HOME

Cara Delevingne - kein Bock mehr auf Model

Noch ein Model, das schauspielern will. Aber bei Cara Delevingne liegt die Sache etwas anders.

Von Silke Wichert

Der Sofaüberwurf ist eigentlich eine graue Ikea-Gardine, die Orchidee ist nicht echt, und statt Eiffelturm sieht man vor dem Fenster das Panorama von Saint-Denis, einem Pariser Vorort von mittelgutem Ruf. fühlt sich hier trotzdem wie zu Hause und lässt sich in die behelfsmäßig abgedeckten Polster sinken.

Der Raum war für ein halbes Jahr tatsächlich so etwas wie ihr Zuhause, ihre Umkleidekabine während der Dreharbeiten zu "Valerian – Stadt der tausend Planeten", der komplett in der kolossalen "Cité du Cinéma" im Norden von gefilmt wurde. "Ich hatte hier die Zeit meines Lebens", sagt Delevingne und blickt fast wehmütig auf die Raufaser an den Wänden. "Wann war ich das letzte Mal so lange an ein und demselben Ort?"

Könnte man ihr sofort beantworten: bevor ihre Modelkarriere startete, die 2011 nach einem Auftritt für die Marke Burberry galaktisch abhob. Chanel-Kampagnen, "Vogue"-Cover, sämtliche Laufstege der Welt – Cara, das Mädchen mit den buschigen Augenbrauen, war plötzlich überall, nur offensichtlich nicht ganz bei sich. "Das ist mir eher zufällig passiert. Was ich wirklich wollte, war immer die Schauspielerei", sagt die Britin. Müsste sie jetzt einen Fragebogen ausfüllen, bei Beruf würde sie selbstverständlich "Schauspielerin" schreiben. Nur beim Publikum ist das noch nicht vollends angekommen. Bislang firmiert sie in der Öffentlichkeit vor allem als "Model-turned-actress", was so viel heißt wie: "hätte sie gern". Wie so viele Models vor ihr. Die Kritiken für ihre erste größere Rolle in "Margos Spuren", nach dem Roman von John Green, waren passabel, die für ihren ersten Blockbuster "Suicide Squad" dafür umso garstiger.

"Luc und ich saßen in einem Zimmer, ich sollte mich in alle möglichen Tiere verwandeln"

Nun bekommt sie mit "Valerian – Stadt der tausend Planeten" noch mal die richtig große Chance: als Weltraumagentin Laureline in einem 180-Millionen-Dollar-Weltraumspektakel unter der Regie von . Der Franzose hat ein Händchen für Models mit Schauspielambitionen, in "Das fünfte Element" von 1997 besetzte er Milla Jovovich neben Bruce Willis. Delevingne stellte er mit einem eher speziellen Casting auf die Probe.

"Luc und ich saßen in einem Zimmer, ich sollte mich in alle möglichen Tiere verwandeln. Oder tanzen, und er musste daran erkennen, welchen Song ich im Kopf hatte. Ich sollte Geschichten nur mit Lauten erzählen", erinnert sie sich. "Alles ganz schön schräg." Aber ihre Performance sei "überwältigend" gewesen, hat Besson verlauten lassen. Ähnlich überzeugend waren sicherlich auch Delevingnes fast 50 Millionen Instagram- und Twitter-Follower. Besson mag schräg, aber nicht wahnsinnig sein – vor allem die junge Zielgruppe soll sich das Abenteuer mit den spektakulären Effekten in 3-D schließlich ansehen.

Delevingne war das erste sogenannte Social-Media-Model. Sie postete ständig Fotos von sich, aber nicht das, was in den Magazinen zu sehen war, sondern Bilder mit Grimassen, mit lustigen Mützen auf dem Kopf. schien jemand "echter" zu sein als die anderen, die weltweite Fangemeinde wuchs ständig. Karl Lagerfeld nannte sie "den Charlie Chaplin der Modewelt", womit der Designer wieder mal mehr sagte, als die meisten verstanden. Da machte jemand nicht nur auf Clown, in der jungen Frau steckte tatsächlich eine Ausdruckskünstlerin; und dahinter gab es eine etwas traurige Seite.

Die jüngste von drei Schwestern wuchs in privilegierten Verhältnissen auf. Die Delevingnes sind eine Society-Familie aus besten Londoner Kreisen, wo jemand wie Joan Collins den Job der Patentante übernimmt. Der Vater ist erfolgreicher Immobilienhändler, Mutter Pandora war ein Partygirl der Achtziger – und steckte, während ihre Kinder heranwuchsen, wiederholt im Heroinentzug. Cara ging manchmal mit zu den Therapiesitzungen. Da saßen andere Abhängige, zitternd, die Beine bis unters Kinn angezogen. Das machte das kleine Mädchen dann auch. Schon früh hat sie angefangen, andere Menschen zu beobachten und zu kopieren. Auf einer Schauspielschule war sie bis heute nicht.

Cara Delevingne bekam schlimmen Hautausschlag, die hübsche Hülle hielt nicht mehr

Mit 16 bekam sie Depressionen, hatte Lernschwierigkeiten, schmiss die Schule. Der steile Aufstieg zum Star-Model hinterließ Spuren: Delevingne bekam schlimmen Hautausschlag, die hübsche Hülle hielt nicht mehr. "Made in England" ließ sie sich unter den Fuß tätowieren, "weil ich mich wie eine Puppe fühlte", sagt Delevingne heute. "Ich wurde nur benutzt, oder besser: Ich ließ mich benutzen." Das sei nicht die Schuld der Modewelt, sie sei einfach nicht reif genug gewesen. Als Schauspielerin entdecke sie nun ihre eigene Stimme und sei Herrin ihrer eigenen Entscheidungen: "Für mich ein völlig neues Leben." Mittlerweile schreibt sie sogar an eigenen Figuren und einem Drehbuch.


Wie ernst es ihr mit der Filmkarriere ist, belegte sie in dem vor Kurzem abgedrehten Drama "Life in a Year". Da spielt sie eine krebskranke Frau an der Seite von Will Smiths Sohn Jaden. "Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich mir die Haare abrasiere, wenn ich die Rolle bekomme", erzählt Delevingne. Das Ergebnis war für alle Welt zu sehen. Zur Met-Gala Anfang Mai erschien sie mit silberner Farbe auf der Glatze.

Jetzt sitzt sie mit raspelkurzen blonden Haaren auf dem Sofa. "Mein Management war nicht begeistert", sagt sie, blickt kurz nach rechts zu ihrer Assistentin und dreht verlegen an den vielen Ringen an ihren Fingern. Sie hat schließlich lukrative Werbeverträge zu erfüllen. "Aber ich mache nur noch, was sich richtig anfühlt."

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo