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3. Juni 2010, 13:05 Uhr

"Ich bin mehr als Titten und Muschi"

In der Verfilmung von Stieg Larssons Bestsellerreihe "Millennium-Trilogie" hat sie Lisbeth Salander zu einer Leinwandikone gemacht. Auch das wahre Leben ist für Noomi Rapace ein Kampf. Im Gespräch mit stern.de verriet die Schwedin, was sie hasst, was sie liebt und warum sie nicht lächelt.

Sehen sie Lisbeth auch als Sinnbild für den Status der Frau in der Gesellschaft? Anders gefragt: Missbraucht die Gesellschaft die Frauen?

Die Gesellschaft will nicht, dass wir glücklich sind. Dann würden wir ja nichts kaufen, dann wäre es nicht so einfach, uns zu beherrschen. Unglückliche Menschen sind leichter zu kontrollieren. Also: Ja, definitiv. Als ich noch jünger war, habe ich zuweilen gedacht, die Regierung hätte einen Pakt mit den Medien geschlossen, weil die so viele schreckliche Sachen ausspuckten, wie wir aussehen, wie wir uns benehmen sollen, was für ein Mensch man sein muss, um geliebt zu werden. Dabei hat es mit dem realen Leben nichts zu tun! Wenn du jung bist und auf der Suche, ist es schwierig, das zu erkennen. Und es ist ein Desaster, dass es so wenige Stimmen gibt, die sagen: "Hör nicht auf den Scheiß, weil es dir wehtun wird."

Suchen Sie sich deshalb immer wieder diese gequälten Frauenrollen aus? Als nächstes spielen Sie eine missbrauchte Mutter, die ihr Kind schützen will, und eine Holocaust-Überlebende, die einen Nazi heiratet.

Ja, denn ich glaube, das Leben ist kompliziert.

Könnten Sie sich überhaupt vorstellen, in einer romantischen Komödie mitzuspielen?

Ich sehe keinen Wert in romantischen Komödien. Ich habe noch nie eine gesehen, die mir irgendetwas gegeben hätte. Es gibt viele Schauspieler, die wesentlich besser dazu geeignet sind, solche Filme zu drehen. Für mich sind sie nichts.

Was bedeutet es für Sie, eine Frau zu sein?

Ich bin mir nicht sicher. Ich glaube, ich bin zu 50 Prozent Frau und zu 50 Prozent Mann. Ich bin ein Mensch. Ich hasse es, mit einfachen Lösungen abgespeist zu werden: Das ist ein weibliches Problem, oder das ist ein Männerding ... Diese Denkweise! Manchmal möchte ich schreien. Kann es euch nicht scheißegal sein, dass ich Titten und eine Muschi habe? Ich bin ich. Mich müsst ihr sehen. Es geht immer nur darum, wie du aussiehst. Das hier ist wie ein Spiel. Auf dem roten Teppich, auf Pressekonferenzen, wenn du mit Filmverleihern reden musst, mit Produzenten. Ich kann das nicht wirklich ernst nehmen. Für mich ist das auch eine Rolle, die ich spielen muss. Und in dieser Rolle versuche ich, eine gute Figur zu machen, weil es dem Film hilft.

Und wenn Sie nicht mitspielen würden?

Gäbe es vielleicht kein Publikum. Ich weiß es nicht. Sie sagen, dass wir es brauchen. Wenn du eine Schauspielerin sein willst, musst du dich entscheiden, es akzeptieren oder es lassen. Nehmen Sie gestern Abend: Ich musste auf den roten Teppich, und hinterher hat man mich gefragt, warum ich nicht gelächelt hätte, nicht ein einziges Mal. Und ich sagte: Warum sollte ich auch? Weil ich eine Frau bin? Weil die normalerweise mit einem Riesengrinsen (zieht eine Grimasse) drüber laufen? Männer brauchen das nicht. George Clooney, Brad Pitt, die laufen da einfach lang, sind cool, drehen sich und gehen wieder. Oder nehmen Sie Titelblätter. Ich habe keine Lust, lächelnd mit einer "Das Leben ist einfach"-Attitüde auf dem Cover abgebildet zu werden. "Lächle, und alles wird gut." Ich will keine einfachen Antworten geben! Dann wurde ich von einem Männermagazin angefragt, wo sonst immer Männer vorn drauf sind, meist mit verschränkten Armen und ernstem Blick, und ich habe gesagt: "Wenn ihr mich so fotografiert, mache ich mit." (lacht)

Und was ist passiert?

Das wollten sie natürlich nicht! (lacht ausgelassen) Und so war es gestern auch auf dem roten Teppich. So habe ich das Gefühl, meine Würde zu behalten. Ich will ihnen nicht alles geben. Ich will keine lächelnde Barbie sein.

Ist Schauspielersein erniedrigend?

Es sollte das Gegenteil sein. Aber es kann sehr erniedrigend sein. Du musst dich immer wieder fragen, was du willst. Du hast die Wahl. Nehmen Sie als Beispiel die Vergewaltigungsszene in "Millennium". Ich musste 100-prozentig sicher sein, dass ich diese Szene machen will. Ich musste überzeugt sein, dass wir diese Szene brauchen, dass sie etwas über Lisbeth sagt. Darüber, was es auslöst. Dann weiß ich, dass es meine Entscheidung ist. Da ist Eitelkeit keine Frage mehr. Eine Vergewaltigungsszene ist niemals schön. Ich hasse es, wenn sie zur Unterhaltung genutzt werden, wenn es ästhetisiert wird. Im wahren Leben gehört es zu den schlimmsten Verbrechen, die einem Menschen angetan werden können. Also: Wenn sich der Schauspieler immer wieder fragt, wie weit er gehen will, muss die Arbeit nicht demütigend sein.

Frau Rapace, was fasziniert Sie so an der hässlichen, düsteren Seite des Menschseins?

(Längere Pause) Meine Wahrheit war immer auf der dunklen Seite des Lebens. Menschen sind nicht nur gut oder nur schlecht. Wir können alles sein. In extremen Situationen kann man schreckliche Dinge tun. Aber wir sind auch liebevoll und aufmerksam. Ich möchte gern verstehen, was uns lenkt, das Schlimmste zu tun. Ich glaube, wir balancieren ständig auf einem schmalen Grat, und wir können jederzeit runterfallen.

Interview: Sophie Albers
Seite 1: "Ich bin mehr als Titten und Muschi"
Seite 2: Sehen sie Lisbeth auch als Sinnbild für den Status der Frau in der Gesellschaft? Anders gefragt: Missbraucht die Gesellschaft die Frauen?
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Gelbrausch (05.06.2010, 14:40 Uhr)
An Tannebaum
Natürlich kann man Millionär sein und Links. Das kommt öfter vor als Sie denken. Das hängt davon ab, ob man was im Kopf hat, oder nur geldgierig ist. Mankell war schon Links bevor er Millionär wurde, im Gegensatz zu den meisten "Normalo-Loosern". Die Rechts wählen oder gar nicht.
paladin09 (05.06.2010, 05:37 Uhr)
Wer sich derart darstellt sollte
von dem was sie ausposaunt wenigstens auch etwas vorzuweisen haben. Nur ist es mit den weiblichen Atributen bei der nicht weit her. Was ihre vorwurfsvolle Aussage unverständlich, gar überflüssig werden läßt.
Tuvgar (04.06.2010, 22:18 Uhr)
Morons, überall!
@ ichbinwerichbin : Sie kommen wohl mit solch harschen Worten nicht klar, oder?
Ihr letzter Satz:"Aber vielleicht ist sie ja doch nur Titten und Muschi und kommt daher mit dem Denken nicht weiter."
Soll das einem etwa suggerieren, dass Menschen die Titten und Muschi besitzen nicht denken können?
Bitte erklären sie das einem, sie Held!
Sie hat doch Recht. Kritisieren tut sie im übrigen auch die Frauen. Außerdem schildert sie persönliche Erfahrungen als Mutter und als öffentliche Person. Was können sie schon sagen?
botoxia (04.06.2010, 10:04 Uhr)
No-Lobbyist
Sie haben einen Mac. Die Stern-Seite ist zu doof auf einem Mac getippte Anführungszeichen als solche zu erkennen.
tannebaum (04.06.2010, 09:38 Uhr)
das ist doch alles unsinn...
wenn eine frau, die riesengagen für die rollen bekommt, sich dann als frauenrollenversteherin ausgibt.
gleich wie mankell nun auf den kreuzzug gegen israel zieht. linksorientiert, aber schön als millionär weich gebettet.

ohja, viele wären gerne millionär und würden dann caritativ ne aufgabe übernehmen. dann hat man ja auch die zeit und die lust dazu.

fragen sie mal frauen, die um 6.30uhr shichtbeginn haben, wie sie sich sehen und was ihnen so vorschwebt und wo sie sich benachteiligt fühlen. und vor allem, ob sie nicht mal so richtig weiterschuften und die führung in allen bereichen übernehmen wollen...
gleiches können sie auch den mann nerben ihr am fliessband fragen. der fühlt sich jede minute am band sicher als der überlegene und bestimmer. ganz sicher...

wenn die bildung stimmt, dann kommt auch die freiheit. wer mehr verdient, der hat auch mehr möglichkeiten sich seine wünsche ein wenig zu erfüllen. und da sind die frauen auf dem vormarsch... an der uni jedenfalls. danach im berufsleben steigen enorm viele schnell aus. familie, kinder oder das: ich wollts mal probieren...
Swissmiss (04.06.2010, 09:14 Uhr)
@ ichbinwerichbin
Ja sicher, die Gesellschaft besteht zur Hälfte (oder sogar leicht mehr) aus Frauen. Dies ist aber nicht das entscheidende Kriterium: Überlegen Sie sich mal, wer mehrheitlich an den Stellen sitzt, wo Entscheidungen gefällt werden? Ja, jetzt sieht das Bild schon anders aus: Praktisch ausschliesslich Männer.

Das Interview erschreckt einen. Aber für mich macht Frau Rapace den Eindruck einer Frau, die sehr viel nachgedacht hat und nicht einfach nur der einfachen Erklärung halber der Gesellschaft die Schuld gibt. Ihre Antworten spiegeln sogar die Botschaft: Du kannst etwas ändern. Zwar ist es sehr, sehr mühsam und schwierig, aber gerade ihr Beispiel zeigt, dass man sich durchaus gegen Klischees stemmen kann. Aber es ist schwer - v.a. da viele Reaktionen so ausfallen wie die Ihre.

Ja, Sie mögen oft gefragt werden, wie sie die Situation als alleinerziehender Vater meistern. Trotzdem ist dies nicht vergleichbar mit der Situation vieler Frauen, denn Sie müssen sich sicher nicht rechtfertigen, wenn Sie trotz Kinder Karriere machen wollen. Sie werden ausserdem für die gleiche Arbeit mehr Lohn erhalten, als Ihre weiblichen Kollegen. Und wenn Sie den Menschen erklärt haben, wie Sie Ihr Leben als Alleinerziehender meistern, gelten Sie nachher eher als tapfer und heldenhaft. Wären Sie eine verheiratete Mutter, die auch Karriere machen will, so gelten Sie bei vielen als Rabenmutter.

Ich will nicht sagen, dass nur Männer daran schuld sind, wie heutzutage mit Frauen umgegangen wird - viele Frauen haben dies zugelassen (und lassen es noch zu) - aber viele Männer blockieren extrem, wenn es um Gleichberechtigung geht. Man vergleiche etwa nur mal, wie viel Aufmerksamkeit männlichen und weiblichen Kanditaten für politische Ämter in den Medien (mehrheitlich Männer am Hebel) eingeräumt wird - kein Wunder werden Frauen kaum gewählt.
ichbinwerichbin (04.06.2010, 00:32 Uhr)
Die Frau tut mir einfach nur leid
Solange sie noch in dieser Welt, die sie sich geschaffen hat lebt, wird sie nie zu sich selbst kommen. DIE Gesellschaft ist immer ein wunderbares Mittel sich nicht auseinandersetzen zu müssen. Und so Sprüche wir DIE Gesellschaft will nicht, dass Frauen glücklich sind ist einfach lachhaft. DIE Gesellschaft besteht zu mindestens der Hälfte aus Frauen.
Ich bin Vater und erziehe meine Kinder alleine, da meine Frau gestorben ist und ich werde genauso gefragt, wieso ich das so mache, ob das gut für die Kinder ist u.v.a.
Aber vielleicht ist sie ja doch nur Titten und Muschi und kommt daher mit dem Denken nicht weiter.
Mich hat der Artikel angewiedert
No-Lobbyist (03.06.2010, 22:48 Uhr)
???
Weiß gar nicht woher die Fragezeichen an unpassender Stelle kommen.
No-Lobbyist (03.06.2010, 22:41 Uhr)
Tja Männer - achtet mehr auf die inneren Werte.....
Begrüßenswert, wenn eine moderne Frau nicht die Klischees der Männer bedienen will.
Es gibt heutzutage viel zu viele denen nichts zu teuer und zu unnatürlich ist, um den Männern zu gefallen, als sexy zu gelten. Männer, Frauen und die Medienwelt, die allesamt daran arbeiten eine Idealfrau alla Barbie zu basteln? Selbst OP´s werden als Maßnahme zur bestmöglichen Ergebnis zur Erreichung des Schönheitsideals eingesetzt. Einfach nur krank.
Kleine Mädchen die schon mit 12 Jahren dem Diätenwahn verfallen, obwohl sie gertenschlank sind. Opfer des pervertierten Medienspektakels ? Model ? Casting, gedankt sei der Einschaltquotenjagd. Später benötigen sie u. U. - fast todkrank - einen Arzt und Psychotherapeuten, damit sie wieder richtig essen lernen und sich selbst annehmen können- als das Mädchen/ die Frau die sie sind.

Nun ist sie da, die Frau die brachial gegen diese Gedankenwelt ankämpft. Leider so extrem, dass sie ziemlich egoistisch wirkt. Jeder ist für sich verantwortlich, damit hat sie recht, aber man hat auch Verantwortung gegenüber anderen Menschen. Das eigene Ego sollte nur soweit bedient werden, so lange niemand anderes darunter zu leiden hat! Kompromisse gehören unweigerlich dazu, nur mit ihnen erzielt man harmonische Gemeinschaft.

Heute leben wir in einer Zeit die mehr Schein als Sein beachtet. Frauen haben zwar seit Menschengedenken eine besondere Stellung als ?Beute? der Männer, aber auch Männer müssen heute gewisse Vorstellungen der Frauen erfüllen. Das ist auch nicht mehr so einfach für sie, wie es früher einmal war und überfordert viele sogar- sie sollen charmant, lässig, gutsituiert, erfolgreich, schlank, gut aussehend, verständnisvoll und trotzdem die starke Schulter sein an denen sich Frau anlehnen kann? und sonstige positive Attribute erfüllen. Mittlerweile stehen auch sie unter Druck.


Plancklala (03.06.2010, 19:30 Uhr)
"Holocaustdrama"
Wer sich so eine perverse Scheiße als Genre ausdenkt hat wahrlich einen Nobelpreis verdient! Pfuj, ist das ekelhaft. Pfuj!
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