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9. April 2003, 10:58 Uhr

Knallbunte Potpourris aus Indien

"Indobrit" - erscheint in London und wendet sich an Inder, wird aber immer beliebter auch bei jungen Briten.

Die Filialen von H&M oder Zara haben bereits die adäquaten Klamotten für junge Nachwuchs-Shivas und -Krishnas im Sortiment. Die großen Designer haben es vorgemacht: In den Sommerkollektionen von Tom Ford für Gucci, John Galliano für Dior, Gianfranco Ferré, Miu Miu oder Roberto Cavalli sieht man schillernde Drucke und Stickereien, Obi-Gürtel, Satinstoffe, Wickelkleider, Pailletten und Glitzer. "Oriental" nennt sich das, und dazu passen dann japanische Kimonos oder chinesische Drachenmotive. Hauptsache, Fernost. Daheim machen sich Räucherstäbchen, blumenbehängte Buddha-Statuetten oder mit Mini-Spiegeln besetzte Kissen ebenfalls ausgezeichnet.

Für Indien-Aficionados gibt es selbstverständlich auch die richtige Abendbeschäftigung. Von "Munich Masala" über "Bollywood Masti" in Darmstadt, "Desi Dreams" in Krefeld bis zum Hamburger "Bombay Mix" oder "Bhaisakhi - indischer Frühling", angeblich Berlins größter Punjabi Bhangra Party: Wer hip sein will, bewegt sich zur neuen indischen Welle. Und wer lieber zu Hause bleibt, legt sich eben einen der vielen Indien-Sampler zu, zum Beispiel die inzwischen fünfteilige "Buddha Bar"-Reihe oder "Bombay Beats", "Indian Summer", "Asia Lounge".

Woher der Hype?

Warum ist Indien so angesagt? Der Mannheimer Trendforscher und Sozialpsychologe Carlo Michael Sommer verweist auf den reichen kulturellen Fundus des Subkontinents, fremdartig und vertraut zugleich, aus dem sich jeder Westler individuell bedienen könne. Emotional funktioniere das ähnlich wie beim Schlager-Revival, meint Sommer: "Wir dürfen mitweinen und Gefühle entwickeln, aber dabei das Ganze doch ironisch betrachten." Authentizität werde eher klein geschrieben, Bollywood & Co. seien längst eine "Folklore zweiten Grades", in der die Moderne schon verwoben sei.

Vor allem im Trend-Mutterland Großbritannien treibt die Verwestlichung skurrile Blüten. Vor kurzem erschien dort "Indobrit", das erste Lifestyle-Magazin für "South Asians", die sich laut Editorial mit den "kolonialen Unterdrückern" seit 500 Jahren Leben, Bett und Arbeit teilten. Am Obersten Gerichtshof leitete derweil Rabinder Singh als erster Richter ein Strafverfahren mit dem Turban auf dem Kopf. Statt der üblichen weißen Perücke.

Dass die Begegnung mit dem echten Indien durchaus schwierig sein kann, erfuhr der Musiker Panjabi MC, als er ins Land seiner Ahnen reiste, um dort Sänger für seine Songs aufzunehmen. Das stark gewürzte Essen bereitete ihm die gleichen Probleme wie einfachen Touristen: "Ich wurde erst mal krank und kotzte."

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 16/2003

Matthias Schmidt
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