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Cannes 2017 erstmals mit Netflix-Produktionen

Das diesjährige Cannes Filmfestival geht neue Wege: Serien auf Kinoleinwänden, viel Politik und Netflix-Produktionen im Palmenrennen. Und dazwischen: jede Menge deutschsprachige Künstler.

Ein Cannes Festival-Plakat wird aufgehangen. Cannes 2017 zeigt zum ersten Mal auch Netflix-Produktionen.

Cannes 2017 feiert 70-jähriges Jubiläum - und lässt erstmals auch Streaminganbieter Netflix in den Wettbewerb

Seit mehr als drei Jahrzehnten wartet Deutschland auf die nächste Goldene Palme - dieser Bann könnte nun gebrochen werden. Der Hamburger Fatih Akin hat es mit seinem Drama "Aus dem Nichts" in den Wettbewerb des wichtigsten Filmfestivals geschafft. Unter seinen Konkurrenten befindet sich auch der österreichische Filmemacher Michael Haneke. 

Überhaupt waren selten zuvor so viele deutschsprachige Filmemacher in Südfrankreich vertreten: Nach ihrem Kritikererfolg mit "Toni Erdmann" im vergangenen Jahr gehört jetzt auch zur Wettbewerbs-Jury unter Vorsitz von Pedro Almodóvar. Und Valeska Grisebach schaffte es mit einem von Ade mitproduzierten Film in eine bedeutende Nebenreihe.

Die 70. Ausgabe des Filmfestivals

Den Auftakt macht am Mittwoch aber erst einmal das französische Liebesdrama "Les Fantômes d'Ismaël" mit Marion Cotillard und Charlotte Gainsbourg. In den folgenden Tagen steht dem Filmfest dann ein Spagat bevor: Einerseits ist es die 70. Ausgabe, das wird natürlich mit zahlreichen Stars gefeiert. Nicole Kidman scheint mit vier Projekten fast omnipräsent, außerdem stehen , Kirsten Dunst, Julianne Moore, Jake Gyllenhaal, Kristen Stewart, Colin Farrell, Joaquin Phoenix, Vanessa Redgrave und Roman Polanski auf der Gästeliste.

Andererseits lässt sich bei all dem Glamour und der Feierlaune am Prachtboulevard der Croisette auch die aktuelle politische Wirklichkeit nicht ausblenden. Schon in den vergangenen Jahren waren die Sicherheitsvorkehrungen vor den Kinos erhöht worden. Das dürfte sich nun, nachdem Frankreich in den vergangenen Monaten Terroranschläge erlebte, weiter verschärfen.

Cannes 2017 wird politisch

Doch auch in den Kinos stehen bis zum 28. Mai auffallend häufig politische Themen an: Der Österreicher Haneke, der als erster drei Goldene Palmen gewinnen könnte, erzählt in "Happy End" eine Geschichte vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise. In "Aus dem Nichts" von Fatih Akin verliert Diane Kruger bei einem Anschlag ihre Familie - verdächtigt werden Neonazis. Der Ungar Kornél Mundruczó hingegen fokussiert in "Jupiter's Moon" auf das Leid eines illegalen Einwanderers, während außerhalb des Wettbewerbs Dokumentationen über Al Gores Kampf gegen den Klimawandel und Claude Lanzmanns Blick auf Nordkorea hinzukommen.

"Nicht das Festival ist politisch, sondern die Filmemacher", betonte Leiter Thierry Frémaux bei der Vorstellung des Programms. Dennoch macht die diesjährige Auswahl auch klar, dass das Festival nicht nur auf bekannte Namen setzen kann, sondern offen für Trends und Neues sein muss. So gehören zu den 19 Beiträgen im Wettbewerb zwar Werke etablierter Regisseure wie Haneke, François Ozon, Todd Haynes und Sofia Coppola - eine von drei Frauen. Doch es gibt auch unbekanntere Gesichter wie den in Berlin lebenden Ukrainer Sergei Loznitsa und die US-Brüder Benny und Josh Safdie, die Robert Pattinson als Bankräuber zeigen.

Zwei Netflix-Produktionen im Wettbewerb

Die größten Überraschungen aber betreffen die Produktionsfirmen und Formate. So zeigt Cannes zum ersten Mal in der 70-jährigen Geschichte zwei Serien in Sondervorführungen: Teile der zweiten Staffel von "Top of the Lake" der Oscarpreisträgerin Jane Campion sowie David Lynchs Fortsetzung der bahnbrechenden Serie "Twin Peaks", die zu Beginn der 90er Jahre ein Meilenstein in der TV-Unterhaltung war.

Noch bemerkenswerter ist allerdings, dass im Wettbewerb große Hollywoodstudios wie Sony, Warner und Fox fehlen. Stattdessen ist der Streamingdienst Netflix gleich mit zwei Produktionen im Palmenrennen vertreten: mit dem Drama "The Meyerowitz Stories" mit Ben Stiller und Emma Thompson sowie dem südkoreanischen Beitrag "OKJA" mit Tilda Swinton und Jake Gyllenhaal. All das sind Belege für den Wandel in der Filmwelt, die neue Finanzierungswege beschreitet und in der Serien zur Konkurrenz des Kinos werden.

sve/DPA

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