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29. Februar 2008, 11:45 Uhr

Actionfilm im Puzzle-Prinzip

Bei einem Gipfeltreffen verüben Terroristen ein tödliches Attentat auf den US-Präsidenten - klar, dass jemand den Anschlag mit der Videokamera aufnimmt. Klar auch, dass dies nur eine Perspektive von vielen ist. In dem atemlosen Thriller "8 Blickwinkel" erzählt Kino-Newcomer Pete Travis mit phänomenalem Star-Aufgebot eine packende Geschichte aus acht Sichtweisen.

Nach dem Attentat rettet ein amerikanischer Tourist (Forest Whitaker) in der Massenpanik ein kleines Mädchen© Sony/DDP

In Rateshows gibt es ein Spiel, bei dem ein Bild in kleinen Teilen aufgedeckt wird und man möglichst früh darauf kommen muss, was denn nun auf dem Foto abgebildet ist. So ähnlich nach dem Puzzle-Prinzip funktioniert auch der Film "8 Blickwinkel". Das Attentat auf den US-Präsidenten bei einer Anti-Terror-Konferenz wird immer wieder aus der Perspektive verschiedener Akteure gezeigt - und bei jedem Mal weiß man ein Stück mehr, was eigentlich geschah.

Alles beginnt mit der einfachsten Sicht der Dinge, der von Fernsehkameras. Eine TV-Producerin (Sigourney Weaver in einer Episodenrolle) bastelt die Bilder von dem Zentralplatz einer spanischen Stadt für die Live-Übertragung zusammen. Alles Routine, doch als der US-Präsident (William Hurt) vors Rednerpult tritt, wird er von zwei Schüssen niedergestreckt. Kurz darauf ist im Hintergrund eine Explosion zu hören und Minuten später verwüstet eine Detonation den Platz. Hier endet die Darstellung aus dem ersten Blickwinkel, die Geschichte wird zurückgespult und beginnt wieder von vorn.

Als nächstes folgt die Perspektive von zwei Leibwächtern des US- Präsidenten. Der eine alt (Dennis Quaid) der andere jung (Matthew Fox, der heroische Doktor Jack aus der TV-Serie "LOST"). Der Alte ist nervös, weil es für ihn der erste Einsatz nach einer schweren Verletzung bei einem Attentat ist. Der junge bleibt cool, vielleicht sogar zu cool angesichts der kommenden Ereignisse. Es folgen die Blickwinkel eines spanischen Agenten, eines amerikanischen Touristen, der zufällig mehr als andere sieht, sowie der Terroristen selbst. Allmählich entfaltet sich vor dem Zuschauer so eine Geschichte, die viel komplexer ist, als die erste Darstellung es vermuten ließ.

Irgendwann kommt in "8 Blickwinkel" allerdings auch der Punkt, an dem die Filmemacher ihrer eigener Regeln müde geworden zu sein scheinen, und das Ganze in einen "ehrlichen" Thriller übergeht, bei dem alle Blickwinkel munter durcheinanderpurzeln, bis zu dem Moment, an dem sich alle Erzähllinien überschneiden. Ob es nun tatsächlich acht Blickwinkel waren, lässt sich daher nicht so genau sagen. In Amerika machte man es sich im Gegensatz zu Deutschland leicht und versuchte gar nicht erst, sie zu zählen. Der Film heißt dort einfach nur "Vantage Point", Blickwinkel.

Alles in allem ist "8 Blickwinkel" eine Bereicherung des Puzzle- Kino-Genres um einen spannenden Actionfilm. Auch wenn er wohl nicht die Eleganz von Vorgängern wie "Pulp Fiction" von Quentin Tarantino, der Kleinstadt-Satire "11:14" oder des französischen Streifens "L'Appartement" (deutscher Titel: "Lügen der Liebe") erreicht. Es ist immerhin eine Achterbahn von einem Film, und vielleicht trifft dieser Vergleich sogar zu sehr zu. In einer Achterbahn erlebt man schließlich auch viel Aufregendes - und steigt am Ende an der selben Stelle aus, an der man eingestiegen ist.

Von Andrej Sokolow/DPA

 
 
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