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11. Februar 2008, 09:50 Uhr

Partyfieber und Sex mit Cruz

Tag vier der Berlinale hätte eigentlich entspannt und reflektiert sein können, würden sich die langen Nächte nicht langsam bemerkbar machen. Drei ist übrigens eine wichtige Zahl auf diesem Filmfest: drei Filme, drei Partys - und auf keinen Fall mehr als drei Wodka. Von Sophie Albers

Berlinale-Stars Penelope Cruz und Ben Kingsley spielen in "Elegy" ein Liebespaar© Sean Gallup/Getty Images

Manchmal muss man sich für seine Kondition einfach nur schämen: Nach gerademal vier Tagen machen die ersten schon schlapp. "Fühlst du dich auch so scheiße?", ruft eine junge Frau auf dem Weg ins Kino ins Telefon. Um sie herum wird zustimmend genickt. Kleine Augen blicken noch reichlich stumpf in den neuen Festivaltag.

Wer den Wettbewerb der Berlinale in Gänze sehen will, muss drei Mal am Tag ins Kino gehen. Anschließend gibt es die Pressekonferenzen, und so bleibt keine Zeit, zwischendurch essen zu gehen. Das merkt man allerdings erst, wenn der Blutzucker im Keller ist und man sich verzweifelt wünscht, doch etwas von der Berlinale-Schokolade genommen zu haben. Am Abend plündert man dann so gierig ein Büffet, dass Jürgen Vogel schon komisch guckt.

Weil das Gemisch aus exquisiten Speisen - sagen wir mal Lachschaumcreme, Couscous, Melone und rote Beerentorte - die Magenleere des ganzen Tages mit einem Schlag füllt, ist einem hinterher dann auch noch schlecht. Also gibt es auf der nächsten Party einen Wodka. Und dem folgen erfahrungsgemäß einige mehr, so dass man Jürgen Vogel bald gar nicht mehr erkennt und sich zum Hunger des nächsten Tages ein ungewaschener Kater gesellt sowie augenzuklappende, hirnerweichende Müdigkeit. Willkommen im Filmfestrausch! Und bei der Meisterschaft des Leidens auf hohem Niveau.

Immerhin gab es beim Empfang des Medienboards Berlin-Brandenburg im Ritz-Carlton eine professionelle Handmassage für die Schreiberfinger, bei der Premierenfeier von Moritz Bleibtreus Hamburg-Gangster-Drama "Chiko" die beste Party und bei Universals "Keinohrhasen"-Fest die größte Promidichte.

Entzücktes Stöhnen im ganzen Saal

Natürlich lassen die so Berauschten auch mal einen Film am Morgen ausfallen, um wenigstens die zwei anderen des Tages zu verstehen. So begann der Sonntag also mittags mit "Elegy" (Klagelied). Und diese Verfilmung von Philip Roths Roman "Das sterbende Tier" hat dann auch den größten Vollrausch aus den Köpfen getrieben, schließlich spielt Penelope Cruz eine Literaturstudentin, die eine Liebschaft mit ihrem Professor (Sir Ben Kingsley) eingeht.

Regisseurin Isabel Coixet ("Mein Leben ohne mich") hat dafür eine solch unglaublich intime Atmosphäre geschaffen, dass ein verzücktes Aufstöhnen durch das männliche wie weibliche Publikum fuhr, als ihre Kamera eine nackt dahingegossene Cruz liebkost. "Das sterbende Tier" erzählt von Liebe, Sterblichkeit und der Angst zu sagen, was wir wirklich wollen. Es ist eine brillante Übertragung des Roth-Universums auf die Leinwand.

Julia Roberts kommt nicht

Völlig benommen wankt man anschließend aus dem Kino und in die Pressekonferenz, wobei man sich an Polizisten vorbeikämpfen muss, die Schaulustige in Schach zu halten versuchen, die am Hotel auf die Filmstars warten. Und während man überlegt, ob man nicht doch besser zum Coffeeshop hätte gehen sollen, kommt Cruz herein, strahlt mit den Scheinwerfern um die Wette und beweist, dass Stars einfach eine wie auch immer geartete Daseinsberechtigung haben müssen.

Eine, die das auch immer wieder deutlich macht, hat die Berlinale allerdings versetzt. Julia Roberts überließ es ihren Mitstreitern, den Film "Fireflies in the Garden" vorzustellen. Vielleicht wäre das auch zu viel des Guten und Schönen gewesen, schließlich haben wir noch Madonna, Kristin Scott Thomas, Natalie Portman und Scarlett Johansson vor uns.

Verbohrte Vorstellung von Glück

Das Regiedebüt von Dennis Lee ist ein sehr persönliches Stück Familiengeschichte, das mit dem Tod des Charakters von Roberts beginnt, um vom Leben ihrer Familie zu erzählen. Väter gegen Söhne, die verbohrte Vorstellung von Glück als Preis für eine kaputte Kindheit. Alles nicht neu, aber in aller Ruhe, mit grandiosen Darstellern und Bildern erzählt. Und jetzt gehe ich mal ganz dringend das nächste Büffet suchen. Und nicht vergessen, nach drei ist Schluss.

Von Sophie Albers
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
bernie-abg (11.02.2008, 16:04 Uhr)
Ja, die Berlinale....
...eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Journalisten merken, wie anstrengend Arbeit ist.(*grins*)
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