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16. Juli 2005, 10:05 Uhr

"Der Krieg ist vorbei"

In der Presse war zu lesen, dass Sie sich den kleinen Finger abgeschnitten hätten.

Ja, um sie am Gehen zu hindern. Ich habe geblutet wie ein Schwein. Aber sehen Sie, er ist wieder angenäht worden (Rourke zeigt seine linke Hand mit der Narbe).

Ihre Ehe mit dem Model Carré Otis hat für viele Schlagzeilen gesorgt. Sie haben sich immer wieder getrennt, Otis hat Sie wegen Körperverletzung angezeigt. Lieben Sie sie immer noch?

Natürlich. Ich habe seit neun Jahren keine neue Beziehung. Nur eine Menge Mädchen. Meine Hunde, sieben Chihuahuas, sind meine Ersatzfamilie, für zehn Millionen Dollar würde ich nicht einen einzigen von ihnen verkaufen. Sie geben mir Halt. Ich habe sie mir angeschafft, als meine Frau mich verlassen hat. Ich wollte sie nicht durch eine andere ersetzen.

Und Sie beschlossen, sich zu ändern?

Ja. Ich hatte ein aufgedunsenes Gesicht, lange Haare, einen aufgepumpten Körper und dachte: Jesus Christ, was ist aus dir geworden! Ich sah im Spiegel ein Monster. Ich sah Marv.

Marv ist Ihre Rolle in dem Gewalt-Epos "Sin City", ein Schläger, der Amok läuft, nachdem seine Freundin ermordet wurde. Identifizieren Sie sich mit ihm?

Ja, natürlich. Ich wünschte, es wäre anders. Marv ist außer Kontrolle. Wenn man ihn schief von der Seite anguckt, dreht er durch. So war ich auch.

Sie haben häufig Figuren gespielt, die sich selbst zerstören.

Davon fühle ich mich wohl angezogen. Ich habe Erfahrung auf dem Gebiet (lacht). Und solche Rollen sind oft auch die komplexeren, spannenderen. Aber wer weiß - jetzt, wo ich mich geändert habe -, vielleicht spiele ich da ja auch mal was anderes. Ich will bloß keine langweiligen Arschlöcher spielen.

Sind Sie denn ein Langweiler geworden?

Der alte Mickey würde den neuen Mickey zum Kotzen finden! Er geht ein-, zweimal die Woche in die Kirche, ist viel alleine zu Hause. Er steht um 6.30 Uhr auf und geht ins Fitnessstudio, dann frühstückt er, macht seinen Yoga-Kurs. Danach beschäftigt er sich mit seinen Hunden, geht wieder ins Fitnessstudio, isst zu Abend und geht um zehn Uhr schlafen.

Klingt verdammt langweilig.

Das ist es. Deshalb lebe ich in L. A., der langweiligsten Stadt der Welt. Ich hasse es, aber in London oder New York würde ich die Kontrolle verlieren.

Man hört, Ihr neuer Lebenswandel habe viel mit Ihrem Agenten David Unger zu tun.

Ja. Er hat mich gerettet. Als ich am Boden lag, hat ihn der liebe Gott geschickt.

Der liebe Gott?

Ich bin sehr gläubig. Als mein jüngerer Bruder krank war, habe ich viel für ihn gebetet. Er starb vor fünf Monaten. Jetzt ist er eine Etage über mir und richtet es schon einmal ein für mich. Er hielt mich für verrückt. Kurz vor seinem Tod hat er gesagt: Ich hätte nicht geglaubt, dass du es schaffst.

Und dass Sie es geschafft haben, verdanken Sie allein David Unger?

Ja. Zehn Jahre lang hatte sich keiner getraut, mit mir zu arbeiten, alle haben gesagt, der kommt nicht wieder, der ist fertig. Aber David rief mich eines Tages an und sagte: "Ich bring dich zurück." Seine einzige Bedingung war, dass ich auf ihn hören muss.

Das haben Sie getan?

Ja. Ich nehme die Rollen an, die er mir empfiehlt, ich stemme weniger Gewichte, ich gebe nette Interviews. Ich halte mich fern von Jungs, die mir nicht gut tun. In den Jahren zuvor, als ich selber den Bus gesteuert habe, hab ich ihn in die Scheiße gefahren. Also lasse ich David jetzt den Scheißbus fahren.

Sie haben seitdem vor allem mit jungen Regisseuren gearbeitet.

Ja, sie sind großartig! Typen wie Robert Rodriguez, der Regisseur von "Sin City", oder Tony Scott, mit dem ich nun "Domino" gedreht habe. Sie hatten keine Angst vor mir, keine Vorurteile. Sie dachten, ich wäre einfach ein guter Schauspieler.

Haben Sie eigentlich selbst an Ihr Comeback geglaubt?

Nein. Und ich kann es immer noch nicht glauben. Aber ich sage Ihnen was: Ich will jetzt hier bleiben. Ich kämpfe dafür. Ich weiß, wie leicht ich die Kontrolle verliere.

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Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 28/2005

Interview: Anita Blasberg
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