Ex-Außenministerin Madeleine Albright gibt ganz offen Tipps zur baldigen Chaosbewältigung an die potenziellen Nachfolger. Und selbst Äußerungen von Bush-Mitarbeitern kann man im doppelten Sinne lesen: Die Koordinierung der Amtsübergabe sei besonders wichtig in einer Zeit, in der sich die USA im Krieg befänden, die Finanzkrise meistern und sich vor Terroranschlägen schützen müssten, ließ sich nun Sprecherin Dana Perino vernehmen. Wenn man möchte, klingt das schon nach Resignation. Der Bush, den wir zu kennen meinen, zieht die Mundwinkel nach unten und zuckt mit den Schultern. Abwesenheit eines moralischen Bewusstseins Und dann gibt es da auch noch diesen Film, der pünktlich drei Wochen vor der Wahl in die US-Kinos kommt: Er trägt den schlichten Titel "W" und ist Oliver Stones Abschluss seiner Präsidenten-Trilogie: "JFK" (1991), "Nixon" (1995). Wobei George W. Bush der einzige ist, dem die Leinwand-Ehre zu Regierungszeiten zuteil wird. Stone hat eine schwarze Komödie gedreht über einen Mann, der nur noch komisch wirke, weil das Resultat seiner Machthabe "so lächerlich" ist, wie der Regisseur jüngst im Interview ausführte. Passenderweise haben Regisseur Stone und Drehbuchautor Stanley Weiser vor gut 20 Jahren auch zusammen "Wall Street" (1987) realisiert, den im Augenblick häufig zitierten Klassiker über die Gier und den freien Markt.

Fast herzlich spielt Josh Brolin in Oliver Stones "W" den Präsidenten© Lionsgate Films/ Reuters
Drei Phasen hat der Film: W. als betrunkener Student, W. als betrunkener Geschäftsmann, der gegen den Übervater kämpft, sowie W. als trockener Alkoholiker und wiedergeborener Christ, der als US-Präsident den Krieg gegen den Irak befiehlt. Eine entscheidende Eigenschaft Bushs sei die Abwesenheit von Reflexion und moralischem Bewusstsein, so Stone. Es gebe keine Entwicklung, Bush sei heute der gleiche Mann wie zu Beginn seiner Amtszeit. Wenn er geht, wird es also so sein wie vorher, als habe es W. nie gegeben - nur dass nun die Welt in Scherben liegt?
Bevor Bush am 20. Januar 2001 ins Weiße Haus einzog, hatten die Mitarbeiter seines Vorgängers Bill Clinton aus allen Tastaturen im Haus das W entfernt. Einer dieser Scherze, die die Mitarbeiter des scheidenden Präsidenten mit ihren Nachfolgern treiben. Ob George W., den wir zu kennen meinen, das überhaupt mitbekommen hat?
Am Ende antwortet der Pop auf die Politik: Als Anti-Marilyn hat Pink im vergangenen Jahr einen Song für ihren Präsidenten gesungen. "Dear Mister President" stellt dabei eigentlich die gleiche Frage wie Stones "W": Wie kann ein Mensch so schmerzfrei sein? "Mein Glaube befreit mich", hat Bush 1999 in seiner Autobiografie geschrieben. "Er befreit mich, Entscheidungen zu treffen, die andere nicht gutheißen mögen." Laut Stone müssen wir mit diesen Entscheidungen noch lange leben: "Dieser Mann hat die gesamte Welt verändert, und wer das leugnet, der ist ein Zyniker."
Am 17. Oktober läuft "W" in den USA an. Für den Filmstart in Deutschland steht noch kein Datum fest.