
Szene aus dem Oscar-nominierten Film "Das Leben der Anderen"© Hagen Keller/Sony Pictures/AP Photo
Ich mache eine deutsche Kinoproduktion, eine Komödie, die heißt im Moment noch "Meine schöne Bescherung", da geht es um einen Weihnachtsabend, Drehbeginn ist Ende März.
Ich habe noch keine Einladung. Die vier Tickets sind bisher anderweitig verteilt.
Jaja. Ich als weibliche Hauptdarstellerin bin im Moment noch nicht eingeladen.
Ja, Herr Koch ist dabei. Herr Donnersmarck setzt Prioritäten, würde ich sagen. Die Produzenten, die nicht unerheblich beteiligt sind am Entstehen dieses Films, sind auch nicht eingeladen, sie versuchen natürlich auch noch Tickets zu bekommen.
Ja, Marc Rothemund, der Regisseur, hatte noch zwei Tickets besorgt. Wissen Sie, von unserer Produktion werden sicher auch 20, 30 Leute nach Amerika fliegen. Die haben dann einen separaten Raum, da kommen Förderer, Produzenten, Redakteure und gucken sich die Oscar-Verleihung auf dem Bildschirm an. Das mache ich nicht. Ich werde nicht an einer Nebenparty teilnehmen.
Ich bin ziemlich guten Mutes, dass dieser Film den Oscar bekommt. Man darf nicht vergessen, Frankreich hat, glaube ich, über zehn Oscars bekommen, Italien auch, Deutschland erst zwei. Ich habe gehört, dass in Amerika über den Film gesprochen wird, seit er vor einem gut einem Jahr in Toronto auf dem Filmfest gelaufen ist, und dass die Branche völlig begeistert davon ist. Donnersmarck ist seit etlichen Monaten vor Ort und sorgt dafür, dass man diesen Film sieht.
Fiktionale Geschichten, dramatische Komödien und Beziehungskisten können die selbst sehr sehr gut. Aber ein Film über die gesellschaftliche Realität eines anderen Landes bekommt man als Amerikaner nicht so einfach hin. Außerdem ist "Das Leben der Anderen" spannend gebaut, mit Liebesgeschichte, großer Versöhnung, die Opferung der Frau - all diese wunderbaren Black-and-White-Ingredienzien, die die Amerikaner so lieben. Es ist auch ein Märchen, und ein Märchen verkauft sich gut. Er hat eben eine amerikanische, auslandskompatible Dramaturgie. Manche Menschen, die in Deutschland Filme machen, sind davon geprägt, Donnersmarck gehört offensichtlich dazu.
Der Punkt ist bei mir jetzt langsam erreicht, spätestens am 25. Februar. Der Film startet im Monat überall in Europa, ich habe in Frankreich, Griechenland, Russland Promotion gemacht, er startet jetzt auch in Japan und Israel.
Ja, es ist interessant, darüber zu sprechen. Ich habe es erstmals in dieser extremen Form gemacht, dass ich zu den Festivals nach Athen, St. Petersburg, Moskau, Kopenhagen hingereist bin. Die meisten Menschen, mit denen ich gesprochen habe, hat der Film sehr mitgenommen, manche kamen in Tränen aufgelöst, alle wollten darüber sprechen, es gab viele spannende Diskussionen.
Interview: Kathrin Buchner