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12. Februar 2008, 11:22 Uhr

Berlins Sternschnuppen

Daniel "Bond" Craig hat hier gesessen, die wunderbare Rachel Weisz, "Swimming Pool"-Sirene Ludivine Sagnier sowie auch Daniel Brühl und Franka Potente. Jedes Jahr zur Berlinale werden die Shooting Stars gekürt, Europas populärste Nachwuchsschauspieler. Diesmal gehörte Hannah Herzsprung dazu. Von Sophie Albers

Hannah Herzsprung (Mitte) und andere Shooting Stars© Franka Bruns/AP

"Vergessen Sie nicht, hier sitzen die Stars von morgen. Sie werden großartige Arbeit abliefern", peitscht die Moderatorin Lucy Russell auf den etwas lahmen Journalistenhaufen ein, der am Montagmittag zusammen gekommen ist, um sich die Shooting Stars 2008 anzusehen. Jungschauspieler, die im Rahmen der Berlinale von der European Film Promotion dafür ausgezeichnet werden, vielversprechend zu sein.

Natürlich wohnt jedem Anfang ein Zauber inne, doch ist die Entertainmentbranche eben daran gewöhnt, fertig geschnürte Glitzerpakete überreicht zu bekommen, und nichts, wo die Schleife noch nicht gebunden ist. Ergo, das etwas verschlafene Publikum.

Trotzdem spürt man es: Die neun Schauspieler und Schauspielerinnen aus neun Ländern - darunter die aus "Nach der Hochzeit" bekannte Dänin Stine Fischer Christensen und die beim Filmfest in Cannes gefeierte Anamaria Marinca aus dem rumänischen Film "4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage" - haben Hunger, sie sitzen in den Startlöchern. Und das ist ein viel schönerer Anblick, als der ausgebuffte, mit allen Tricks vertraute und perfekt ausgeleuchtete Leinwandstar.

"Manchmal blockiert es auch" Auf der Lehne eines weißen Ledersofas sitzt Hannah Herzsprung. Die Heldin aus dem Film "Vier Minuten" ist Deutschlands Beitrag zur vielversprechenden Zukunft des Kinos. Das freundliche Gesicht mit den seeblauen Augen macht fast vergessen, wie wild, ungebändigt, doch gleichzeitig präzise die 26-Jährige eine Mörderin spielte, deren Aggressionen mit Musik gezähmt werden. Dabei bestand sie ohne weiteres neben ihrer Leinwandpartnerin Monica Bleibtreu.

Sie sei schon ziemlich aufgeregt, sagt Herzsprung im stern.de-Interview. "Aber es gehört auch dazu, wäre ja schlimm, wenn man es nicht wäre. Manchmal blockiert es einen aber auch."

Ein wahrer Preisregen war auf die Tochter des Schauspielers Bernd Herzsprung und der "Dschungelcamp"-Überlebenden Barbara nach ihrem Auftritt in "Vier Minuten" niedergegangen. Und während sie so vor einem sitzt, scheint sie das alles wirklich gar nicht fassen zu können: "Das war meine erste Hauptrolle, mein erster Kinofilm, das erste Mal, dass ich wirklich richtig spielen durfte", sagt sie aufgeregt.

Die bereits zehn Jahre währende Fernseharbeit - von "Aus heiterem Himmel" bis "Soko" - habe "großen Spaß gemacht, aber es war einfach doch noch mal ein Riesenunterschied. Und jetzt bin ich auch noch Shootingstar!" Sie habe diese Auswahl der besten Nachwuchsmimen immer verfolgt bei der Berlinale, "und jetzt bin ich es selbst?" Herzsprung lacht laut auf mit dieser dunklen, etwas reibenden Stimme, die trotzdem noch mädchenhaft klingt. "Das ist noch gar nicht angekommen."

Hollywood und Goethes Lotte

Derzeit dreht sie Uwe Jansons Theaterverfilmung "Werther". In der modernisierten Fassung des Klassikers spielt sie die Lotte. Die junge Frau hält ein paar ihrer dunklen Locken hoch, die "übrigens leider nur Haarverlängerungen" sind. Im Dezember wird sie in der Hollywoodproduktion "Der Vorleser" neben Kate Winslet und Ralph Fiennes zu sehen sein. Uli Edels "Baader Meinhof Komplex"-Verfilmung kommt im September in die Kinos. Darin spielt sie Susanne Albrecht.

"Ich muss heute Abend nach der Preisverleihung noch zurück nach Ilmenau [zum Goethe-Filmset], und morgen früh geht es dann weiter, das ist alles so ein bisschen absurd. Aber nach dem Projekt habe ich ein bisschen Zeit, und dann werde ich mal ein bisschen runter kommen und das sinken lassen, was eigentlich gerade alles passiert."

Der Star und die Sternschnuppe

Aber was bedeutet ihr denn nun dieser Titel, den sie seit Montag offiziell inne hat: "Ich wurde gerade nach dem Unterschied zwischen Nachwuchsstar und Shooting Star gefragt..." "Und?" "Shooting Star heißt ja Sternschnuppe...", etwas verloren blicken die Wasseraugen auf den Tisch, auf dem ihr Foto klebt.

"Das klingt eigentlich nicht so gut, die kommt ja ziemlich schnell wieder runter, oder?" "So habe ich das gar nicht gesehen", sagt Herzsprung. "Eher so, dass man sich was wünschen darf, wenn man eine sieht."

"Und, haben Sie sich etwas gewünscht?" "Ich wünsche mir natürlich gerade, dass das alles so weiter läuft. Das ist eigentlich ein Geschenk. Wer weiß, wie lange das noch geht, wann die Sternschnuppe wieder runter kommt." Wieder lacht sie herzlich, und man erkennt, dass das große Verdienst dieser Shooting Stars ist, dass man ihnen solche Sätze noch glaubt.

Shooting Stars im Netz

Von Sophie Albers
 
 
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