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12. Januar 2006, 14:36 Uhr

Ein Oscar-reifer Lebenslauf

Eine der besten deutschen Schauspielerinnen ist nun auch international zu sehen: In "Der ewige Gärtner" spielt Anneke Kim Sarnau eine engagierte Aktivistin. Der hoch gelobte Film könnte einen Oscar gewinnen. Von Kathrin Buchner

Anneke Kim Sarnau mit ihrer Terrierdame Sailor, die sie auch zu allen Drehs begleitet© cinetext

Mit ihrer Terrierdame Sailor an der Leine betritt sie das Café, in Jeans und Pulli, die blonden Haare zum Zopf gebunden, kaum geschminkt. Anneke Kim Sarnau, eine der besten deutschen Nachwuchsschauspielerinnen, wenn man das über eine erwachsene Frau im Alter von 30 Jahren noch sagen kann. Obwohl sie in sehr vielen deutschen Film- und auch Fernsehproduktionen spielt, ist ihr Name dem breiten Publikum nicht geläufig.

In der Branche kennt man sie wohl, schließlich hat sie diverse Preise eingeheimst: Sowohl für das TV-Drama "Die Hoffnung stirbt zuletzt", in dem sie als Polizistin am Mobbing ihrer Kollegen zerbricht, als auch für "Ende der Saison", ein Mutter-Tochter-Drama mit Hannelore Elsner, bekam sie den deutschen Fernsehpreis als beste Hauptdarstellerin und diverse andere Preise. Derzeit spielt sie sogar in einem Film mit, der einen Oscar gewinnen könnte: In der schon im Vorfeld hoch gelobten, internationalen Produktion "Der ewige Gärtner" spielt Sarnau eine deutsche Aktivistin gegen dubiose Machenschaften von Pharmakonzernen – eine kleine, aber wichtige Rolle an der Seite von Ralph Fiennes.

Wie kam es, dass Sie bei einer internationalen Produktion dabei sind?

Meine Berliner Casting-Agentin hat mich vorgeschlagen, die haben mein Tape bekommen, und dann sollte ich nach Berlin fahren, um den Regisseur kennen zu lernen. Während ich unterwegs war, bekam ich eine Nachricht auf mein Handy, dass ich gar nicht mehr zu kommen brauche. Ich habe einfach so getan, als ob ich den Anruf nicht bekommen hätte. Mir wurde gesagt, sie haben die Rolle sowieso, aber wenn Sie schon mal da sind, wollen Sie denn Fernando Meirelles treffen? Der ist ein sehr sympathischer Typ, hat eine ganz positive Ausstrahlung und den Schalk im Nacken. Kein so ein junger Wilder, wie ich dachte nachdem ich "City of God" gesehen hatte, sondern bodenständig. Und er hat mir ganz viele Fragen gestellt, was ich schon so gemacht habe.

Entspannte Atmosphäre bei den Dreharbeiten: Anneke Kim Sarnau als Aktivistin Birgit zusammen mit ihrem Filmpartner Ralph Fiennes© Focus Features

Wie haben Sie sich nach der Zusage gefühlt?

Als ich auch noch gelesen habe, dass ich eine Szene mit Ralph Fiennes habe, war das der totale Kick. Aufregend, ich war auch noch zur Leseprobe nach England eingeladen. Es war toll zu sehen, wie die das machen. Alles unprätentiös. Wenn man dagegen sieht, wie sich kleine Produktionsfirmen hier oft aufspielen. Das Team ist sehr respektvoll und nett miteinander umgegangen. Nicht mal eine arrogante Souveränität hat geherrscht, es war einfach nur normal und gleichzeitig hochprofessionell. Kein hierarchischer Mist. Es waren ja nur vier Drehtage, zwei in Berlin, irgendwo in Kreuzberg in einer Kita, und zwei Tage in England für die Internetbilder.

Haben Sie Ralph Fiennes nach dem Dreh getroffen, ist er wirklich so ein Gentleman?

Beim Drehen ist er so wie im Film, höflich, nett, sehr ruhig und distanziert. Dann abends beim Essen mit den beiden Maskenbildnerinnen, einer weiteren Kollegen, seiner Fahrerin und mir war er der Hahn im Korb. Es war ein extrem witziger Abend (sie lacht), er ist wahnsinnig sympathisch, sehr jugendlich.

Kämpferin gegen Pharma-Skandale In dem packenden Polit-Thriller von Regisseur Fernando Mereilles spielt Anneke Kim Sarnau die Aktivistin Birgit. Von ihr hatte sich Tessa Quayle (Rachel Weisz) über das Internet weitere Informationen über Pharmakonzerne zukommen lassen. Nach dem Tod von Tessa willigt Birgit in ein konspiratives, lebensgefährliches Treffen mit Tessas Mann, dem britischen Diplomaten Justin Quayle (Ralph Fiennes), ein. Quayle lässt sich von Birgit in Berlin über die dubiosen Methoden der Pharmakonzerne Medikamente zu erproben, aufklären.

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