Sie gilt als liebes Mädchen. Dabei wär's nicht verwunderlich, wenn die Schauspielerin Alexandra Maria Lara ein bisschen abheben würde. Schließlich ist sie auf dem Weg nach ganz oben.

Dietls neuer Star: Die 25-Jährige, geboren in Bukarest, spielt die Hauptrolle im neuen Film des Münchner Regisseurs© Karin Rocholl
Von Irmgard Hochreither und Karin Rocholl (Fotos)
Bildhübsch. Supererfolgreich. Irrsinnig sympathisch. Die Frau ist eine echte Katastrophe. Jedenfalls für alle Klatschmäuler und Hobby-Psychologen im Land, die sich seit Jahren vergeblich an Alexandra Maria Lara abarbeiten. Sie finden einfach nix, woraus sich ein kleines Drama basteln ließe. Es sei denn, man begnügte sich mit den Meldungen, dass sie gern literweise Cola trinkt und dreimal durch die Fahrprüfung gefallen ist. Aber sonst? Keine Abgründe. Keine Affären. Keine Laster. Nur Arbeitswut.
In mehr als 30 Kino- und Fernsehproduktionen hat die Schauspielerin bereits gezeigt, was sie draufhat. Dabei ist sie gerade erst 25 geworden. Sie spielte neben Benno Fürmann und Heino Ferch, Jürgen Vogel und Peter Lohmeyer, Ben Becker und Bruno Ganz. Mit Glück hat das wenig zu tun. Eher mit Fräulein Laras Gespür für Qualität - und einer Riesenportion Talent.
Es ist kalt und windig in Berlin. In den verstopften Straßen demonstrieren Studenten. Aber Schlag zwölf weht eine schlanke Gestalt durch die Tür. Superpünktlich. Alexandra Maria Lara kommt in Jeans und T-Shirt, ungeschminkt und ungekünstelt, und versprüht die strahlende Laune eines Menschen, der sich rundum wohlfühlt. Die große Pose ist sowieso nicht ihr Ding. Und wenn sie mal zickt, dann hat das Gründe, die jeder nachvollziehen kann.
Dem "Playboy" hat die Schöne gerade abgesagt, "weil ich keine Nacktfotos brauche zum Glücklichsein". Klar. Sie hat seit sieben Jahren denselben Freund, Florian, mit dem sie gerade (wieder) zusammengezogen ist, "weil unsere Beziehung ein Glücksfall ist". Sie liebt ihre Eltern, wertet Bescheidenheit als Tugend und hat sogar mit dem Rauchen aufgehört. Brave Alexandra, gutes Kind. Und weil der liebe Gott ihr noch dazu einen Schwanenhals und dunkelbraune Samtaugen mitgegeben hat, muss die Schauspielerin jetzt damit leben, dass man sie zu einer neuen Audrey Hepburn stilisiert, zum mädchenhaften, sanftmütigen Rehlein. Unwillig streicht sie sich ein paar dunkelblonde Strähnen aus dem Gesicht.
Aber Alex, wie Freunde und Kollegen sie nennen, trägt ihr Image mit Würde. Es ist ihr einfach zu blöd, ständig darauf hinzuweisen, dass sie auch provozieren kann, schmutzige Witze erzählen - und streiten, dass die Schwarte kracht. "Bin ich eben nett", murrt das Herzchen, "es gibt viel zu wenig nette Leute auf der Welt."
Ein hartes Jahr liegt hinter ihr. Sie stand für die Kino-Komödie "Cowgirl" vor der Kamera und spielte neben Bruno Ganz Hitlers Sekretärin Traudl Junge im Leinwand-Drama "Der Untergang". Der Film um die letzten Tage im Führerbunker wird im September Premiere haben. Und dann der dickste Brocken: die Hauptrolle im ARD-Dreiteiler "Der Wunschbaum", der ab 15. Januar an drei Abenden die Zuschauer fesseln soll. Für den verfilmten Schmöker von Sandra Paretti schlüpfte Alexandra Maria Lara in die Rolle der verwöhnten Tochter eines Seifenfabrikanten, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts sein Vermögen am Roulette-Tisch verspielt. Es geht um den Lebenskampf einer jungen Frau, die alles daran setzt, das Unternehmen des Vaters wieder aufzubauen. Noch jetzt schwärmt Alexandra von der Zusammenarbeit mit Kollegen wie Michael Degen, Meret Becker, Peter Lohmeyer, Gedeon Burkhard - und vor allem Monica Bleibtreu. "Aber diese 70 Drehtage", stöhnt sie, "waren wahnsinnig anstrengend. Dass ich das trotzdem gestemmt habe, darauf bin ich echt stolz."
Wann immer die 25-Jährige von ihrer Arbeit spricht, spürt jeder sofort, mit wie viel Leidenschaft sie sich in jede neue Aufgabe fallen lässt. Und schließlich sprudelt noch eine Liebeserklärung aus ihr heraus: "Das Schönste und Wichtigste habe ich von meinem Vater gelernt - Spaß am Spielen, die Lust, vor der Kamera zu stehen, gerne zu lachen, mit Leichtigkeit und viel Herz zu arbeiten." Ihr Vater Valentin Platareanu, einst ein Bühnenstar in Bukarest, arbeitet heute als Schauspiellehrer in Berlin. Er hat seine Tochter ausgebildet - auch darin, auf dem Boden zu bleiben.