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5. Mai 2007, 15:08 Uhr

"Er ist ein Heuchler"

"Dokumentarfilme müssen Lügen aufdecken und dürfen sie nicht verbergen": Debbie Melnyk und Rick Caine vor ihrem Haus in Toronto© Sandy Nicholson

Wer also ist Michael Moore?

Melnyk: Ein Heuchler. Er sagt das eine und macht das andere. Er klagt Bushs Methoden an, seine Panikmache, und wendet sie selber an. Er stellte sich vor Studenten und rief: Wenn ihr Bush wählt, führt er die Wehrpflicht wieder ein - was völlig abwegig war -, dann müsst ihr alle in den Krieg. Einer seiner besten Freunde sagte zu uns: Michael hat einen fanatischen, zwanghaften Drang, immer im Recht zu sein.
Caine: Es hat schon was Pathologisches. Der Filmkritiker David Gilmour sagt an einer Stelle unseres Films zu Moore: Dein Film ist nicht gut. Moore kann mit Kritik nicht umgehen. Also macht er aus dem Gespräch einen Klassenkampf: Du, der reiche Intellektuelle, attackierst mich, den armen Arbeitersohn. Das macht er gern.

Dabei ist er inzwischen alles andere als arm.

Melnyk: Er hat jetzt ein Haus in Michigan, wo er ausgerechnet unter all den Firmenbossen und Klassenfeinden lebt, die er in seinen Filmen anklagt.

Zum Schluss gibt es eine verstörende Szene:. Moore lässt Sie bei einer Veranstaltung rausschmeißen. Es kommt zu einer Art Ringkampf.

Melnyk: Moores Schwester ging mit ein paar Security-Männern auf uns los. Das ist die Ironie an der ganzen Geschichte: Er setzt sich für Meinungsfreiheit ein, duldet sie aber nicht in seinem Umfeld.
Caine: Er beschäftigt Ex-Soldaten als Bodyguards, Typen einer paramilitärischen Spezialeinheit. Die tragen Waffen und räumen die Presse aus dem Weg.

Sie haben Moore mit all dem konfrontiert?

Melnyk: Wir haben drei Jahre um ein Interview gebeten. Es wurde uns mehrere Male versprochen, aber immer abgesagt.

So wie es Moore in seinen Filmen selbst ergeht.

Caine: Ja, er ist jetzt Boss eines Imperiums und macht es genauso wie Roger Smith. Er zeigt sich in seinen Filmen als lustig und umgänglich, das ist sein Image, und dann gibt es diese andere Person - und zwischen beiden liegen Welten.

Haben Sie schon Hass-Mails erhalten?

Caine: Ja, einige, und eine Todesdrohung, aber ich nehme die nicht ernst. Und dann kommen von rechten Spinnern die ersten Aufforderungen: Entlarvt als Nächstes bitte den Film "Eine unbequeme Wahrheit" von Al Gore. Verrückt, so was.

Moore sagt an einer Stelle in Ihrem Film: "Ich mag keine Dokumentarfilme."

Caine: Wir mögen sie noch immer.

"Manufacturing Dissent" feiert seine Deutschland-Premiere am 5. Mai auf dem Internationalen Dokumentarfilmfestival München.

Von Jan Christoph Wiechmann
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