8. August 2012, 18:14 Uhr

Hollywood-Haudegen auf Jobsuche

Dustin Hoffman feiert seinen 75. Geburtstag. Der Oscar-Preisträger spielt am liebsten schwierige Typen, wie in "Die Reifeprüfung" oder "Rain Man". Doch Hollywood klopft immer seltener bei ihm an.

Seine Stärke sind die schwierigen Typen. Der zweifache Oscar-Preisträger Dustin Hoffman machte als Autist in "Rain Man" Furore, erregte als verkrüppelter Kleingauner Rizzo in "Asphalt Cowboy" Mitleid und wechselte in "Tootsie" das Geschlecht, um sich die Hauptrolle in einer Fernseh-Seifenoper zu angeln. Inzwischen ist die Suche nach Herausforderungen vor der Kamera auch im richtigen Leben des gefeierten Amerikaners ein kniffliges Thema geworden.

Am 8. August ist Hoffman 75 Jahre alt geworden. Für ältere Schauspieler, so klagt der Jubilar, gebe es kaum mehr Rollen mit Tiefgang. Und den Ruhestand schiebt er noch vor sich her. "Ich mag es nicht, dass ich so schnell älter werde, aber ich mag es, gut zu altern", sagte er vor wenigen Jahren.

Kein Glück mit "Luck"

Weil die Filmstudios nur noch selten bei ihm anklopfen, sattelte Hoffman wie andere reife Hollywood-Kollegen zum TV um. In der Prestige-Serie "Luck" des Pay-Senders HBO mimte er neben Nick Nolte und unter Michael Manns Regie einen alternden Wettpaten. Dieser kehrt aus dem Gefängnis in die Rennsport-Szene zurück und schmiedet dort Rachepläne.

Aber "Luck" stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Schon 2010 und 2011 stürzten zwei Pferde bei Rennszenen am Set und mussten eingeschläfert werden. Nach dem Tod des dritten Pferdes im März stellte HBO die Serie kurzerhand ein und schickte ihre Stars nach Hause. Deutsche TV-Zuschauer bekommen den Hochkaräter dennoch zu sehen. TNT strahlt die erste Staffel von "Luck" Ende dieses Jahres aus.

Mindestens zwei Filme pro Jahr

Seit seinem Durchbruch mit der Satire "Die Reifeprüfung" 1967 war der kleine, schmächtige Mann mit dem schüchternen Lächeln jedes Jahr mit wenigstens ein bis zwei neuen Filmen im Kino. Dabei war die Schauspielerei anfangs nur eine Notlösung. Er fiel am College durch und wollte nicht zum Militär. Als ihm ein Freund zur Bühne riet, schrieb sich Hoffman beim Pasadena Playhouse College ein und wurde zum Superstar unter Amerikas Charakterdarstellern, geehrt mit zwei Oscars, fünf Golden Globes und etlichen anderen Preisen.

Begeisterte Kritik erhielten 1976 auch "Der Marathon-Mann" und der Watergate-Film "Die Unbestechlichen", in dem Hoffman und Robert Redford als Reporter der "Washington Post" den Skandal um Präsident Richard Nixon ins Rollen bringen. Seinen ersten Oscar bekam Hoffman 1979 als alleinerziehender Vater im Scheidungsdrama "Kramer gegen Kramer", der zweite folgte 1988 für seine feinfühlige Darstellung in Berry Levinsons vielfach preisgekröntem Drama "Rain Man".

Studien in der Psychatrie

Für die Rolle des Autisten hatte er ein ganzes Jahr Beobachtungen in psychiatrischen Kliniken betrieben. Co-Star Tom Cruise würdigte später seine "grenzenlose Neugier". Hoffman trete erst dann vor die Kamera, wenn er "die absolute Wahrheit der Person ergründet hat, die er porträtiert", sagte Cruise 1997 bei der Vergabe der Golden Globes. Damals wurde Hoffman noch nicht einmal 60-jährig mit dem Cecil B. DeMille Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

In Hollywood genießt er den Ruf als Perfektionist, aber auch als Dickschädel. Von Regisseur Sydney Pollack, der für "Tootsie" den begehrten Academy Award bekam, ist der Seufzer überliefert: "Ich würde den Oscar sofort hergeben, wenn ich die neun Monate meines Lebens zurückhaben könnte, die ich mit Dustin beim Drehen verbracht habe."

"In meiner Jugend bin ich überall durchgefallen"

Ihn plage stets die Angst, nicht zu genügen, räumte Hoffman, Sohn jüdischer Eltern aus Rumänien, in der Zeitschrift "Park Avenue" ein. "In meiner Jugend bin ich überall durchgefallen. Ich hab' kaum die Schule geschafft. In meiner Familie galt ich als ein Versager." Und weiter: "Bis ich 31 war, habe ich unter der amerikanischen Armutsgrenze gelebt."

Hoffman hielt stets eine gewisse Distanz zum Hollywood-Betrieb. Die Oscars seien "obszön, schmutzig und nicht besser als ein Schönheitswettbewerb", schimpfte er einmal. Privat ist er ein absoluter Familienmensch. "Bei uns vergeht kein Tag, an dem wir uns nicht zärtlich in die Arme schließen." Seit über 30 Jahren ist er in zweiter Ehe mit der Rechtsanwältin Lisa Gottsegen verheiratet. Sie haben vier gemeinsame Kinder, zwei weitere Töchter stammen aus der ersten Ehe.

Gisela Ostwald, DPA
 
 
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