Streep bewegt mich sehr"

Zoom

Abba-Fan Meryl Streep (Mitte) bei der Filmpremiere in Stockholm mit Agnetha und Frida© Bob Strong/Reuters

Stimmt es, dass Sie minderwertige Songs damals gleich wieder zerstört haben?

Benny: Wir haben sie erst gar nicht aufgenommen. Deswegen gibt es heute keine verloren gegangenen, unbekannten Abba- Songs. Von uns ist glücklicherweise kein Müll im Umlauf, auch wenn man mit dem vorhandenen Material leicht ein "Worst of Abba"-Album zusammenstellen könnte. Aber da sind noch ein paar Song-Embryos in meinem Kopf, die sich nie voll entwickelt haben.

Sie hätten ja für den "Mamma Mia!"-Film einen neuen Abba-Song schreiben können.

Björn: Das hätte auch bedeutet, dass wir ihn zusammen mit den Frauen hätten aufnehmen müssen, und das wäre wohl etwas schwierig geworden, auch wenn unser Kontakt nach wie vor gut ist.
Benny: Eine Idee allein reicht nicht, unsere Hits waren immer harte, disziplinierte Arbeit. Jeden Tag von 10 bis 17 Uhr am Klavier und an der Gitarre. Außerdem würde ich nie versuchen, mit 61 noch Popsongs zu schreiben. Das überlass ich den Kids.
Björn: In den Siebzigern waren wir Teil des Mainstreams. Wir waren Pop. Ohren am Boden, immer am Lauschen, was die anderen gerade so machen. Wenn man kaum noch aktuelle Musik hört, kann man nicht mehr mithalten.

Zumindest haben Sie Madonna erlaubt, für Ihren Welthit "Hung Up" ein Abba-Sample zu verwenden. Was sonst niemand durfte.

Björn: Sie vergessen die Fugees. Warum wir so streng sind? Nun, die anderen sollen ihr eigenes Zeug schreiben. Ich hasse das, wenn sie eine unserer wundervollen Melodien benutzen, dazwischen rappen und dafür dann Lob einstecken. Das ist unfair!
Benny: Wir werden auch immer wieder gefragt, ob wir nicht "Dancing Queen" ins Internet stellen wollen, damit es die Leute remixen können. Wenn die glauben, sie sind besser als wir, sollen sie erst mal selbst was leisten!

Abba war in den 70er Jahren nie politisch aktiv. Trotz Vietnamkriegs, Watergate, sexueller Revolution. Warum eigentlich?

Björn: Wir haben darüber nie nachgedacht. Und uns stattdessen ins Songschreiben reingesteigert.
Benny: Wir wussten, dass wir gerade die Chance unseres Lebens haben. Wir mussten 100 Prozent geben, um sie zu nutzen. Deswegen sind wir auch nicht auf Tour gegangen. Wer hätte dann unsere Songs komponiert? Dazu braucht es volle Konzentration.

John McCain hat gerade "Take A Chance On Me" für seine Präsidentschaftskampagne eingesetzt.

Benny: Nur ein- oder zweimal, dann haben wir es untersagt. Wir würden ihm das nie gestatten. Nicht einem Republikaner, der ein Freund von George Bush ist.

Früher war Abba eine der meistgehassten Bands in Schweden, nun wird nächstes Jahr ein großes, interaktives Abba-Museum in Stockholm eröffnet. Fühlen Sie sich inzwischen genug respektiert in Ihrer Heimat?

Benny: Wir kümmerten uns damals nur um uns selbst und zogen unser Ding konsequent durch. Das galt als politisch inkorrekt. Aber später wurden wir gut behandelt. Ich hab sogar eine Medaille vom König bekommen.
Björn: Ich auch. Ich weiß aber nicht mehr, wofür genau. Ich glaube, für künstlerische Errungenschaften.
Benny: Die war doch eher für das Lebenswerk, oder? Mir hat man jede Menge Kram nachgeschmissen. Die mochten mich.
Björn: Agnetha und Frida haben niemals eine Auszeichnung erhalten. Seltsam eigentlich.

Gefunden in ... Stern Stern
Ausgabe 29/2008

"Mamma Mia!"- Der Film Meryl singt abba gut Sophie lebt mit ihrer Mutter Donna auf einer kleinen griechischen Insel, wo Donna ein Hotel betreibt. Ihren Vater hat das Mädchen nie kennengelernt. Aus dem Tagebuch ihrer Mutter erfährt sie: Drei Männer kommen in Betracht. Zu ihrer Hochzeit lädt Sophie ohne Donnas Wissen alle drei ein, um herauszufinden, wer ihr Erzeuger ist. Mehr als 30 Millionen Menschen sahen die Musicalversion von "Mamma Mia!" bisher. Der Film setzt die Story mit Gute-Laune-Garantie fast eins zu eins um. Die singenden Meryl Streep und Pierce Brosnan sowie die neu arrangierten Abba-Hits sind allein schon das Eintrittsgeld wert. Eher schlichte Dialoge und eine überspannte Sophie-Darstellerin (Amanda Seyfried) trüben das unbeschwerte Sommervergnügen kaum. Ab 17. 7. im Kino

Interview: Matthias Schmidt; Mitarbeit: Tobias Schmitz
Seite 1: "Meryl Streep bewegt mich sehr"
Seite 2: Stimmt es, dass Sie minderwertige Songs damals gleich wieder zerstört haben?
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