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16. Juli 2005, 10:05 Uhr

"Der Krieg ist vorbei"

Ist es schwierig, ein Filmstar zu sein, ohne zum Arschloch zu werden?

Ja. Die Leute behandeln dich auf einmal anders. Es war bizarr. 15 Jahre vorher, als ich keinen einzigen Dollar besaß, hat mich niemand im Restaurant eingeladen. Und wenn du es dir auf einmal leisten kannst, sagen sie: "No money, please." Die, die dir wie einem Hund in den Arsch getreten haben, küssen ihn dir auf einmal. Damit konnte ich nicht umgehen.

Sie haben Dustin Hoffman nicht zurückgerufen, der Ihnen die Rolle von Tom Cruise in "Rain Man" angeboten hat, Sie konnten sich noch nicht mal den Namen Ihres Agenten merken. Wurden Sie größenwahnsinnig?

Ich wurde arrogant. Ich dachte, ich verdiene das alles, weil ich so unglaublich gut bin. Und irgendwann wurde ich müde, Filme zu machen, es langweilte mich.

Sie drehten Filme wie "Harley Davidson and the Marlboro Man" mit Don Johnson und haben das Drehbuch zu "Pulp Fiction" noch nicht mal gelesen.

Ich bereue verdammt viel, glauben Sie mir. Aber ich habe mich mit dem Erfolg nicht wohlgefühlt. Ich dachte: Das kann nicht ich sein. Ich fühlte mich wohler auf der Straße, da komme ich her. Ich hasse sie, aber sie ist ein Teil von mir.

Sie waren befreundet mit dem inzwischen ermordeten Rapper Tupac Shakur, dem Mafia-Boss John Gotti und Sonny Barger, dem Chef der Hell's Angels.

Ich fühle mich wohl mit Leuten, die auch von der Straße kommen. Nehmen Sie Robert hier (Rourke deutet auf einen Begleiter, der aussieht wie ein mexikanischer Drogendealer). Ich kenne ihn seit 15 Jahren. Bevor er mein Fahrer wurde, war er Bankräuber (Rourke ballert mit einer imaginären Pistole in die Luft), acht Jahre hat er gesessen. Ich mag ihn.

Sie begannen Anfang der Neunziger eine Karriere als Profiboxer. Sie waren Mitte 30 ...

... und ich hab gegen Typen gekämpft, die zehn Jahre jünger waren als ich. Aber ich dachte, Fuck, bevor ich nur noch angeln kann, will ich noch boxen. Dieser Traum hat mich seit meiner Jugend verfolgt.

Ist Boxen so ähnlich wie Schauspielern?

Beides hat mit denselben Dingen zu tun: mit Instinkt, Körpersprache, Konzentration. Du musst die Dinge fokussieren, und du brauchst Disziplin. Als Boxer habe ich wie ein Tier trainiert, ich hatte verdammten Schiss!

Am Ende hatten Sie eine fünfmal gebrochene Nase, einen zerschmetterten Wangenknochen und ein angegriffenes Nervensystem. Sie lebten von 200 Dollar in der Woche in einem Apartment, so groß wie ein Schuhkarton.

Ja, ich war ganz unten. Ich musste meine Motorräder verkaufen, um die Miete zahlen zu können. Das hat mich umgebracht, glauben Sie mir. Vor elf Jahren hatte ich zehn Motorräder, heute habe ich nur noch eins.

Wann ist Ihnen klar geworden, dass Sie einen Therapeuten brauchen?

Es musste erst der schwärzeste Punkt meines Lebens kommen. Vor neun Jahren habe ich in meinem Haus in Los Angeles gesessen. Es regnete, blitzte, donnerte. Das Haus gehörte der Bank, ich hatte alles verkauft, alles verloren: meine Freunde, meine Motorräder, meine Ehre. Und dann wollte meine Frau mich verlassen. Sie hat zu mir gesagt: "Wenn ich bei dir bleibe, fange ich wieder mit den Drogen an. Du bringst mich um, du bist nicht beständig." Beständig: Das Wort musste ich erst mal nachschlagen. Heute weiß ich, dass sie Recht hatte. Ich habe wie ein Kind geweint, gefleht: Bitte geh nicht.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 28/2005

 
 
 
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