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24. November 2011, 12:57 Uhr

"Twilight" gibt's jetzt auch für Jungs

Schluss mit Anschmachten, jetzt wird angefasst. Der vierte Teil der "Twilight"-Reihe ist eine gelungene Mischung aus Romantik, Horror und Teenager-Humor. Auf in den Kampf der Körperflüssigkeiten. Von Sophie Albers

Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht, Eclipse - Bis(s) zum Abendrot, New Moon, Twilight, Stephenie Meyer, Edward Cullen, Bella Swan, Jacob Black, Robert Pattinson, Kristen Stewart, Taylor Lautner

Nicht vergessen: Bei Bella (Kristen Stewart) und Edward (Robert Pattinson) folgt jeder Freude ein Drama© Summit Entertainment, LLC./Andrew Cooper

Man muss es immer wieder sagen: Diese Filme sind nichts für Anfänger. Wer immer noch nicht weiß, wer Bella und Edward oder Rob und Taylor sind, wird in "Twilight: Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht" kein Wort verstehen. Für den Rest gilt: anschnallen. Der neue Regisseur Bill Condon ("Dreamgirls") katapultiert die Liebesgeschichte von Menschenkind Bella und Vampir Edward auf eine ganz neue Ebene. Es geht ja auch aufs Finale zu.

Auch wenn der Vergleich für viele an Blasphemie grenzen mag: Am stärksten ist der vierte Teil der "Twilight"-Saga, wenn er es so macht wie "Titanic". Ein Teil des Publikumserfolges von James Camerons Wunderwerk lag darin begründet, dass es Mädchen und Jungs gleichermaßen abholte: Zuerst gab es die klassische Liebesgeschichte, dann das wahnwitzige Actionspektakel. Selten hat ein Film so demokratisch zwischen den geschlechtsspezifischen Kinoklischees zu vermitteln gewusst. Das versucht nun auch "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht": Es geht los mit einer Hochzeit und dem berüchtigten Verbalschmalz, der in den unzynischen Teenagerjahren noch Verheißung bedeutet, und dann erwartet den Zuschauer Horror vom Feinsten. Diesmal können Jungs wirklich getrost mit ins Kino gehen.

Endlich Sex

Bella und Edward heiraten, fahren auf Hochzeitsreise, haben endlich Sex, und weil Bella noch immer Mensch ist, ist Edwards Leidenschaft nicht nur etwas heftig, das Mädchen wird zudem sofort schwanger. Nach all den Jahren der Unkörperlichkeit geht "Twilight" wahrlich in die Vollen! Es werden Betten zerlegt, und am Ende muss Edward sich zu seinem Baby durchfressen, was man zum Glück nur hört und nicht sieht. Ehrlich gesagt fragt man sich angesichts der wirklich drastischen Geburtsszene schon, wie sehr "Twilight"-Autorin Stephenie Meyer unter dem Gebären von drei Kindern gelitten haben muss. Erstaunlich penetrant hält sie trotzdem an ihrer Anti-Abtreibungsbotschaft fest.

Doch haben die meyerschen Theorien die "Twilight"-Jünger ja noch nie wirklich interessiert, halten sie bei Premieren doch trotz des "Kein Sex vor der Ehe"-Mantras begeistert ihre "Nimm' mich!"-Schilder hoch. Das ganze Phänomen scheint von einer Schizophrenie durchzogen, die Condon in seiner wirkungsvollen Zweiteilung auf den Punkt bringt.

Nach drei Jahren und drei Filmen, die mal interessant, mal gnadenlos dämlich daherkamen, gelingt "Breaking Dawn" endlich der Balance-Alt, sich nicht so schrecklich ernst zu nehmen, ohne dabei die Fans zu vergrätzen. Werwölfchen Jacob muss das Hemd ausziehen, um seinen berühmten Sixpack zu zeigen? Condon erledigt das in den ersten Sekunden. Bella heiratet im "Kate und Will"-Pomp, wackelt aber auf ihren High-Heels, und dann dieser Edward, der keinen Sex will, was Bella wahnsinnig, aber auch angenehm zynisch macht. Wann immer der Film sich in Kitsch oder Belanglosigkeiten zu verlieren droht, hat Condon eine Notbremse eingebaut.

Anziehungskraft ist ungebrochen

Dem Hype hat es nicht geschadet: Schreiende Fans, die tagelang vor Kinos warten, Milliardenumsätze und eine multimediale Dauerbeschallung, die fast schon zum Alltag gehört, begleiten auch den Filmstart des vierten Teils. In den USA lief der Film am vergangenen Freitag an und legte mit 138,1 Millionen Dollar nach "New Moon" (142,7 Millionen) das stärkste Startwochenende der Reihe hin. Damit zählt er bereits zu den fünf erfolgreichsten Wochenendstarts aller Zeiten.

Mehr als 1,8 Milliarden Dollar haben die ersten drei Filme weltweit eingespielt. Dazu kommen mehr als 25 Millionen Dollar aus DVD- und BluRay-Verkäufen. Die drei Hauptdarsteller Kristen Stewart, Robert Pattinson und Taylor Lautner sind Lieblinge der Klatsch- und Lifestylepresse. Während Stewart mit Karl Lagerfeld pusselt, erklärt Lautner Fitnessexperten sein omnipräsentes Sixpack. Ein Film steht noch aus, den gibt es in einem Jahr zu sehen. Vielleicht findet der Hype bei der Filmcrew langsam ein Ende, schließlich ist das Finale schon abgedreht - die Verehrung durch die Fans in aller Welt läuft weiterhin auf Hochtouren.

Während die "Twilight"-Infizierten dem wirklich letzten Film mit geteilten Gefühlen entgegenblicken, hält es Edward-Darsteller Robert Pattinson wie sein Hype-Kollege Rupert Grint, der das Ganze mit "Harry Potter" schon hinter sich gebracht hat. Beide sagen, dass so ein Ende auch eine Erlösung ist. Und danach suchen schließlich auch Bella und ihr Edward die ganze Zeit.

Von Sophie Albers
 
 
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