. .
Film, Kino, DVD
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
14. Dezember 2009, 11:41 Uhr

"Klar tickt man manchmal aus"

Laufen Sie weg?
Nein, ich renne einfach sehr schnell.

Das hört sich aber auch nach Flucht an.
Naja, vielleicht manchmal vor mir selbst. Das sind aber auch angenehme Fluchten. Wenn ich eine Rolle spiele, ist das herrlich. Dann muss ich nicht die Probleme zu Hause bearbeiten, sondern bin zwölf Stunden auf'm Boot und fahre übers Wasser. Das ist großartig.

Haben Sie jemals befürchtet, dass Sie wegen Ihres Aussehens nicht ernst genug genommen werden? Dass das Äußere zu sehr in den Vordergrund tritt?
Nein. Ich suche mir meine Rollen ja dementsprechend aus. Als ich Marcel Reich-Ranicki gespielt habe, dachten alle "Der spinnt jetzt". Wenn ich darüber nachdenken würde, würde ich mich niemals trauen, so etwas zu spielen, weil ich wüsste, dass ich damit vielleicht auch so richtig auf die Fresse falle. Lieber mehr Mut zur Hässlichkeit und sein Ding machen. Das Gesicht ist ja sowieso da. Damit beschäftigen sich andere.

Wie sehr hat das Vatersein Ihren Anspruch an die Kunst verändert?
Durch das Kind hat man im Blick, was eigentlich wichtig ist. Der Beruf ist wirklich mein Leben, meine Familie ist das aber auch. Ohne den Beruf wäre ich wiederum kein guter Vater. So aber kann ich sehr viel weitergeben.

Aber Sie brauchen schon jemanden, der Ihnen den Rücken freihält.
Das macht dann die Mutter. Und wir haben auch eine gute Nanny. Es hilft, wenn man eine erzieherische Person an der Seite hat, die mit dem Kind noch mal anders umgeht als man selbst. Ich liebe meinen Beruf, aber meine Tochter ist schon Platz eins. Was ich durch sie wieder für Geschichten lese, Märchen und so. Ich lese ihr vor und denke dann: "Krasse Story, das ist eigentlich ein Film dieser Froschkönig ..." Ein Kind macht einen unheimlich auf.

Geschichten enden meist mit der Katharsis, aber im Leben geht es ja immer weiter. Wenn man, wie Sie, so sehr in Geschichten lebt, birgt der Alltag da nicht ein großes Frustpotenzial?
Nein, das ist sogar sehr hilfreich. Wenn du immer wieder andere Probleme behandelst, weil du zum Beispiel einen Sanitäter spielst, der täglich dem Tod begegnet, oder Leute, die einander betrügen, kannst du das alles im Film ausleben und weißt eigentlich schon, was im wahren Leben passieren würde. Du kannst in eigenen Beziehungen viele Dinge viel besser analysieren. Aber klar tickt man manchmal ganz ordentlich aus, oder man springt auch schon mal ins kalte Wasser. Ich mache das jetzt seit 14 Jahren. Durch Öffentlichkeit verändert sich vieles. Aber ich versuche, normal zu bleiben. Sonst würde mein Kind ja auch eine Macke kriegen.

Sind Künstler immer einsam?
Müssen sie nicht, aber ich denke, Künstler müssen ein Problem haben oder eines erfinden, mit dem sie sich auseinandersetzen können.

Was ist Ihr Problem?
Ich hab nicht wirklich ein Problem. Wenn, dann hat es mit Einsamkeit zu tun.

Spielen Sie gegen Einsamkeit an?
Nee.

Aber da ist schon etwas Wiederkehrendes bei der Wahl Ihrer Filmrollen.
Ich glaube, es sind schon sehr einsame Charaktere. Eher nicht so der glückliche Familienvater. Dadurch dass ich damit viel in meinem Leben arbeite - das hat auch mit Familiengeschichte zu tun - kann ich dem natürlich sofort Leben geben. Ich verstehe ja, worum es geht.

Sie spielen auf Ihre Kindheit an, in der Ihre Eltern viel unterwegs waren?
Ja, aber auch generell, heute. Das hat mit dem Leben zu tun, und das ist eben meine Geschichte. Aber das gilt nicht für alle Künstler.

Wie ist das eigentlich, wenn man nach all dem Rummel - Partys, Fotografen, Fans - ins Hotelzimmer kommt, und die Tür schließt sich. Kommt dann eine Art Einsamkeitsschub?
Kommt drauf an, wie man damit umgeht. Manchmal fühlt sich das schon an wie von 100 auf 0. Aber ich habe eine sensationelle Familie um mich herum, das macht sehr viel aus. Und ich habe ja auch noch die Firma. Wenn die Tür sich schließt, kann ich meinen Autoren anrufen und sagen: "Ich habe eine Story gefunden, lass uns was machen."

Kennen Sie Langeweile?
Wenn ich kann, fahr ich raus aus der Stadt. Wir haben da so ein kleines Häuschen, und dann hacke ich Holz. Das klingt vielleicht blöd, aber das hilft wirklich. Das ist etwas sehr Klares. Da bist du sofort unten. Andere spielen Golf, ich hacke Holz.

Von Sophie Albers
1 2
weiter  
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
tannebaum (15.12.2009, 10:52 Uhr)
@snoopy3
ihre selbstverachtung, die sie auf andere übertragen, hat seinen komischen beigeschmack.
ich bin stolz hier geboren zu sein, engagiere mich für dieses land, erfreue mich an meinen leistungen, auch an den was ich verdiene und genieße es, hier zu leben.

wenn sie alles nicht können, dann empfehle ich ihnen die auswanderung. es gibt sicher ein land, wo sie sich wohlfühlen... ich hoffe nur für die menschen dort, dass die mit ihnen klarkommen.


und zu schweighöfer:

austicken würde ich auch, wenn ich mal bei walküre mitarbeiten darf und danach mit so einem schund wie zweiohrküken geld verdienen muss!!! da versagt einem ja selbst der anspruch, ein ernstzunehmender schauspieler zu sein. kein wunder, wenn da der blick in den spiegel schmerzt.
adel-ar (15.12.2009, 09:29 Uhr)
@snoopy3
Was Sie haben nennt man eine Neurose, eine mehr oder weniger starke Form des Selbsthasses, projeziert auf andere Menschen. Ist sehr traurig, in Ihrer Generation und den 68ern aber dermaßen verbreitet, dass es unbehandelbar ist und man nur auf ein Aussterben warten kann.

Tatsächlich sind die meisten Menschen überall (in jeder Kultur) nicht dafür zu gebrauchen sich mit ihnen zu identifizieren (man müsste schon enorm abstrahieren) und dennoch eignet sich eine jede Kultur dazu stolz auf sie zu sein. Den Mittelweg zu finden sich mit seiner Kultur zu identifizieren und dadurch auch für sie zu engagieren ist unverzichtbar für eine moderne Gesellschaft (ich impliziere mal, dass alle die auf Deutschland scheißen, sich hier nicht für die Gesellschaft engagieren - was in jenen Kreisen üblich ist). Also Chauvinismus und ethnischer Selbsthasss (was beides auf einer Selbstschwäche basiert) sind abzulehnen. Nur der Mittelweg führt weiter.
CeeTo (14.12.2009, 22:13 Uhr)
-.-
In Zeiten der Globalisierung und des Kulturrelativismus ist es wichtig zu wissen, zu wem man gehört und auf wen man sich unter Umständen verlassen kann.

So muss es natürlich heißen. Schade dass es keine Editionsfunktion gibt.
CeeTo (14.12.2009, 22:12 Uhr)
snoopy3
Schade dass du nicht stolz auf dein Land sein kannst.
Ich hoffe dass du wenigstens auf deine Taten stolz sein kannst und du keine mangelnde Bildung sowie gutes Benehmen hast (wie auch immer du das definierst)

Aber ich kann nur jedem raten seine Heimat mit einem gewissen Stolz zu ehren. Denn das schafft Zufriedenheit und ein Zusammengehörigkeitsgefühl. In Zeiten der Globalisierung und des Kulturrelativismus ist es wichtig zu wem man gehört und auf wen man sich unter Umständen verlassen kann.

MPeter9994 (14.12.2009, 19:01 Uhr)
@snoopy3: Klar kann man stolz sein Deutscher zu sein
Tjaja, das ist schon schwierig Deutscher zu sein, mit dieser zeitlichen Naehe zum 3. Reich und mit den offensichtlichen Eigenschaften der Deutschen, die Sie angesprochen haben. Ich lebe jetzt seit einem knappen Jahr in den USA und habe auf einem Besuch in Deutschland neulich diese Eigenschaften doppelt gespuert, da der Vergleich mit den sehr freundlichen und hilfsbereiten Amerikanern das deutlich hevorhebt.
Dennoch hat jede Nation und jedes Lebensgefuehl in einem Land auch Staerken. Engagement, Pflichtgefuehl und Zielorientierung sind zum Beispiel welche, die ich bei uns Deutschen erkennen kann. Und grundsaetzlich sind Deutsche auch zu grosser Hilfsbereitschaft faehig.
Wir blockieren uns nur oft mit unserem massiven Schuldgefuehl aus den (zum Teil schrecklichen) Fehlern der Vergangenheit - und dieses Gefuehl ist natuerlich auch wichtig, um uns unsere Verantwortung immer vor Augen zu halten.
Aber gleichzeitig darf es uns selbst auch nicht den Blick in die Zukunft versperren und verhindern, dass wir unsere Staerken sehen und fuer etwas Gutes verwenden.

Ein wenig Stolz auf diese Staerken kann dabei schon helfen und ist meiner Meinung nach auch legitim.

Naiv? Vielleicht, ist mir aber persoenlich lieber als mich laufend ueber meine Landsleute zu beschweren - oder mich am Ende ueber's Beschweren zu beschweren. :)
snoopy3 (14.12.2009, 15:45 Uhr)
Stolzer Deutscher?
Sind es die mindestens 3 Jahrzehnte Altersunterschied - oder bin ich stets zu kritisch und mit offenen Augen durch die Welt gegangen?
Ich, jedenfalls hatte nie Anlaß, stolz darauf zu sein, daß ich die deutsche Staatsangehörigkeit besitze. Ich fühlte mich stets bei meinen skandinavischen Wurzeln wohler. Deutscher bin ich nur durch die "Zufälligkeit der Geburt". Selbst dazu beigetragen habe ich garnichts.
Sowohl früher, als auch noch heute schäme ich mich für das ungehobelte Benehmen und die mangelnde Bildung der meisten Deutschen im Ausland. Über diese Erfahrungen könnte ich locker ein Buch schreiben.
Erfahrenere Kollegen/innen Schweighöfer´s werden ihm unsere Erfahrungen bestätigen können.
Aber er ist ja noch jung und lernfähig.
MEHR ZUM ARTIKEL
Filmpremiere "Zweiohrküken" Machoalarm im Hasenstall

Mehr als sechs Millionen Kinozuschauer haben "Keinohrhasen" gesehen. Jetzt erweitert Til Schweiger seinen Film-Streichelzoo: In "Zweiohrküken" baut sein Macho Ludo mit Nora Tschirner als naiver Kindergärtnerin ein gemeinsames Nest. Beziehungszoff und aufgeblasene Brüste - der Erfolg ist programmiert. mehr...

Marcel Reich-Ranicki Die Absolution ist schon erteilt

Matthias Schweighöfer spielt Marcel Reich-Ranicki. Den Segen des Meisters hat er. Konnte also kaum etwas schiefgehen bei der Verfilmung des Literaturkritiker-Lebens. Ein Besuch bei den Dreharbeiten. mehr...

"Der Rote Baron" Der Killerkavalier

Im Ersten Weltkrieg wurde er von Freund und Feind als "roter Teufel" bewundert. Nach dem frühen Tod wuchs der Mythos weiter. Nikolai Müllerschön hat die Geschichte des "Roten Barons" nun mit Matthias Schweighöfer verfilmt. Und die bestehende Legende noch ein bisschen aufgemotzt. mehr...

Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft