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«Rock My Heart»: Emotionales Pferdedrama

Hamburg - Als Jana dem Pferd «Rock My Heart» das erste Mal begegnet, galoppiert das Tier auf sie zu, bleibt dann plötzlich vor ihr stehen und lässt sich von ihr sogar streicheln. Ein Wunder, denn das wilde und ungezähmte Pferd lässt noch nicht einmal seinen Trainer an sich heran.

Rock My Heart

Jana (Lena Klenke) geht bei Paul Brenner (Dieter Hallervorden) in die Lehre. Foto: Bernd Spauke

Als Jana dem Pferd «Rock My Heart» das erste Mal begegnet, galoppiert das Tier auf sie zu, bleibt dann plötzlich vor ihr stehen und lässt sich von ihr sogar streicheln. Ein Wunder, denn das wilde und ungezähmte Pferd lässt noch nicht einmal seinen Trainer an sich heran.

Doch die sensible 17-Jährige und der rebellische Vollbluthengst finden auf Anhieb einen Draht zueinander. Vielleicht, weil sie sich so ähnlich sind: Auch Jana, die an einer akuten Herzschwäche leidet und schon etliche Operationen über sich ergehen lassen musste, lässt niemanden an sich heran und will endlich selbst über ihr Leben bestimmen. Obwohl sie das Risiko kennt und nicht reiten kann, will sie mit «Rock My Heart» an einem Rennen teilnehmen.

Regisseur Hanno Olderdissen ist mit seinem Kino-Debüt ein warmherziges Coming-of-Age-Drama gelungen, das viel mehr ist als ein mitreißender Pferdefilm. Vielmehr erzählt er auf berührende Weise die Geschichte von Familie, Freundschaft und den Glauben an sich selbst.

Der Film erinnert ein wenig an «Der Pferdeflüsterer» mit Robert Redford und Scarlett Johansson, bei dem es auch nur vordergründig um eine Pferdegeschichte ging. Vielmehr ist Janas Leben eng mit dem Schicksal des Pferdes verknüpft, durch «Rock My Heart» schöpft sie wieder neuen Lebensmut, wie sie ihrem Freund Sami gesteht: «Da ist dieses verrückte Pferd unter mir mit 'nem riesigen gesunden Herzen, das nur für mich schlägt.»

Lena Klenke («Fack ju Göhte», «Victoria») verkörpert Jana mit viel Einfühlungsvermögen und absolut authentisch, wenn sie sich zum Beispiel gegen eine erneute Operation wehrt. Sie will endlich ihr eigenes Leben führen, ohne die ständige Bevormundung durch ihre Eltern. Doch sie weiß auch, dass dieser Unabhängigkeitswille für sie ein tragisches Ende nehmen kann. Der hochverschuldete Pferdetrainer Paul Brenner (Dieter Hallervorden), den nur noch das Preisgeld retten kann, ist genau so ein Außenseiter wie sie. Die beiden harmonisieren perfekt auf der Leinwand zusammen und machen die Freundschaft, die zwischen ihren Figuren entsteht, absolut glaubwürdig.

Aber auch die anderen Figuren hat Regisseur Hanno Olderdissen überzeugend besetzt: Annette Frier («Danni Lowinski») gibt die besorgte Mutter, die nie aufgesetzt wirkt, Michael Lott den verständnisvollen Vater und Johann von Bülow den Arzt, der mit lockeren Sprüchen der Situation die Schwere nehmen will.

Emilio Sakraya («Bibi und Tina») spielt ihren Freund Sami, der, obwohl selbst schwer krank, Janas Lebensmut bewundert. Anneke Kim Sarnau («Polizeiruf 110») verkörpert Pauls enttäuschte Tochter, die sich von ihrem Vater abgewendet hat, weil für ihn immer das Wichtigste waren. Und schließlich Milan Peschel als Pauls Freund im Rollstuhl, der auch in den absurdesten Situationen seinen Humor nicht verliert.

Rock My Heart, Deutschland 2017, 110 Min., FSK ab 6, von Hanno Olderdissen, mit Lena Klenke, und Emilio Sakraya

dpa

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