"Ich kann führen"

18. Dezember 2003, 14:01 Uhr

Für "Terminator 3" bekommt er die höchste Gage der Filmgeschichte, die Republikaner wollen ihn zum Gouverneur von Kalifornien machen. Arnold Schwarzenegger über Macht, Muskeln und Maria.

Der 55-Jährige in seinem Büro in Santa Monica mit einem Terminator-Modell©

Von Sven Michaelsen und Volker Hinz (Fotos)

Herr Schwarzenegger, einer Ihrer Filme heißt "Last Action Hero". Ist das eine zutreffende Selbstbeschreibung?

Sylvester Stallone ist 57, Bruce Willis 48. Das Problem ist, dass keine Actionhelden mehr nachwachsen. Vielleicht ist die Ära zu Ende, wo man sich für starke positive Männer begeistert, die wirklich noch aussehen wie Männer. Was uns fehlt, sind harte coole Typen wie Kirk Douglas, Charlton Heston, Henry Fonda, John Wayne und Clint Eastwood. Die haben die Sache noch selbst in die Hand genommen und waren Herr der Lage.

Ist der Mann in der Krise?

Mein Bankkonto sagt: ja. Der Boom der Actionfilme begann in den 70ern, als die Frauen die Emanzipation ausriefen. Die Frauenbewegung hat mich zum Superstar gemacht.

Die ersten beiden "Terminator"-Filme haben märchenhafte Profite eingespielt. Warum dauerte es ganze zwölf Jahre, den dritten Teil in die Kinos zu bringen?

Allein "Terminator 2" hat 850 Millionen Dollar eingespielt. Wäre es nach mir gegangen, hätten wir "T3" schon vor zehn Jahren gedreht. Aber 50 Prozent der Rechte an dem Stoff gehörten der Produktionsfirma Carolco Pictures. Als Carolco in Konkurs ging, starteten die großen Studios einen Bieterkrieg, der fünf Jahre dauerte. Danach gab es jahrelange Komplikationen mit dem Drehbuch. Aber nach 33 Jahren beim Film habe ich eine eiserne Regel: Stell dich erst dann vor eine Kamera, wenn du ein smartes Skript in der Hand hast. Wenn das Drehbuch ein Schmarrn ist, kannst du dich als Hauptdarsteller noch so abstrampeln: Du versinkst im Treibsand - und der Film mit dir.

Schöpfer der Terminator-Saga ist der Regisseur und Drehbuchautor James Cameron. Über seine soziale Akzeptanz sagt er: "Wenn ich einen Film abgedreht habe, glauben 50 Prozent meiner Crew, dass ich ein komplettes Arschloch bin. Die anderen 50 Prozent wissen, dass ich ein Arschloch bin."

Weicheier sollten sich einen anderen Regisseur suchen, denn Jim ist ein unerbittlicher General, der leicht rasend wird. Er ist aber auch ein Genie, und mit solchen Leuten ist immer schwer auszukommen. Dieser Verrückte überrascht dich immer wieder. Nach dem ersten Drehtag kennt er die Namen der 200 Leute am Set, er führt riskante Stunts selbst vor, und egal ob es um Kostenvoranschläge geht oder Probleme bei der Maske: Dieser Typ weiß es einfach besser.

Sie haben öffentlich geschworen, sich nie ohne Cameron an "T3" zu wagen. Warum ist das Dream-Team geplatzt?

Ich gab ihm das Drehbuch, guckte ihm tief in die Augen und sagte: "Der Terminator ist dein Baby, du musst Regie führen." Er lehnte schließlich ab, weil der Drehbeginn sich immer wieder verzögerte. Er ist nun mal extrem eigenwillig und lässt sich leider nicht sagen, welchen Film er zu machen hat. Außerdem ist er seit "Titanic" so reich, dass er nie mehr arbeiten müsste.

Reden Sie seit seiner Absage noch mit Cameron?

Wir haben seit vielen Jahren ein Ritual: Jeden Sonntagmorgen steigen wir auf unsere Motorräder und fahren zusammen in die Canyons. Seine Entscheidung hat an unserer großartigen Männerfreundschaft nichts geändert.

Der Ersatz-Regisseur Jonathan Mostow sagt über die Arbeit an "T3": "Ich fühlte mich, als würde ich die Bibel verfilmen - und Moses würde Moses spielen."

Jonathan ist ein relativer Newcomer, aber er hat mit seinem U-Boot-Film "U-571" bewiesen, dass er sich mit Action und Spezialeffekten gut auskennt. Es war wichtig, dass er sich nicht einschüchtern ließ - weder durch den Namen Schwarzenegger, noch durch dieses gigantische Budget von 178 Millionen Dollar.

Wer hatte die Macht am Set - Sie oder Mostow?

Der Regisseur sollte die Macht haben. Ich bin keiner dieser komplizierten Schauspieler, die mit einer Nervenkrise in ihrem Trailer sitzen und sich weigern rauszukommen. Ich bin nicht in diesem Geschäft, um von der "New York Times" gelobt zu werden. Ich denke eher wie ein Produzent: Ich will Tickets verkaufen!

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