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18. Oktober 2002, 00:19 Uhr

RAF-Terrrorist als Ekel mit Popstarflair

Vor 25 Jahren endete das Leben des Top-Terroristen Andreas Baader. Regisseur Christopher Roth wagt es, diesen empfindlichen Part bundesdeutscher Geschichte frei umzusetzen.

Schließen sich offenbar nicht aus:Terrorismus und hippe Sonnenbrillen© Prokino

In der dramatischen Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 1977 endete in einer Zelle des Hochsicherheitstrakts von Stuttgart-Stammheim das Leben des Terroristen Andreas Baader. Mit ihm starben, mutmaßlich von eigener Hand, seine Lebensgefährtin Gudrun Ensslin und Jan Carl Raspe. Alle drei waren führende Mitglieder der so genannten Roten Armee Fraktion, deren Kürzel RAF etliche Jahre ein Synonym für den bewaffneten Kampf gegen das politische System der Bundesrepublik war.

Von einem charismatischen Kotzbrocken

Der Münchner Filmemacher Christopher Roth hat zusammen mit dem Drehbuchautor Moritz von Uslar den waghalsigen Versuch unternommen, das wilde kurze Leben der neben Ulrike Meinhof bekanntesten RAF-Figur unter dem lakonischen Titel »Baader« zum Leinwandstoff zu machen. Nach der kontrovers aufgenommenen Präsentation des fast zweistündigen Streifens auf der diesjährigen Berlinale kam er nun am 17. Oktober, exakt 25 Jahre nach dem Ende des Terroristen, in die Kinos. Frank Giering, der die Titelfigur verkörpert, spielt einen charismatischen Kotzbrocken, der stets übel gelaunt, doch von linken Frauen umschwärmt, seinem Untergang entgegentreibt.

Kein Doku-Drama

Das Ende Baaders findet im Film freilich nicht in der Stammheimer Zelle statt, sondern wird als melodramatisches Duell inszeniert. Dieses Finale zählt nicht zu den einzigen Freiheiten, die sich die Macher von »Baader« bei ihrer Version der Geschichte genommen haben. Schließlich hatten Roth und von Uslar nach eigenem Bekunden keineswegs die Absicht, eine faktengetreue Chronologie der Ereignisse abzuliefern. Vielmehr wollten sie »dahinter kommen, was die Faszination der Gruppe und auch der Polizei war«.

Ein Fahnder namens Kurt Krone

Letztere wird verkörpert von einem Fahnder namens Kurt Krone, der dem früheren Chef des Bundeskriminalamtes, Horst Herold, nachempfunden ist. Darsteller Vadim Glowna macht aus Krone alias Herold die Studie eines Terroristenjägers, der besessen ist von dem Machtapparat, dem er ebenso dient wie er ihn lenkt. Zugleich ist er aber auch fasziniert von denen, die er jagt. Der unsichtbare Zweikampf zwischen Herold und Baader hat tatsächlich stattgefunden, die persönliche Begegnung im Film jedoch ist frei erfunden. Auch bei der Gestaltung der Figur des RAF-Anführers haben sich die Filmemacher nur in groben Zügen an den realen Andreas Baader gehalten.

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Seite 2: Frank Giering als Baader
 
 
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