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20. April 2006, 17:00 Uhr

Deutsche Filme fehlen

Nach dem Aufwind für deutsche Regisseure und deren Beiträge in den vergangenen beiden Jahren sieht es nun mau aus. Keiner ihrer Filme sind im Rennen um die Goldene Palme. Neue Namen machen Programm.

Thierry Frémaux, künstlerischer Leiter der Filmfestspiele, gab die 19 wetteifernden Produktionen bekannt© Francois Guillot/AFP

Der Spanier Pedro Almodóvar, der Italiener Nanni Moretti und die Amerikanerin Sofia Coppola gehen im Mai mit ihren jüngsten Filmen in den Wettbewerb um die Goldene Palme in Cannes. Je drei französische und amerikanische Produktionen sind unter den 19 Filmen im Hauptwettbewerb des 59. Internationalen Filmfestivals, teilte der künstlerische Leiter Thierry Frémaux am Donnerstag in Paris mit. Ein deutscher Film ist nicht darunter. Allerdings haben zwei Wettbewerbsfilme deutsche Koproduzenten: "The Wind that Shakes the Barley" des Briten Ken Loach (deutscher Produzent: EMC Produktion) und "Laitakaupungin Valot" ("Die Lichter der Vorstadt") des finnischen Regisseurs Aki Kaurismäki (Koproduzent: Pandora Film).

Auffallend stark ist in diesem Jahr das Filmschaffen aus Mittelmeerländern in Cannes vertreten. Neben Morettis "Il Caimano" und "L'Amico di Famiglia" ("Der Freund der Familie" des Italieners Paolo Sorrentino tritt der türkische Film "Iklimler" (Klimata) von Nuri Bilge Ceylan und der Algerier Rachid Bouchareb mit "Indigènes" (Eingeborene) im Wettbewerb um die Goldene Palme an. Neben Italien sind Mexiko und Großbritannien mit je zwei Filmen in Cannes dabei.

Risiko durch neue Namen auf internationaler Bühne

Nach ihrem internationalen Erfolg mit "Lost in Translation" schickt die US-Regisseurin Coppola den unter anderem in Versailles gedrehten Film "Marie-Antoinette" über die 1793 enthauptete Gattin von Ludwig XVI. ins Rennen.

"In diesem Jahr gehen wir Risiken ein, wir wollen neue Namen auf die internationale Bühne bringen", erläuterte Frémaux die Tatsache, dass im Vergleich zu Vorjahren weniger ganz große Regisseure präsent sind. Zu den jüngeren Filmemachern, die ein Chance auf die Goldene Palme erhalten, gehört neben dem Türken und dem Algerier auch der 31- jährige Amerikaner Richard Kelly mit seinen "Southland Tales".

"Da Vinci Code" eröffnet Festival

Mit "Summer Palace" des Chinesen Lou Ye ist diesmal nur ein asiatischer Film in Cannes. Der chinesische Meisterregisseur Wong Kar-Wai leitet die neunköpfige Jury, in der die Schauspielerinnen Monica Bellucci und Helena Bonham Carter sitzen. Der deutsche Schauspieler Daniel Brühl ist einer der Kurzfilm-Juroren.

Außer Konkurrenz eröffnet der mit Spannung erwartete "Da Vinci Code" ("Sakrileg") von Ron Howard mit Tom Hanks und Audrey Tautou am 17. Mai das Festival an der Côte d'Azur, das bis zum 28. Mai dauert. Es schließt mit "Transylvania" des Franko-Algeriers Tony Gatlif.

Drei deutsche Beiträge in der Cinéfondation

Die Reihe "Un Certain Regard" im Rahmen der Festspiele wird eröffnet mit "Paris, Je t'aime" ein Omnibusfilm mit 20 Beiträgen international bekannter Regisseure zum Thema Liebe. Zwei Regisseure aus Deutschland sind mit ihrer Geschichte vertreten: Oliver Schmitz mit "Place des fêtes" und Tom Tykwer mit "True".

Deutschland ist in diesem Jahr in der Cinéfondation sehr präsent, es wurden gleich drei Beiträge von deutschen Hochschulen eingeladen: "Firn" von Axel Koenzen (DFFB), "Jaba" von Andreas Bolm (HFF München/weltfilm gmbh) und "Mr. Schwarz, Mr. Hazen & Mr. Horlocker" von Stefan Müller (Fachhochschule Wiesbaden). Außerdem wurde Daniel Brühl in die Jury der Cinéfondation eingeladen.

DPA
 
 
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