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1. Dezember 2005, 16:33 Uhr
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Irgendwie Mädchen, irgendwie Dame

Im TV-Zweiteiler "Die Luftbrücke" spielt sie eine Ehefrau und Mutter. Im wahren Leben lässt sie sich noch ein bisschen Zeit mit dem Erwachsenwerden. Porträt einer Gutgelaunten.

Auf Schlitten-Fahrt: Bettina Zimmermann, 30, in einem alten Mercedes 280 CE© Robert Fischer

Roter-Teppich-Regel Nummer eins: Wenn du geringes Aufsehen willst, durchlaufe den Parcours, solange die Meute beschäftigt ist. Bettina Zimmermann hat's begriffen. Fritz Wepper signiert, Wolfgang Clement posiert. Und in der Mitte des Teppichs, unbehelligt, schreitet sie dahin, wie nur gelernte Models es können, ein Lächeln ziert ihr Gesicht, und sie ziert den Mann an ihrer Seite, Oliver Berben. Als die beiden den Eingang erreicht haben, tuschelt sie ihm etwas ins Ohr, es muss so was sein wie: "Puh, das hätten wir geschafft."

Öffentliche Auftritte? Bitte, gern, gehört zum Job. Aber man braucht doch nicht in jede Kamera zu referieren, warum man wieder zusammen ist, dass man in den vergangenen Jahren befreundet war, und es einfach noch mal versuchen will. Von 1999 bis 2001 waren sie ein Paar, das Model und der Produzent, jetzt sind sie's wieder, seit August, und damit möge die Öffentlichkeit sich zufrieden geben. Dass die Zimmermann ausschaut wie die junge Iris Berben, Olis Mama also, das kann man jetzt wieder überall lesen; es gibt schlimmere Vergleiche für eine 30-Jährige. Und sollte eine Zeitung abermals verkünden: "Iris Berben wird Oma", so wie vor fast sechs Jahren die "Bild", dann lässt sich das per Gegendarstellung geraderücken.

An diesem Abend wird hier in Köln-Ossendorf der Deutsche Fernsehpreis verliehen. Bettina Zimmermann soll eine Rede halten auf den besten Schauspieler. Ein Paillettenkleid hat sie für diesen Auftritt ausgesucht, von Versace, sagen wir blasspfirsichfarben, schick ist sie, und die bunten Blätter werden in den folgenden Tagen darüber aufklären, dass Liz Hurley so eine Robe bei der Oscar-Verleihung getragen hat. Eine Zeitung wird es gar zum schönsten Kleid der Gala küren, was Frau Zimmermann an diesem Abend wenig nutzt, denn die Schleppe ist so lang, dass sich alle paar Meter jemand entschuldigt, weil er draufgetreten ist.

Mal gucken, was kommt: Bettina Zimmermann entspannt beim stern-Fotoshooting auf der Panzerwiese bei München© Robert Fischer

Drei Tage später. Fotoshooting im Hotel München Palace, Suite 357. Heute soll Bettina Zimmermann nicht schicke Dame sein, sondern sich ganz natürlich geben. Sie fläzt sich auf einem Sessel vor dem Fenster und raucht, der nackte linke Fuß ruht sich auf der Heizung aus, die Zehen des rechten versuchen, den Fenstergriff zu erreichen. "Tob dich aus", sagt sie zu der Maskenbildnerin mit der Wimperntusche, und Robert, den Fotografen mit dem kahl rasierten Schädel, fragt sie: "Hast du überhaupt Haare?"

Die Zimmermann scherzt und lacht, und wer sie bei der Preisverleihung in Köln erlebt hat, wie sie die Laudatio hielt auf Sebastian Koch, von "professioneller Hochachtung" redete und dabei arg steif wirkte, der erkennt sie nicht wieder.

Sie schwärmt vom Drehbuch der "Luftbrücke", die Sat 1 Ende November ausstrahlt. Von Ulrich Noethen, dessen Frau sie in dem Zweiteiler spielt. Sie kramt aus ihrer Handtasche Fotos hervor von ihrem Labrador, den die Eltern immer zu arg verwöhnen, wenn sie nicht da ist. Und Fotos von ihren zehnjährigen Nichten, Zwillingen, die ihre Tante ganz toll finden. Außer neulich, da spielte sie in "Löwenzahn" eine fiese Maklerin. Und noch eine Zigarette und noch eine, und der Fotograf sagt, das sehe sehr schön aus, sie mit der Fluppe und dem Dunst. Aber Bettina Zimmermann sagt, mit Kippe in der Hand möchte sie nicht fotografiert werden, wegen ihrer Oma: "Die ist 86 und weiß gar nicht, dass ich rauche. Und erst neulich hat sie zu mir gesagt, was für ein liebes Mädel ich doch sei."

Aufgewachsen ist das Mädel in Großburgwedel nahe Hannover. Vater Ingenieur, Mutter Reiseverkehrsfrau, zwei ältere Schwestern, sehr behütet. Die dramatischsten Vorkommnisse in Bettinas Kindheit waren eine geöffnete Tunfischdose, deren scharfer Rand sich in ihren Finger verbissen hatte, wovon eine Narbe zeugt. Und da war die Angst, Julchen zu verlieren, ihre beste Freundin. Die beiden wohnten keine 100 Meter voneinander entfernt, ihr Lieblingsspiel war: Kartoffeln aus dem Acker ausgraben. Schneeweißchen und Rosenrot nannten sie sich, die dunkle Bettina und das blonde Julchen. Eines Tages hieß es, Julchen zieht um, die Vorstellung war entsetzlich, doch nach dem Umzug war alles besser: Jetzt trennten die beiden nur noch 30 Meter.

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