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12. Februar 2009, 16:22 Uhr

Renée Zellweger bekommt sie alle

Gerade unter Journalisten genießt Renée Zellweger nicht unbedingt den besten Ruf. Zu seicht sind viele ihrer Filme, zu sehr überlagert die ewige Bridget Jones ihre anderen Rollen. Doch in Berlin überraschte sie alle mit dem spritzigen Wettbewerbsbeitrag "My One And Only". Danach gingen die Kritiker vor ihr in die Knie. Von Carsten Heidböhmer

Berlinale, Renée Zellweger,

Nicht nur bei den Fotografen beliebt: Renée Zellweger stand im Mittelpunkt des achten Wettbewerbstags auf der Berlinale© DPA

"Mrs. Zellweger, Ihr Film hat mir ganz fantastisch gefallen". "Danke für den tollen Film, Frau Zellweger". Nein, wir sind hier nicht in einem Meet-and-Greet mit dem Hollywoodstar und ein paar handverlesenen Fans, sondern auf der Pressekonferenz zu dem Wettbewerbsfilm "My One And Only", in dem Renée Zellweger die Hauptrolle spielt. Und das so überzeugend, dass alle vor ihr in die Knie gingen. "Wem der Film gefallen hat, der hebe bitte die Hand", rief Regisseur Richard Loncraine am Ende der anwesenden Medienmeute zu - und kaum eine Hand blieb unten.

Tatsächlich überrascht "My One And Only". Die Handlung ist im Jahr 1953 angesiedelt und komplett im feinsten Fifties-Decors gedreht, inklusive Cadillac, stilvollen Kleidern und der obligatorischen Szene im Autokino. Erzählt wird die Geschichte der flatterhaften Mutter Anne Devereaux, die ihren Mann mit einer anderen im Bett erwischt und New York kurzerhand mitsamt ihren beiden Söhnen verlässt, um ein neues Zuhause zu suchen. So klappert sie nach und nach alle Städte ab, in denen verflossene Liebhaber wohnen, in der Hoffnung, einer möge sich erbarmen und sie heiraten. Es entspinnt sich ein charmanter Roadmovie voller beißendem Wortwitz und komischen Situationen, in denen Anne ein ums andere Mal grandios scheitert. So bewegt sich die Familie immer weiter in den Westen und landet schließlich in Hollywood, wo ihr jüngster Sohn George Filmkarriere machen wird.

Nach einer wahren Geschichte

Die Geschichte basiert auf den Kindheitserlebnissen des Schauspielers George Hamilton, der als Junge mit Mutter und seinem Bruder durch die Vereinigten Staaten tingelte. Das Drehbuch von Charlie Peters ist bereits zehn Jahre alt, doch in Hollywood wollte es niemand verfilmen. Nur durch einen privaten Spender konnte der Stoff realisiert werden.

Wird er ein Erfolg, könnte er in der Filmindustrie einen vergleichbaren Einfluss haben wie George Lucas' "American Graffiti" im Jahr 1973. Während sich die jungen Filmemacher des New Hollywood damals kritisch mit Kapitalismus, Vietnamkrieg und der Präsidentschaft Nixon auseinandersetzten und damit der aufkommenden Gegenkultur einen Resonanzboden verschafften, ging Lucas mit seiner Handlung zurück in das Jahr 1962. Hauptdarsteller sind nicht junge Soldaten auf dem Weg in einen sinnlosen Krieg, sondern ganz und gar unschuldige Teenagern, die an der Schwelle zum Erwachsensein stehen und an eine goldene Zukunft und den American Dream glauben. "American Graffiti" setzte den Startschuss für eine ganze Reihe von Filmen, die die ewige Jugend und den Aufbruch in nostalgischen Tönen besangen.

Mit "My One And Only" verhält es sich ähnlich: In den letzten Jahren setzte sich Hollywood verstärkt mit den Folgen des Irak-Kriegs und der Ära Bush auseinander. Nicht immer zum Wohlgefallen der Zuschauer. Gerade so herausragende Filme wie "In the Valley of Elah" von Oscar-Preisträger Paul Haggis verhungerten an den Kinokassen.

Und auch jetzt kommt wieder ein Film, der den Zuschauer in eine vermeintlich unschuldige Zeit versetzt, in der Kriege und andere weltpolitische Verwerfungen nicht vorzukommen scheinen und den Zuschauer dabei auch noch bestens unterhalten.

So amüsant und grandios "My One And Only" auch ist: In dem Punkt wünscht man ihm dann doch keinen Erfolg. Oder sollte die Zeit für kritische Gegenwartsanalysen etwa schon wieder abgelaufen sein?

Von Carsten Heidböhmer
 
 
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