Der Mann hinter dem Da Vinci Code

17. Mai 2006, 19:14 Uhr

Wie ein braver Englischlehrer aus dem amerikanischen Suburbia am Strand von Tahiti die Formel für den Weltbestseller findet, damit superreich wird und dennoch so rätselhaft bleibt wie seine Romanhelden. Von P.M.-Autorin Tanja Beuthien

Erfolgsautor Dan Brown©

Der Mann ist faszinierend: Charmant, gut aussehend, gebildet, ein Frauenschwarm par excellence. Die ersten grauen Strähnen im dichten schwarzen Haar, die strahlend blauen Augen, dazu ein samtener Bariton: einfach unwiderstehlich. Ein bisschen sieht er aus wie Tom Hanks in "Schlaflos in Seattle", nur viel intellektueller natürlich, denn er ist Dozent für Symbologie an der Harvard Universität. Sein Wissen reicht von den Tempelrittern bis zur Teilchenphysik, vom Heiligen Gral bis zu den Geheimnissen der Heiligen Römischen Kirche. Er klärt Verschwörungen im Handumdrehen auf, neigt zu halsbrecherischen STunts und schönen Frauen, besitzt Sexappeal und gute Manieren. Robert Langdon ist gescheit, gewitzt und genial, kurz: "Er ist der Mann, der ich gern wäre", sagt Dan Brown.

Ein adretter Junge

Dan Brown sieht nicht aus wie Robert Langdon - und auch nicht wie Tom Hanks. Er erinnert eher an Robin Williams im "Club der toten Dichter" Typ smarter College-Lehrer in Rolli und Tweed. Die Haare blond und sauber gescheitelt. Ein freundliches Strahlelächeln auf den Lippen, die Hände in den Hosentaschen versteckt. ER gilt als schüchtern und ausgesprochen nett, sein amerikanischer Verleger nennt ihn einen "adretten Jungen" und behauptet, es sei "unmöglich, ihn nicht zu mögen". Klingt nicht gerade nach unwiderstehlichem Frauenschwarm, muss es aber auch nicht. Denn Dan Brown ist mindestens so berühmt wie Tom Hanks. Und mindestens so reich. Denn er ist der Erfinder von Robert Langdon - und damit der zurzeit meistgelesene Autor der Welt.

Sein Thriller "Sakrileg", mit dem genialen Harvard-Professor Robert Langdon in der Rolle des Ermittlers, erreicht allein Deutschland eine Gesamtauflage von 3,5 Millionen. Weltweit ging der Bestseller über 47 Millionen Mal über den Ladentisch, ein Ende ist nicht abzusehen. Denn für geschätzte zehn Millionen US-Dollar hat Dan Brown die Filmrechte an den Langdon-Büchern an Sony Pictures verkauft. Unter dem Titel "Da Vinci Code" eröffnet der Blockbuster am 17. Mai die Filmfestspiele in Cannes, einen Tag später startet er weltweit. Als Regisseur zeichnet Oscar-Preisträger Ron Howard ("A Beautiful Mind"). Audrey Tautou, Jean Reno und Ian McKellen sind in Nebenrollen zu sehen. Ach ja, die Hauptrolle spielt - natürlich - Tom Hanks.

Der Liebling der Massen sitzt unterdessen in einer kargen Dichterklause in New Hampshire in Neuengland, ohne E-Mail, Telefon, Fernseher und Fax - und schreibt an seinem neuen Buch. Für die Medien ist er nicht zu sprechen, er gibt schon lange keine Interviews mehr. Der Bestsellerautor Dan Brown ist verschwunden und hinterlässt nur eine aufgeräumte Homepage mit Videoaufzeichnungen, Bildern und Zitaten zu Leben und Werk.

Doch wer ist dieser harmlos wirkende Mann, der in seinen Büchern Priester, Wissenschaftler und Museumsdirektoren aufs Heimtückischste meuchelte und mal eben das Leben Jesu Christi neu arrangiert? Wer schafft es, die Geheimformel zu finden, um Millionen Leser zu bannen? Wer rüttelt da an den Grundfesten der katholischen Kirche?

Der Mensch Dan Brown

Dan Brown kommt am 22. Juni 1964 in Exeter, New Hampshire zur Welt, als Sohn eines preisgekrönten Mathematikprofessors und einer Kirchenmusikerin. Die Verbindung zwischen Wissenschaft und Religion liegt ihm im Blut - die Leidenschaft für mystische Geschichten, für Symbole, Zeichen und Rätsel bekommt er von den Eltern noch obendrein: Zu Weihnachten finden Dan und seine Geschwister statt Päckchenbergen ein Gedicht unter dem Weihnachtsbaum, das sie auf eine Schnitzeljagd durch alle Räume der gutbürgerlichen Villa schickt. Bei jeder Station entdecken sie neue Buchstaben, die, richtig zusammengesetzt, das Lösungswort und damit das Geschenk verraten. Dan liebt diese Jagd nach Codes, die er später auch in seinen Büchern einsetzt. Die Atmosphäre in Neuengland, mit seiner Tradition von exklusiven Clubs, Bruderschaften und Geheimbünden, tut ihr übriges, um ihn zu inspirieren.

Während seiner Zeit am elitären Amherst-College studiert er für kurze Zeit Kunstgeschichte im spanischen Sevilla und beschäftigt sich zum ersten Mal mit Leonardo da Vincis "Abendmahl". Der Grundstock für seinen Megaseller "Sakrileg" (im Original: "The Da Vinci Code") scheint gelegt. Doch Dan Brown aus New Hampshire will nicht als Schriftsteller Karriere machen, sondern als eigenwilliger Sänger und Musikproduzent in Hollywood - zunächst mit Synthesizer-Songs für Kinder: Er imitiert Tierstimmen auf dem Computer, lässt Frösche quaken und Elefanten tröten. Dann kommt sein Debüt mit melancholischen Love-Songs. Titel "Dan Brown". Doch zum Durchbruch reicht es nicht: "Seh' ich wirklich aus wie jemand, den MTV mit offenen Armen empfängt?", äußerte er sich später resigniert. "Ich glaube nicht. Ich gehöre in ein Klassenzimmer. Die Welt wartet nicht auf einen blassen Typen mit beginnender Glatzenbildung, der im Fernsehen zur besten Sendezeit mit dem Hintern wackelt."

Das aktuelle P.M. Biografie

Das aktuelle P.M. Biografie In der aktuellen Ausgabe von P.M. Biografie 02/2006 gibt es Specials zum Film "The Da Vinci Code":
Leonardo Da Vinci: Geniales Vorbild
Seine Kunst lieferte den Stoff zu Buch und Film
Dan Brown: Kluger Menschenfänger
Er schrieb den Welt-Bestseller "Da Vinci Code"
Audrey Tautau: Bezaubernde Heldin
Sie spielt die weibliche Hauptrolle im aktuellen Kinohit

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