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5. März 2004, 10:02 Uhr

Jeder gegen jeden, Big Brother gegen alle

Die Fans reiben sich die Hände: Neue Kandidaten haben das Haus bezogen, eine Million Euro liegen als Preisgeld bereit. Die fünfte Big-Brother-Staffel wird ein fieser Klassenkampf.

Big-Brother-Moderatoren Ruth Moschner und Oli P.© Jörg Carstensen/DPA

Die Fans reiben sich die Hände, eine Million Euro liegen als Preisgeld bereit. Die fünfte Big-Brother-Staffel ist gestartet und hat neun neue Kandidaten ins Haus gelockt. Sie alle sind bereit, für das Preisgeld jede nur erdenkliche Entbehrung und Demütigung in Kauf zu nehmen.

Die erste Big-Brother-Staffel mit Zlatko und Jürgen war der deutschen Nation Kult- und Hassobjekt zugleich. Das Experiment, junge Leute unter ständiger Kamera- und Mikrofonüberwachung zusammen in einen nach außen abgeschirmten Observierungs-Container zu stecken, spaltete die Nation. Miesestes Trash-Fernsehen aus der Reality-Ecke fluchten die einen, tolles Medienprojekt mit wissenschaftlichem Analyse-Potenzial frohlockten die anderen. Der Rest der Nation freute sich über derbe Streitereien, nackte Brüste unter der Dusche und über die Erkenntnis, dass die Jungs und Mädels im Container genauso beziehungsunfähig, zänkisch und mies gelaunt wie man selber war.

Das Big-Brother-Projekt ist nach dem ersten Erfolg durch Höhen und Tiefen gegangen. Auf dem Höhepunkt des Reality-Wahns sendete RTL die einzelnen Staffeln zu schnell hintereinander und sorgte so für einen gähnenden Überdruss beim Zuschauer, der schnell auf die Quoten drückte. Seit vergangenem Jahr heißt deswegen die Devise: Nur noch eine Staffel pro Sendejahr. Anders geht es inzwischen auch gar nicht mehr, da RTL 2 den Status Quo der vierten und nach längerer Pause wiederum sehr erfolgreichen Staffel gar nicht halten möchte. Härter, länger, fieser - so heißt ab sofort die Devise. Und die erste Änderung am Konzept ist, dass die fünfte Staffel nicht wie sonst immer drei Monate dauert, auch nicht sechs, sondern gleich ein ganzes Jahr. 365 Tage müssen die Kandidaten im Container also ausharren. Das ist eine elendig lange Zeit, während der die Container-Gefangenen die Europa-Fußball-Meisterschaft, die amerikanische Präsidentenwahl und sicherlich auch noch eine neue Staffel "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" verpassen werden. Doch das Geld lockt. Das Preisgeld von einer Million Euro wird dafür sorgen, dass es kein nobles Wir-sind-alle-gute-Freunde-Gefühle mehr im Container gibt. Die Insassen werden intrigieren, ihren Sex spielen lassen, Zweckbündnisse schließen und alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um nicht vor der Zeit rausgewählt zu werden. Das bisher ausgelobte Preisgeld von 100.000 Euro war gut fürs Konto, eine Weltreise und ein ruhiges Studium. Mit einer Million Euro kann man aber ein ganz neues Leben beginnen. Das ist denn auch eine wahrlich satanische Versuchung, die in der Frage mündet: "Was bist du bereit, für so viel Geld zu tun?"

Neun Kandidaten sollt ihr sein

Wer traut es sich zu, für ein ganzes Jahr sein normales Leben aufzugeben? Wer verzichtet auf den Kontakt zur Familie, zu seinem Partner, zu den Freunden? Wer stellt sich der Chance, vielleicht, unter Umständen, eventuell eine Million Euro zu gewinnen, und verpflichtet sich dafür, 365 Tage lang auf Kinobesuche, gemütliche Fernsehabende, sportive Aktivitäten im Verein oder unbeobachtete Liebesspiele mit dem Freund oder der Freundin zu verzichten?

Wieder haben sich 20.000 unerschrockene und wahrscheinlich auch sehr blauäugige Kandidaten bei Endemol gemeldet, um für die neue Staffel gecastet zu werden. Mit einem inzwischen geschulten Kennerblick haben die Verantwortlichen einmal mehr eine Melange aus schrillen, schrägen, normalen und bodenständigen Typen zusammengestellt, bei denen untereinander sicherlich ein gewisses Konflikt- und Liebespotenzial besteht. Die neuen Kandidaten müssen ja auch unbedingt ungewöhnlich im Kern sein, ansonsten wird es ihnen kaum gelingen, das Publikum ein Jahr lang jeden Abend an den Fernseher zu binden. Schließlich wird der Gewinner erst im März 2005 gekürt.

Muskulöser Familienvater

Zu Beginn der neuen Staffel ziehen neun Kandidaten in den Container ein. Ihre Namen und ihre Daten stehen bereits fest. Bei den Jungs fällt der 39-jährige Achim auf. Er ist 1,91 Meter groß, 94 Kilo schwer und treibt gerne Sport. Der muskulöse Kaufmann aus der Rödermark in Hessen ist verheiratet und hat eine 7-jährige Tochter, die sicherlich nicht gerne ein Jahr ihres Lebens auf den Papa verzichtet. Den kümmert das anscheinend wenig, da er sich schon offen auf die Frauen im Container freut. Schließlich lässt er sich gerne von schönen Frauen verführen. RTL 2 meldet, dass seine Frau diese Aktivitäten durchaus toleriert. Ob sie das auch tut, wenn Achim unter den Kameras des Big-Brother-Hauses loslegt, das wird sich noch zeigen.

Auch Sascha S. ist ein Frauentyp. Das 26-jährige Männermodel ist 187 Zentimeter groß und 81 Kilogramm schwer. Sascha ist bereits für Diesel und Calvin Klein auf dem Laufsteg gestiegen. Mit Boxen, Tennis, Squash und Fitness hält er sich für die Mädels fit. Denn Sascha ist kein Kostverächter und gilt als Womanizer. Obwohl der blonde Jüngling Single ist, kann er sich Sex im Haus nur dann vorstellen, "wenn die Richtige dabei ist". Keine Panik, liebe Zuschauer: Nach einem Jahr ohne jeden Sex im Haus wird ihm jede Frau im Haus als die Richtige vorkommen.

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