Der einsame Rentner mit dem deutschen Namen

28. Februar 2003, 15:50 Uhr

In dem Kinodrama "About Schmidt" brilliert Jack Nicholson in der Rolle des Pensionärs und Witwers Warren Schmidt, der zu einer interessanten Reise durch die USA aufbricht.

Jack Nicholson ist Schmidt©

Ein Film aus dem Heartland, dem Mittleren Westen, wo die Vereinigten Staaten am amerikanischsten sind: "About Schmidt" zeigt zurückhaltende Menschen, die stets auch zu einem freundlichen Wort bereit sind und sehr spontan und herzlich sein können. Aber immer fragt man sich, wie ernst ihre Freundlichkeit gemeint ist.

Warren Schmidt, der nicht zufällig einen deutschen Familiennamen hat, spürt mit einem Mal diese Oberflächlichkeit seiner Mitmenschen. Er ist bei einer Versicherung angestellt als Statistik-Experte, der mit großer Treffsicherheit die Lebenserwartung der Kunden ausrechnen kann. Doch die Woodmen Insurance, die im einzigen Hochhaus von Omaha residiert, kann auf seine Erfahrung verzichten und schickt ihn in den Ruhestand.

Mit dem Wohnmobil durch die USA

Er bekommt eine hübsche Abschiedsfeier mit einer netten Abschiedsrede, und dann übernimmt ein junger Mann seinen Job, und Schmidts Lebenswerk, seine Berechnungen und Pläne, landen im Müll. Als kurz darauf auch noch Mrs. Schmidt stirbt, ist Warren nach 42 Ehejahren völlig aus der Bahn geworfen.

Mit dem Wohnmobil durch die USA

Er beschließt, mit seinem Wohnmobil nach Denver zu fahren, wo seine Tochter den dümmlichen Autoverkäufer Randall Hertzel heiraten will. Weil die Tochter ihn nicht bei den Hochzeitsvorbereitungen dabei haben will, macht er einen Umweg über die wichtigen Orte seiner Kindheit und Jugend. Doch bei all seinen skurrilen Begegnungen wird er das Gefühl der Leere nicht los.

Nicholson brilliert mit Zurückhaltung

Ein mittelmäßiger Schauspieler in der Hauptrolle hätte aus diesem Stoff einen mittelmäßigen Film gemacht. Der Glücksfall in "About Schmidt" ist Jack Nicholson. Nicholson ist Schmidt, und er ist in dieser Rolle herrlich zurückgenommen, ganz im Gegensatz zu früheren Filmen, in denen er nicht gerade durch Untertreibung auffiel. Jetzt genügt ihm ein kurzer Blick, eine Andeutung, wenn er seinen Gemütszustand zeigen will. Er explodiert nicht mehr, er implodiert. Die erneute Oscar-Nominierung für diese Leistung konnte einfach nicht ausbleiben.

Regisseur Alexander Payne, der mit Jim Taylor das Drehbuch schrieb, hat eigene Einfälle mit Motiven aus Louis Begleys Roman "Schmidt" vermischt. Payne, der selbst in Omaha geboren wurde, weiß, wovon er erzählt. Die Reflexionen der literarischen Vorlage hat er geschickt im Film untergebracht: Schmidt schreibt lange Briefe an Ndugu Umbo, ein sechsjähriges Waisenkind aus Tansania, für das er eine Patenschaft übernommen hat. Bezeichnend, dass er das Ziel für sein soziales Engagement nicht vor der Haustür gefunden hat, sondern durch einen Werbespot im Fernsehen.

Späthippies in Denver

Am Ende trifft Schmidt noch auf die Familie seines künftigen Schwiegersohns, eine Gruppe von Späthippies in Denver, in deren Zentrum Randalls herrische Mutter Roberta steht, wundervoll gespielt von Kathy Bates. Bei der Hochzeit, die Schmidt nicht verhindern kann, werden wieder die üblichen hübschen Reden gehalten und die üblichen freundlichen Rituale vorgeführt. Der Film zeigt sie mit deutlicher Ironie. Aus seiner kritischen Bestandsaufnahme der amerikanischen Gesellschaft macht er ein unterhaltsames Kinostück.

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