
Julian Schnabel mit seiner Familie bei den Film Independent's Spirit Awards in Santamonica, Februar 2008© Fred Prouser/ Reuters
Nach einer Besichtigungstour des Palazzos - Chupi ist ein Kosename für seine zweite Ehefrau, das baskische Ex-Model Olatz - wird klar: Das hier ist viel mehr als ein extravagantes Haus mit spektakulärem Blick auf den Hudson. Das ist die größte Skulptur, die Schnabel jemals errichtet hat. Und gleichzeitig ein monumentaler Nachlass schon zu Lebzeiten, wie man ihn bisher nur von osteuropäischen Diktatoren kannte. Allerdings viel charmanter.
Fragt man Schnabel, woher er die Kraft, die unbändige kreative Energie für all seine Großprojekte nimmt, wird sein Blick weich. "Von meinen Eltern", sagt er, ganz sanfter Mafiosi und nun tatsächlich "Godfather" seines Clans. Seine Eltern, das waren der tschechische Immigrant Jack, ein Vollblutunternehmer, der vom Fleischund Pelzhandel bis zum Supermarkt und Coffeeshop alles ausprobierte, was Profit versprach. Und Esther, engagierte Jüdin und Kunstliebhaberin, die den kleinen Julian in die Museen schleppte.
Als der 15 war, zog die Familie wegen einer neuen Geschäftsidee kurzerhand von Brooklyn in eine Kleinstadt an der texanisch- mexikanischen Grenze. Später studierte Julian Kunst in Houston, bis er als 21-Jähriger mit einem Stipendium in der Tasche nach New York zurückkehrte. Seine Bewerbungsdias hatte er zwischen zwei Brotscheiben gesteckt und als Sandwich verschickt - schon damals mit einem untrüglichen Gespür dafür, sich selbst zu vermarkten und Aufmerksamkeit zu erregen. Das Interview auf der Bettkante ist gut in Fahrt. Schnabel erzählt von seiner Leidenschaft fürs Surfen: "Das ist die einzige Betätigung, die dem Malen nahekommt. Du musst auf eine Kraft reagieren, die größer ist als du selbst." Er posiert für den Fotografen wie "Goethe in der Campagna", erzählt von seinem nächsten Filmprojekt über ein palästinensisches Mädchen und ruft: "Kunst zu machen ist ein Akt des Friedens." Dann, plötzlich, muss er raus aus dem Bett. Diane Keaton ist unten im Atelier aufgetaucht, um sich ein paar seiner neuen Arbeiten anzuschauen, unter anderem Schnabels blutrotes Leinwand-Memento für die ermordete Benazir Bhutto.
Schnabel weiß um sein Privileg, all seine Ideen und Sehnsüchte umsetzen zu dürfen. Und er hat nie daran gezweifelt, dass ihm das zusteht: "Ich bin reich gesegnet. Mir kommt es so vor - wenn ich Regen brauche, fängt es an zu regnen."
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 13/2008