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Good Bye, Lenin!

In Wolfgang Beckers Komödie lässt der 21-jährige Alex um seiner kranken Mutter willen auf 79 Quadratmetern Plattenbau den real existierenden Sozialismus wieder auferstehen.

Mit der DDR-Komödie «Good Bye, Lenin!» von Wolfgang Becker ist der deutsche Film äußerst erfolgreich ins Rennen um den Goldenen Bären der 53. Berlinale gestartet. In einer Mischung aus Komik und Melancholie erzählt Becker in seinem Film die aberwitzige Geschichte des Jugendlichen Alex (Daniel Brühl), der für seine Mutter (Katrin Saß) die Geschichte vom Fall der Mauer umschreibt.

Die Zuschauer nahmen den Film, in dem laut Becker «der große Wind der Geschichte in eine kleine Familie weht», mit großer Begeisterung auf. Auch beim internationalen Publikum kam das lustige und zugleich anrührende Stück jüngster deutscher Vergangenheit gut an. Der Film wurde bereits nach Italien, Frankreich, Großbritannien und die USA verkauft.

Kurz vor dem endgültigen Untergang der DDR im Herbst 1989 erleidet die überzeugte DDR-Bürgerin Christiane Kerner einen Herzinfarkt und fällt ins Koma. Den Siegeszug des Kapitalismus verschläft sie. Als sie einige Monate später wieder erwacht, hat sich die Welt verändert, in Ost-Berlin fahren lauter West-Autos herum, die guten alten Spreewaldgurken sind vorerst aus den Supermarktregalen verschwunden, und an den Plattenbauten werden Coca-Cola-Plakate aufgehängt.

Doch der Kranken muss jede Aufregung erspart werden, sonst droht erneut ein Herzinfarkt. So inszeniert Alex im Schlafzimmer seiner bettlägerigen Mutter ein Stück DDR, wie sie früher war. West-Lebensmittel füllt er in Ost-Verpackungen, zum Geburtstag organisiert er zwei singende FDJ-ler. Zusammen mit einem Freund dreht Alex außerdem per Videokamera eigene «Aktuelle Kamera»-Sendungen, die von in die DDR-Botschaften geflüchteten Wessis berichten. Als sich Mutter Kerner dann plötzlich für gesund erklärt und das Haus wieder verlassen will, fangen die Probleme erst an.

Ein bisschen Nostalgie beziehungsweise Ostalgie müsse erlaubt sein, sagt der aus Westfalen stammende Becker, der 1997 bereits mit «Das Leben ist eine Baustelle» im Berlinale-Wettbewerb vertreten war. Er verstehe sein Werk als Komödie auf ernsthaftem Boden. Der Film spiele vor dem Hintergrund der Wiedervereinigung, sei jedoch kein Film über die Wiedervereinigung. Hauptdarsteller Daniel Brühl meinte: «Als ich das Drehbuch las, habe ich mich zuerst kaputt gelacht und war dann zu Tränen gerührt.»

Bei den Filmfestivals in Cannes und Venedig ist es Normalität: Einheimische Produktionen aus den Gastgeberländern Frankreich und Italien nehmen selbstverständlich am Wettstreit um die Goldene Palme oder den Goldenen Löwen teil. Bei der Berlinale ist das lange Jahre anders gewesen, oft lief im offiziellen Bären-Wettbewerb nur ein einziger Alibi-Film aus Deutschland, manchmal gar keiner. Mit dem Amtsantritt von Dieter Kosslick im vergangenen Jahr hat sich aber auch in Berlin das Blatt gewendet. Gleich vier deutsche Filmemacher durften 2002 ihre Werke ins Rennen schicken. Dieses Mal sind es drei Filme.

Nach «Good Bye, Lenin!» setzen die deutschen Filmemacher jetzt auf Hans-Christian Schmids («Crazy») an der deutsch-polnischen Grenze spielenden Episodenfilm «Lichter», der am Dienstag gezeigt wird. Kurz vor Schluss des Festivals geht am Freitag außerdem der neue Film von Oskar Roehler («Die Unberührbare») an den Start. Sein Werk «Der Alte Affe Angst» ist ein kammerspielartiges Liebes- und Familiendrama mit Marie Bäumer, Vadim Glowna und André Hennicke in den Hauptrollen.

Ein Kassenschlager täte der einheimischen Filmbranche im Moment gut. Dem Renner «Der Schuh des Manitu» aus dem Jahr 2001 folgte kein ähnlich starker Publikumsmagnet. Der Marktanteil des deutschen Films fiel 2002 trotz so beachtlicher Filme wie Caroline Links «Nirgendwo in Afrika» von 18,4 auf 11,9 Prozent. Dass Kosslick den deutschen Film wieder ins Rampenlicht geholt hat, habe der Szene sehr gut getan, sagte Becker. Die deutschen Filmemacher würden nun mit Respekt behandelt, dass tue dem Selbstbewusstsein gut. «Man hatte ja vorher immer das Gefühl, der deutsche Film wird versteckt.»

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