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23. Oktober 2008, 09:28 Uhr

George W. Bush allein zu Haus

Keine Erleuchtung über George W. Bush© Lionsgate/ Reuters

Wie er zu dem wurde, zeigt Stone aber nicht. Die Rückblenden zu Bushs Anfängen gehen nicht tief genug, um den Charakter und die Person von W. zu entdecken. Bush war ein Trinker. Er versagte in jedem Job, den ihm sein Vater George Bush, Präsident Nummer 41, besorgte. Und so ist fast jede Szene geprägt von Alkohol und dem ständigen Versuch des Sohnes, seinen übermächtigen Vater zu beeindrucken, der zu ihm immer nur sagt: "Du enttäuschst mich, Du enttäuschst mich zutiefst." Schnell wird klar, was Stone als zentrales Motiv für seinen Film gefunden hat: das ödipale Drama der Bushs. Es sind dann auch die stärksten Momente des Films, weil sie die intensivsten sind, wenn auch etwas klischeehaft. Eines Abends kommt Bush junior wieder betrunken nach Hause, und er fährt die Mülltonnen über den Haufen. Dieses Mal hat er nicht aus Frust getrunken, er feiert seine Aufnahme an der Harvard Business School. Er kommt ins Haus, der Vater schimpft, es kommt fast zu einer Prügelei. Am Ende verpasst der Alte dem Jungen den K.o., ohne ihn zu berühren, allein mit Worten. Er verkündet der Familie und Bush junior, wer tatsächlich hinter dessen Zulassung in Harvard steckt: Er, Poppy, der alles kann, sogar seinen Versager von Sohn nach Harvard bringen.

Und selbst, wenn W. doch etwas allein schafft, wenn er sogar vor seinem Bruder Jeb, dem Liebling der Familie, Gouverneur wird, schenkt ihm der Vater keine Anerkennung, Aufmerksamkeit, geschweige denn Zuneigung. Der alte Bush denkt am Tag der Amtseinführung von George an seinen anderen Sohn Jeb. W. ist verstört, er fragt ihn: "Warum bemitleidest Du Jeb, warum freust Du Dich nicht für mich?" Josh Brolin spielt George W. Bushs Verletzheit in diesen Situationen so überzeugend, dass man Mitleid mit W. bekommt. Das liegt aber allein an Brolin, nicht an Stone. Denn der zeichnet den Vater mit Sympathie. Der Kriegsheld George Bush ist Stone, dem Vietnam-Krieger, näher als der Harvard-Student. Dabei waren W. und Stone zur selben Zeit in Yale. Stone zog allerdings nach einem Jahr in den Vietnamkrieg, W. drückte sich vor dem Vietnam-Einsatz. Dank Poppy. Epiphanie beim Joggen Guantanamo, der Folterskandal in Abu Ghraib, das Versagen beim Hurrikan Katrina in New Orleans - das alles fehlt komplett in diesem Film. Stone konzentriert sich auf die Vater-Sohn-Geschichte, die alles erklären soll, es aber nicht tut. Was machte den Erfolg des Politikers W. aus? Wie kam er überhaupt nach oben? Und wie konnte er sich dort halten. Und warum W. zu Gott findet, soll man sich bei einem morgendlichen Lauf denken, bei dem man Bush nach einer Alkoholnacht keuschend und fast kollabierend durch den Park rennen sieht. Eine Erleuchtung ist das nicht. Der Film sollte eine Abrechnung mit Bush sein, zumindest wurde er in den USA so angekündigt. Es wurde erwartet, dass diese Abrechnung die Wahl des nächsten Präsidenten beeinflussen könnte. Das wird dieser Film bestimmt nicht. Er bedient nur die, die sowieso gegen Bush sind, wenn überhaupt. Stone sagte in einem Interview, er wollte die Person Bush greifbar machen, seine psychologischen Tiefen ergründen und zeigen, wie sich daraus sein Handeln als Präsident ergab. In der ersten Szene des Films sieht man Bush in einem leeren Stadion, wie er einen Baseball fängt, mit Mühe, aber er fängt ihn. Am Ende die gleiche Szene, aber dieses Mal fliegt kein Ball an, keiner wirft ihm mehr einen Ball zu. W. ist allein. Hilflos. Ratlos. So wie der Zuschauer.

Von Giuseppe di Grazia, New York
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KOMMENTARE (1 von 1)
 
Westerle.Merkwelle (25.10.2008, 09:47 Uhr)
Der nächste Präsident kann nur redlicher werden
Es ist unglaublich, wie niederträchtig die Administration unter G.W. Bush gehandelt hat. Und unsere CDU und FDP wären wie die Lemminge mit in den Irakkrieg gezogen!!!
Die USA haben die Welt mehrfach belogen bzgl. der Bedrohungen durch Bin Laden und Saddam Hussein und dies zum Vorwand genommen, um Krieg anzuzetteln. (http://www.tagesschau.de/ausland/irakstudie2.html). Es gibt so gut wie kein historisches Beispiel, welches widerlegt, dass die USA immer nur dort in der Welt auftauchen, wo es Rohstoffe zu erobern gibt. Menschenrechte sind da zweit- oder gar drittrangig. Warum also sind deutsche Soldaten in Afghanistan?
Ein britischer General, ein zu Zeiten des kalten Krieges bekannter kalter Krieger namens Jürgen Todenhöfer (sueddeutsche.de/politik/441/312356/text/) und die Linke sowieso - sie alle sagen: Der Krieg ist nicht zu gewinnen bzw. die Bundeswehr hat in Afghanistan nichts zu suchen und die Soldaten sollten nach Hause kommen.
In Afghanistan geht es zwar nicht um Öl, aber um die militärische Sicherung einer Erdgas Pipeline, die die amerikanische Firma Unicol hat bauen lassen. Und nun raten Sie mal, welche Afghanischen - und US- Politiker lukrative Jobs bei dieser Firma hatten bzw. haben. (Quelle: michaelmoore.com/warroom/f911notes/index.php?id=20 )
Korruption also überall, wo Bush seine unheilige Hand im Spiel hat.
Und dann wären da ja noch die Gerüchte um die Sprengung der Türme in New York. Auch hier hat Bush alles getan, um die Untersuchungen zu behindern. (http://video.google.de/videoplay?docid=1659812406812735870)
Wir werden den neuen Präsidenten daran messen müssen, ob er bestrebt ist, die Machenschaften von Bush und seiner Clique schonungslos offen zu legen.
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