
Premiere von "The Good Shepherd": Martina Gedeck zwischen Matt Damon (l.) und Robert De Niro© Sebastian Willnow/DDP
Ich wollte ungern weg vom Set. Einmal saß ich auf einem Stuhl in einem Vorraum. Plötzlich kam eine Frau mit der Leiter, kletterte sie rauf, dann stellte sie die Leiter drei Zentimeter näher, kletterte wieder hoch, umkreiste mich. Ich dachte, was ist los? Wieso attackiert sie mich mit der Leiter? Irgendwie wollte sie mich vertreiben, sagte aber kein Wort. Ich war ja der Star, sie nur Technikerin. Aber durch ihre Haltung hat sie mir signalisiert, was willst du hier, das ist mein Arbeitsbereich, verschwinde hier. Ich bin dann auch gegangen. In dem Moment, wo gebaut wird, wird gebaut, da hast du als Schauspieler nicht rumzuhängen.
Na ja, ich habe es mir nicht so schön vorgestellt. Ich saß neben der Kamera und hatte ein ganz starkes Gefühl von Erfüllung. Das klingt ein bisschen kitschig, aber es war ein extremer Glücksmoment. Als ich ihn zum ersten Mal zur Maskenabnahme am Set gesehen habe, war De Niro gerade dabei, eine Szene mit Matt Damon und William Hurt zu drehen. Man sah die beiden Schauspieler, die Kamera fuhr so vor ihnen her, die Kabelträger und die beiden Angler, wie das eben so ist, drum herum ein kleiner Trupp von Leuten. Und dann sah ich, wie am Ende De Niro hochkonzentriert mit seinem Watchman hinten dem Trupp herging. Dieser Watchman ist mit einem Kabel an der Kamera angeschlossen, man muss also mitgehen. Immer wieder hat er mit der Schauspielerin leise gesprochen, es ging alles sehr ruhig vonstatten. Der Moment hatte Magie, sie sahen aus wie Vögel, die sich fortbewegen. Es wiederholte sich, und ich dachte: "Was sagt er ihnen jetzt?" Und irgendwann war es vorbei. Ein paar Monate später, als ich selbst drehte, habe ich jede Sekunde genossen, mit jemanden zu tun zu haben, der wirklich alles aus dir rausholt. Der Übergang in eine andere Realität findet tatsächlich statt, plötzlich bist du in einer anderen Zeit, in einem anderen Land, in einer anderen Welt. Wodurch das entsteht, weiß ich auch nicht. Ich würde mir so eine Regiearbeit immer wünschen.
Er lässt uns spielen. Es wird nicht immer unterbrochen, weil die Maske tupfen muss, sondern man spielt die Szene zehnmal hintereinander. Dadurch potenziert sie sich, weil nicht dauernd die Atmosphäre zusammenbricht. Das ist eine Technik, die Scorsese und De Niro in den 70er Jahren entwickelt haben. Die Kamera läuft, eine halbe Stunde durch. Mir hat jemand erzählt, Pacino spielt eine Szene, beispielsweise wenn er einen Ausbruch hat, 40 Mal hintereinander. Und sein Partner ist erschöpft, wenn es ein Anfänger ist, der diese Technik nicht kann, und wird immer schlechter, während Pacino immer besser wird. Durch diese ständige Wiederholung steigert man sich, denkt nicht mehr an den Text, sondern ist wirklich in der Situation. So entsteht eine realistische Darstellung, diese Lockerheit, diese Echtheit, das können die Amerikaner.
... man muss nicht, aber mir war angenehm, dass es so war.
Anfang heißt, dass man etwas zum ersten Mal macht, nicht dass man es zum zweiten Mal macht.
Nein. Aber ich habe mich schon immer offen gehalten, für ausländische Produktionen zu arbeiten. Ich habe in Italien gedreht und einen französischen Film gemacht, noch keinen amerikanischen. Aber ich finde das auf jeden Fall bedenkenswert.