Sagt Anke Engelke - und verrät im Gespräch mit Alice Schwarzer, dass Idol-Sein eine "Schweinearbeit" ist. Die Kämpferin und die Komikerin über Vorbilder und Fassaden, Männer und Mädchenträume.

Anke Engelke, hier bei der Verleihung des Deutschen Comedy Preises 2003© Oliver Berg dpa/lnw
Anke Engelke: Da wird nie was sein. Der interessiert sich einen Scheiß für mich.
Wenn du es mir erlaubst, tu ich's glatt!
Ich finde, Madonna sollte auch souveräner die Show-Treppe runtergehen. Aber sie hat offensichtlich Angst zu fallen.
Wie alt ist sie jetzt überhaupt?
Wo? Auf dem Mond? Im deutschen Fernsehen nicht. Da sehen ja sogar die Journalistinnen aus wie die Models.
Ja! Ich möchte diese ganze glatte Fassade runterreißen. Ich möchte zeigen, was dahinter steckt.
Betrug. Ich werde ja immer wieder mal gefragt, ob ich nicht in einer dieser Jurys der Superstars mitmache. Nein, danke! Ich habe keinen Bock, da einmal die Woche neben irgendwelchen operierten Tanten zu sitzen. Ich will mein Glück nicht auf Jungsein, Schlanksein, Schönsein aufbauen. Ich will mehr.
Okay. Aber dann sollen die Mädchen und Frauen auch wissen, wie die zustande kommen. Dass ich vor dem Auftritt drei Stunden in der Maske sitze. Und dann noch stundenlang ausgeleuchtet werde. Neulich zum Beispiel habe ich eine Fotostrecke für "Petra" in London gemacht. Die Fotos sind unglaublich erotisch und lecker geworden. Aber das war eine Schweinearbeit! Sieben Stunden lang mit eingezogenem nackten Bauch in der Windmaschine. Ein ganzer Tag harte Arbeit. Alles nur gespielt - und kolossal entspannend, wenn ich dann zu Hause den Bauch hängen lassen kann. Es wäre toll, wenn alle jungen Mädchen so was mal erleben könnten: einmal Star sein, aber dann auch wieder runter von der Bühne und runter mit dem Make-up. Und wissen, die Leute, die sich danach noch für dich interessieren, das sind die richtigen.
Alles wird total retuschiert. Ich zum Beispiel bin behaart auf den Armen und habe eine dicke Querfalte auf der Stirn - von alldem ist dann nix mehr zu sehen. Das Bild, das ich dann in der Öffentlichkeit gebe, ist nur eine Rolle.
Darum muss ich darüber reden. Die Mädchen und Frauen sollen wissen, dass diese Glamour-Frauen, die sie sehen, alle Ersatzteillager sind. Ich will niemandem zu nahe treten, aber zum Beispiel Jeanette Biedermann - die ist knapp über 20, wirkt aber wie eine geliftete 40-Jährige. Aber die Mädchen, die ihre Platten kaufen, wollen wie Jeanette Biedermann aussehen...
Genau, eher wie eine Barbiepuppe. Total unecht. Ich will so was nicht. Ich will kein Model, ich will ein "role model" sein.