Battles und Gespräche scheinen in der fünften "Big Brother"-Staffel völlig out zu sein. Bereits in der dritten Woche fallen alle Schamgrenzen. Es wird gesexelt, dass kein Schlüpfer mehr heile bleibt.

Jeannine und Franzi haben sich anscheinend sehr gern© RTL 2
Am 2. März 2004 war es so weit. Neun neue Bewohner sind in das frisch renovierte Big-Brother-Haus gezogen. Fans der ersten vier Staffeln mussten sich einmal mehr komplett umstellen, was das grundlegende Konzept anbelangt. Ab sofort dauert das wohl umstrittenste Fernsehexeperiment ein ganzes Jahr lang. Zumindest für die Bewohner, die sich diese Auszeit von der Normalität antun, gibt es anschließend eine üppige Belohnung: Der Spaßvogel, der den Fernsehkerker als letzter Teilnehmer verlässt, bekommt eine Million Euro ausgezahlt und hat anschließend ausgesorgt. Für diese Summe kann man seine (Scham-)Grenzen nicht nur austesten, sondern auch weit hinter sich lassen. Die Frage lautet demnach: "Was bist du bereit, für eine Million Euro zu tun?"
Auf die unbedingte Risikofreudigkeit und die Fähigkeit zum Intrigenschmieden bauen denn auch die Produzenten von "Big Brother 5". Sie müssen schließlich zusehen, dass sie einen Spannungsbogen für den Zuschauer aufbauen, der dazu beiträgt, dass im einjährigen Kampf der Teilnehmer nicht ausgerechnet die Quote auf der Strecke bleibt. Ruth Moschner im Studio müht sich zwar, mit kessen Sprüchen und forscher Miene für Dynamik zu sorgen. Sie kommt aber bei weite nicht an die leider ausgetauschte Aleksandra Bechtel heran, die spürbar mit den Bewohnern fühlte, sich aber davon ihre Kodderschnauze nicht verbieten ließ. Oli P. als unroutinierter Außenreporter ist sicherlich ein unfreiwilliges Vergnügen für sich, wie er da mit kochendem Puls versucht, sich völlig aufgeregt durch seine Ansagen zu haspeln.
Das große Problem von Big Brother 5: Wer soll denn da noch durchblicken? Selbst gestandene Big-Brother-Experten bekommen Probleme, den Überblick zu behalten. Auf einmal gibt es gleich drei Bereiche, auf die sich die Bewohner verteilen können. Ganz egal, ob reich, normal oder arm: Die vielen Gitterstäbe im Sichtbereich der Kamera sorgen dafür, dass man als Zuschauer stets das Gefühl hat, sich in einer Zelle der Jugendvollzugsanstalt Tegel verirrt zu haben. Ständig ziehen Kandidaten aus und dafür dreimal so viele neue ein. Längst kann der Zuschauer beim Schauen der Tageszusammenfassungen nicht mehr sagen, wer eigentlich wer ist - und was er verdammt noch mal denn eigentlich im Container zu suchen hat.
Auch die Battles sind größtenteils verschenkte Sendezeit. Entweder werden die Spiele nicht mehr richtig erklärt oder die Szene wechselt, bevor das Ergebnis erläutert wird. Kein Wunder also, dass die TV-Quoten zwar okay, aber nicht berauschend sind. Von einem neuerlichen Big-Brother-Kult kann also trotz der langen Pause seit der letzten Staffel noch keine Rede sein. Vielleicht lähmt die Angst der Zuschauer, sich gleich auf ein volles Jahr "Big Brother" verpflichten müssen, den Finger auf der Fernbedienung.
Und doch gibt es da noch einen Anreiz, jeden Abend "Big Brother" zu schauen. Und das ist nach wie vor die Hoffnung auf ein bisschen nackte Haut. In den ersten zwei Wochen ließ gleich die schwarzhaarige Sandra alle Hüllen fallen. Die Profi-Stripperin aus Berlin zeigte ihren Mitbewohnern ziemlich schnell, wie scharf ein gut ausgeführter Lapdance ausfallen kann und wie steil Brüste in die Höhe ragen, wenn man sie unter der Chirurgenlampe ein wenig auf Vordermann gebracht hat.
Doch Sandra konnte leider nicht lange genug im Haus sexeln. Obwohl die Zuschauer lieber ihren zickenbärtigen Macker Sascha aus dem Container wählten, musste Sandra noch am gleichen Abend gehen: Nach einer Kampagne der "Bild"-Zeitung, die Sandra als "Herzlos-Mutter" brandmarkte, warf der Sender RTL 2 die Stripperin gegen den Rat der Produzentin aus dem Haus. Der Grund: Die junge Mutter hatte ihren zwei-jährigen Sohn bei der Oma geparkt, um sich die eine Million Euro im Haus zu verdienen. Dass der Kurze bereits seit einem halben Jahr bei der Oma wohnt und der Vater ja auch noch da war, kümmerte weder die aufgebrachten Politiker noch die Verantwortlichen beim Fernsehen. Komisch nur, dass niemand von den vielen Vätern redet, die dieses Mal und auch in den letzten Staffeln ihre Kinder alleine ließen, um in den Container zu gehen. Vorjahresgewinner Jan hatte schließlich ebenfalls eine kleine Tochter, die er während der Container-Zeit nicht sehen konnte.
Für die Erotikfreunde unter den Zuschauern, die das BB in "Big Brother" mit "big boops" übersetzen, brach nach Sandras Auszug eine Zeit der Trauer an. Das schwarzhaarige Luxusluder Kader, das einmal amtierende Miss Penthouse war, lockt zwar mit aufregendem Schmollmund, kurvigem Hinterteil und exorbitant ausgeprägtem Oberteil. Aber hier darf sich der Zuschauer nur Appetit holen. Nackte Tatsachen sind hier ebenso wenig zu erwarten wie bei der blondierten Tatjana Gsell, die als Überraschungsgast und als Quotenanheizer für alternde Schönheitschirurgen in den Container zog. Sollte es mit dem Sex im Container nun schon wieder vorbei sein? Nach so kurzer Zeit?