
Abba-Fan Meryl Streep (Mitte) bei der Filmpremiere in Stockholm mit Agnetha und Frida© Bob Strong/Reuters
Benny: Wir haben sie erst gar nicht aufgenommen. Deswegen gibt es heute keine verloren gegangenen, unbekannten Abba- Songs. Von uns ist glücklicherweise kein Müll im Umlauf, auch wenn man mit dem vorhandenen Material leicht ein "Worst of Abba"-Album zusammenstellen könnte. Aber da sind noch ein paar Song-Embryos in meinem Kopf, die sich nie voll entwickelt haben.
Björn: Das hätte auch bedeutet, dass wir
ihn zusammen mit den Frauen hätten aufnehmen
müssen, und das wäre wohl etwas
schwierig geworden, auch wenn unser
Kontakt nach wie vor gut ist.
Benny: Eine Idee allein reicht nicht, unsere
Hits waren immer harte, disziplinierte
Arbeit. Jeden Tag von 10 bis 17 Uhr am
Klavier und an der Gitarre. Außerdem
würde ich nie versuchen, mit 61 noch Popsongs
zu schreiben. Das überlass ich den
Kids.
Björn: In den Siebzigern waren wir Teil
des Mainstreams. Wir waren Pop. Ohren
am Boden, immer am Lauschen, was die
anderen gerade so machen. Wenn man
kaum noch aktuelle Musik hört, kann man
nicht mehr mithalten.
Björn: Sie vergessen die Fugees. Warum
wir so streng sind? Nun, die anderen sollen
ihr eigenes Zeug schreiben. Ich hasse das,
wenn sie eine unserer wundervollen Melodien
benutzen, dazwischen rappen und dafür
dann Lob einstecken. Das ist unfair!
Benny: Wir werden auch immer wieder
gefragt, ob wir nicht "Dancing Queen" ins
Internet stellen wollen, damit es die Leute
remixen können. Wenn die glauben, sie
sind besser als wir, sollen sie erst mal selbst
was leisten!
Björn: Wir haben darüber nie nachgedacht.
Und uns stattdessen ins Songschreiben
reingesteigert.
Benny: Wir wussten, dass wir gerade die
Chance unseres Lebens haben. Wir mussten
100 Prozent geben, um sie zu nutzen.
Deswegen sind wir auch nicht auf Tour
gegangen. Wer hätte dann unsere Songs
komponiert? Dazu braucht es volle Konzentration.
Benny: Nur ein- oder zweimal, dann haben wir es untersagt. Wir würden ihm das nie gestatten. Nicht einem Republikaner, der ein Freund von George Bush ist.
Benny: Wir kümmerten uns damals nur
um uns selbst und zogen unser Ding
konsequent durch. Das galt als politisch
inkorrekt. Aber später wurden wir gut
behandelt. Ich hab sogar eine Medaille
vom König bekommen.
Björn: Ich auch. Ich weiß aber nicht mehr,
wofür genau. Ich glaube, für künstlerische
Errungenschaften.
Benny: Die war doch eher für das Lebenswerk,
oder? Mir hat man jede Menge Kram
nachgeschmissen. Die mochten mich.
Björn: Agnetha und Frida haben niemals
eine Auszeichnung erhalten. Seltsam
eigentlich.
Gefunden in ...
Stern
Ausgabe 29/2008
"Mamma Mia!"- Der Film Meryl singt abba gut Sophie lebt mit ihrer Mutter Donna auf einer kleinen griechischen Insel, wo Donna ein Hotel betreibt. Ihren Vater hat das Mädchen nie kennengelernt. Aus dem Tagebuch ihrer Mutter erfährt sie: Drei Männer kommen in Betracht. Zu ihrer Hochzeit lädt Sophie ohne Donnas Wissen alle drei ein, um herauszufinden, wer ihr Erzeuger ist. Mehr als 30 Millionen Menschen sahen die Musicalversion von "Mamma Mia!" bisher. Der Film setzt die Story mit Gute-Laune-Garantie fast eins zu eins um. Die singenden Meryl Streep und Pierce Brosnan sowie die neu arrangierten Abba-Hits sind allein schon das Eintrittsgeld wert. Eher schlichte Dialoge und eine überspannte Sophie-Darstellerin (Amanda Seyfried) trüben das unbeschwerte Sommervergnügen kaum. Ab 17. 7. im Kino