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8. August 2008, 20:09 Uhr

Der lange Sprint des deutschen Films

© X-VERLEIH

"Appetizer für die Stadt"

Potente ist aus Beverly Hills längst nach Berlin zurückgekehrt, und das ist eigentlich nur konsequent. Schließlich hat sie mit ihrem Sprint quer durch die Stadt deren Image verändert. "Der Film vermittelt ein sympathisches Berlin-Bild, es wurde eine junge, dynamische, unkonventionelle und trendige Stadt gezeigt", sagte Christian Tänzler von Berlin Tourismus stern.de. "Lola rennt ist ein Appetizer für die Stadt." Ausländischen Touristen fällt der Film oft als erster ein. Aber nicht nur sie hat er angezogen. Man kann heute in Prenzlauer Berg oder Berlin-Mitte kaum das Haus verlassen, ohne dabei bekannten Schauspielern über den Weg zu laufen.

Das Bild von Berlin habe "Lola rennt" konkretisiert, findet Regisseur Tykwer: "Als Aufbruch in die Neuzeit und Schrottplatz der Vergangenheit." Sein 80-Minuten-Film war wie ein überlanger Werbespot mit hohem künstlerischem Anspruch. Lola stürzte aus einem Haus im Stadtteil Mitte, wo sich mittlerweile Künstler, Schauspieler, Modeschöpfer und Fashion Victims auf Dachterrassen feiern. Sie rannte über die Oberbaumbrücke. In der Industriebrache dort siedelte sich später der Musiksender MTV und das Label Universal an. Sie passierte den Palast der Republik, dieses Relikt der DDR-Geschichte. Es war eine Stadt voller Brüche zu sehen. Eine Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten.

"Der Berlin-Film der Nachwendezeit"

"'Lola rennt' war nicht nur für den deutschen Film ein Meilenstein, sondern ist vor allem auch ein ganz wichtiger Film 'Made in Berlin'", sagte die Geschäftsführerin des Medienboards Berlin Brandenburg Kirsten Niehuus stern.de. "Kreativ, intelligent und neu - der Film hat Berlin als Dreh-, Produktions- und Filmstandort einen enormen Schub gegeben." "Das ist der Berlin-Film der Nachwendezeit, für die Zeit des Aufbruchs", pflichtet Arne Krästing von der Videobustour bei. Die Tour führt an verschiedenen Drehorten vorbei und zeigt dazu Filmausschnitte - auch einige der rennenden Lola.

Die Zahl der Berliner Ecken, die bereits zu Filmkulissen geworden sind, steigt weiter. 300 Drehgenehmigungen sind im vergangenen Jahr verteilt worden. Für die Stauffenberg-Verfilmung weilte etwa Tom Cruise einige Wochen in der Stadt und erhöhte den Blutdruck der Paparazzi. In dem ganzen Trubel ging fast unter, dass Tom Tykwer die Hauptstadt für einige Szenen wieder als Hintergrund benutzte. Er filmte im neuen Hauptbahnhof für "The International". In diesem Jahr kam Kate Winslet und stand für "Der Vorleser" vor der Kamera - mit jungen deutschen Schauspielern wie Karoline Herfurth und David Kross. Auch das alles sind Spätfolgen des berühmten Sprints einer Frau mit feuerroten Haaren.

Von Sophie Albers und Johannes Gernert
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