Ich wollte keine Stars! Ich habe den Studio-Bossen und Produzenten von Anfang an erklärt, ich könne mir nicht vorstellen, dass ein Jake Gyllenhaal im Steinzeit-Kostüm durch die Gegend wetzt. Das haben sie eingesehen. Also haben wir mit total unbekannten Schauspielern gedreht.
Ich habe Steven Strait auf dem Plakat für einen Film entdeckt, der passenderweise "Undiscovered" hieß. Wir haben auf der ganzen Welt gesucht, aber Steven - der aus Brooklyn kommt und italienischer Abstammung ist - hatte das perfekte "ethnische" Aussehen, das wir für unsere Ur-Menschen gesucht haben. Damit meine ich jene Züge, die man nicht als "typisch skandinavisch" oder "typisch arabisch" identifizieren kann, sondern die eine globale Unbestimmtheit haben, ein Mischmasch aus allen Rassen und Völkern.
Ein kleiner Gag der beiden deutschen Drehbuchautoren Harald Kloser und Roland Emmerich - rückwärts gelesen, heißt es "Held".
Erst ließen wir die armen Schauspieler erfundene Sprachen lernen und vorsprechen, aber das hat überhaupt nicht funktioniert. Einer der Produzenten schlug vor, warum nicht Englisch, aber mit undefinierbarem Akzent? Und da kam uns plötzlich Omar Sharif in den Sinn. Er ist Ägypter, aber er spricht so viele Sprachen, dass sich alles irgendwie vermengt bei ihm. Wir haben ihn aufgenommen und die Schauspieler angewiesen, seinen Akzent zu lernen. Jetzt klingen alle wie Dr. Schiwago.
Schon. Aber das Wetter! Wir hatten irres Pech. Als wir in Neuseeland ankamen, wo wir die Szenen im Jägerdorf gedreht haben, brauchten wir Sonnenschein. Es hat heftig geschneit. Und es war schweinekalt. Die Darsteller in ihren Kostümchen, die alle für afrikanische Temperaturen geschneidert waren, froren erbärmlich. Meine Crew stapfte in dicken Daunenjacken herum, aber mir war das peinlich, ich hab solidarisch ein bisschen mitgebibbert und immer nur ganz dünne Mäntel angezogen.
... wo es so schlimm geregnet hat, dass wir im Schlamm versanken. Alles wird gut, haben wir uns gesagt, wenn wir nach Namibia kommen. Dort erwartete uns Nebel. Dichter Nebel. Der brennt so gegen neun Uhr weg, versicherten mir die Einheimischen, aber mein Verdacht ist, dass sie die Produktion nur nach Namibia locken wollten. Ich weiß nicht, wie oft ich auf meine Uhr gekuckt und geflucht habe, jetzt ist doch elf - wo ist die Scheißsonne?!
Wir haben 95 Prozent des Films im Freien gedreht, und tatsächlich haben alle gewitzelt, dass das Wetter sich nun bei mir rächt.
Was man als erstes lernt in dieser Branche, ist, dass man nichts vorhersehen kann. Und dass man irgendwann keine Kontrolle mehr hat über seine Arbeit. Du denkst, du hast einen Riesenhit in der Pipeline, und dann scheint in Deutschland die Sonne, und kein Mensch geht ins Kino. In Amerika geht keiner, wenn es regnet. Und man lernt außerdem, dass die Filme, die man am meisten bewundert, einst als Superversager galten. "Citizen Kane", "Blade Runner", das waren Flops. So gesehen, bin ich relativ entspannt.
Oh nein, dazu braucht man eine Menge Zeit.
Interview: Christine Kruttschnitt