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20. Januar 2012, 22:40 Uhr

Andreas Dresen räumt ab

Mit einer großen Gala sind die Bayerischen Filmpreise verliehen worden. Freuen konnten sich vor allem die Macher des Filmes "Halt auf freier Strecke", der gleich drei Auszeichnungen abräumte. Und auch Deutschlands große Oscar-Hoffnung wurde geehrt.

Freuen sich über ihre Auszeichnung als beste Darsteller: Steffi Kühnert und Milan Peschel© Tobias Hase/DPA

Das Familiendrama "Halt auf freier Strecke" ist der große Gewinner des Bayerischen Filmpreises. Bei der Preisverleihung am Freitag in München erhielt der Film gleich drei "Pierrots": den mit 100.000 Euro dotierten Produzentenpreis für Peter Rommel sowie zwei Darstellerpreise für die Schauspieler Milan Peschel und Steffi Kühnert. Den undotierten Publikumspreis räumte Regisseur Simon Verhoeven für seinen Film "Männerherzen 2" ab. Er dankte "allen Männerherzen und allen Frauenherzen da draußen", die für seinen Erfolgsfilm abgestimmt hatten. Mutter Senta Berger war stolz. Der Ehrenpreis ging an die deutsche Oscar-Hoffnung Wim Wenders.

"Einen Film wie "Halt auf freier Strecke" zu produzieren, von dem man von Anfang an weiß, dass er eine Zumutung ist und die wenigsten Menschen ihn aushalten können, ist entweder leichtfertig oder besonders mutig und selbstbewusst", hieß es in der Jury-Begründung. Das Drama erzählt die Geschichte eines Familienvaters, der an Krebs stirbt. Die Jury urteilte über die Hauptdarsteller: "Der Zuschauer ist von ihrer beider Spiel erschüttert und zu Tränen gerührt." Peschel und Kühnert bedankten sich, dass sie "als Preußen" in Bayern ausgezeichnet wurden.

"Ein Gesamtkunstwerk, das seinesgleichen sucht"

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) würdigte Regisseur Wim Wenders, dessen Dokumentarfilm "Pina" in zwei Kategorien Chancen auf einen Oscar hat für dessen Gesamtwerk. "Wir ehren heute ein Gesamtkunstwerk, das seinesgleichen sucht", sagte Seehofer."Sie haben Millionen Menschen bereichert." Für Wenders, der sich an seine Anfangszeit an der Münchner Filmhochschule erinnerte, gab es Standing Ovations.

Doris Dörrie wurde nur für einen Film ausgezeichnet: "Glück". "Wer Doris Dörries Film "Glück" sieht, wird darin all ihr Können wieder finden", urteilte die Jury. Den Preis überreichte der Autor der literarischen Vorlage, Ferdinand von Schirach. Seine Laudatio gehörte zu den erklärten Höhepunkten des Abends und Dörrie freute sich sehr über ihren, wie sie betonte, "ersten Regiepreis".

Ein zweiter ebenfalls mit 100.000 Euro dotierter Produzentenpreis ging an die Bavaria-Produktion "Hotel Lux" von Regisseur Leander Haußmann mit Michael "Bully" Herbig in der Hauptrolle. Mit dem Film würdigte die Jury "voller Respekt das Risiko der Produzenten, Geschichte einmal anders zu erzählen". Der Preis für den besten Kinderfilm ging an "Wickie auf großer Fahrt (3D)".

"Habe ich irgendwas angestellt in Bayern?"

Zur besten Darstellerin erklärte die Jury Bettina Mittendorfer für ihre Rolle in der Telefonsex-Komödie "Eine ganz heiße Nummer". Jella Hesse wurde als beste Nachwuchsschauspielerin für ihre Rollen in den Filmen "Lollipop Monster" und "Kriegerin" geehrt. Von Lucy van Org ("Ich bin so froh, dass ich ein Mädchen bin") gab es dafür ein Ständchen. Für "Kriegerin" über eine junge Rassistin erhielt Regisseur David Wnendt auch den Nachwuchsregiepreis.

Andreas Menn erhielt den Bayerischen Filmpreis für seinen Schnitt des Endzeit-Thrillers "Hell"© Tobias Hase/DPA

Weitere, jeweils mit 10.000 Euro dotierte Preise gingen an Hannes Hubach für die Bildgestaltung des Films "Lollipop Monster", an Andreas Menn für seinen Schnitt des Endzeit-Dramas "Hell" und an Christian Zübert für sein Drehbuch zu dem Film "Dreiviertelmond". Den Preis überreichte Hauptdarsteller Elmar Wepper, der im Mini-Taxi auf die Bühne fuhr. Kameramann Hubach hat beim Anruf der Staatskanzlei erstmal einen Schock bekommen, wie er sagte. "Ich zuckte zusammen, weil ich dachte: Habe ich irgendwas angestellt in Bayern?"

Der israelische Filmemacher Arnon Goldfinger wurde für seinen Film "Die Wohnung" mit dem Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet. Der mit 60.000 Euro dotierte Preis der Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte an Filmwerken (VGF) ging an den Film "Die Farbe des Ozeans" über die Flüchtlingsströme von Afrika nach Europa. Er sei der "moralisch wichtigste Film", der an diesem Abend ausgezeichnet worden sei, sagte "Cap Anamur"-Gründer Rupert Neudeck.

mad/DPA
 
 
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