Peter Lustig war kein Kind, mit dem man gern spielt. Er war das Flüchtlingskind, geflohen mit acht Jahren von Thüringen nach Oldenburg im Winter 1945/46, zu Fuß bei Eis und Schnee, geschleust von einer Zigeunerin. Seine Mutter wollte ihn jetzt wieder bei sich haben; den Krieg über hatte sie ihn in Breslau bei den Großeltern deponiert, sie selbst musste arbeiten gehen, der Vater war gestorben, als Peter eins war. Der Großvater, Straßenbahnschaffner, Steinmetz und Schuster, züchtete Tanzmäuse und Kanarienvögel und erklärte seinem Enkel die Welt. Von ihm hat Lustig viel gelernt, womöglich auch das Erklären. Sport war dem Jungen ein Greuel, beim Fußball wollte ihn niemand in der Mannschaft haben. Der Lehrer sagte, der Lustig muss auch mitmachen. Dicke Handschuhe hat er sich dann gekauft und sich ins Tor gestellt, dort störte er am wenigsten. Schule war nie sein Ding, lernen wollte er, aber nicht gemeinsam mit andern.
Da kommt Lustigs Frau. Seine dritte. 2000 haben sie geheiratet, da bekam er zu seinem Sohn auf einen Schlag drei Töchter dazu. Und vier Enkelinnen, die leider nicht ganz so gern basteln wie der Opa. Frau Lustig, 56, heißt Astrid. Sie ruft ihn Pu, nach seinem Lieblingsbuch "Pu der Bär". Manchmal kommt er zu ihr in die Küche und sucht ein bestimmtes Töpfchen, ganz dringend, für ein Experiment. Neulich musste sie ums Haus rennen, in der Hand einen Ballon, den er aus Stoffresten genäht hatte - um zu testen, ob er fliegt.
Der Mops macht es sich auf Frau Lustigs Schoß bequem. Keine zwei Minuten, und er schnarcht. Wie Lustig zum Fernsehen gekommen ist? Dazu gibt es drei schöne Geschichten.
Die erste: Hamburg, frühe Fünfziger. Hier lebt Peter jetzt mit seiner Mutter. Als die beiden durch einen Park gehen, sehen sie ein Fernsehteam, und das ist damals noch aufregend. Laster, Mischpulte, Kameras. Peter sagt, er möchte auch zum Fernsehen. Die Mutter sagte, dann müsse er Fernsehmechaniker lernen. Macht er, drei Jahre lang, bis zum Gesellenbrief. Und ist erst mal zufrieden. Noch heute kann er Fernseher reparieren.
Die zweite Geschichte: Berlin, einige Jahre später, Lustig ist Tonmann beim Sender Freies Berlin. Den Kinderfunk findet er Scheiße, weil der so kindisch ist, und das sagt er auch. "Liebe Kinder", sagen die Moderatoren und erklären, wie man Weihnachtssterne bastelt. Die Redakteurin sagt, er solle es besser machen. Lustig schreibt ein Hörspiel für Kinder. Es ist besser. Es wird gesendet.
Die dritte: Inzwischen ist er Tonmeister beim Film. Der Regisseur hat nach einem Dreh ein Röllchen Film übrig und sagt, der Lustig, der könnte doch auch mal vor die Kamera. Er wird vor einen Fernseher gesetzt, sagt: "Fernsehen ist Scheiße", und zerschlägt ein Ei auf seiner Glatze. Wurde nie gesendet, ist in keinem Archiv auffindbar, aber es zog ein Engagement nach sich bei der "Sendung mit der Maus" in der ARD. Bald wollte das ZDF auch so was haben wie die Maus und engagierte Peter Lustig für "Pusteblume", und aus der wurde 1980 "Löwenzahn".
Eine Frage noch: die Latzhosen... "Hab ich immer schon getragen", sagt Lustig. Maßgeschneidert? "Nö. Die such ich mir aus einem Katalog raus, bei einer Firma, die Berufsbekleidung herstellt. Ach, und eine hab ich anfertigen lassen, eine schwarze, für meine Hochzeit." Wie viele haben Sie? "Bestimmt 20", sagt er, und seine Frau sagt: "35, ich hab neulich gezählt." Muss man die bügeln? "Nö", sagt Lustig, seine Frau sagt: "Manche schon."
Tschüs, Herr Lustig. "Tja. Hat Spaß gemacht", sagt er und winkt zum Abschied. Soll man ihm noch danken für die vielen interessanten Sendungen? Ihm sagen, dass man immer noch gern Löwenzahn schaut, mit 29 Jahren? Zu spät. Er ist schon im Haus verschwunden.