Er hat für Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" eine Nazi-Uniform angezogen und für Julie Delpys "Die Gräfin" die Pluderhosen ausgezogen. Beides sind ziemlich blutrünstige Filme. Mit stern.de sprach Daniel Brühl darüber, warum er kein guter Schlachter wäre, wie er sich mit Tarantino versteht und was das Besondere an Delpys Lippen ist.

Daniel Brühl mit Julie Delpy im blutreichen Historienfilm "Die Gräfin"© X Verleih/ddp
Daniel Brühl sitzt in einem Berliner Restaurant. Weiße Hose, Stoffschuhe, kariertes Hemd. Seine Haare sind noch voller blonder Strähnchen. Er hat für Leander Haußmann gerade einen Banker gespielt. Zur Abwechslung einmal ein richtiges Arschloch. Eines mit Locken. Vor wenigen Wochen war Brühl noch in Cannes, um mit Quentin Tarantino die Premiere von "Inglourious Basterds" zu feiern.
Das war echt schön.
Das ist jetzt vielleicht etwas übertrieben. Aber er hat die Leute schon an sich rankommen lassen und auch viel Zeit neben den Dreharbeiten mit uns verbracht. Er ist ein wandelndes Filmlexikon, und es bringt Spaß ihm zuzuhören. Bei ihm geht es hauptsächlich um Filme, Filmgeschichte. Ich würde nicht sagen, dass ich ihn privat richtig kennengelernt habe.
Das weiß ich nicht. Mit solchen "Ich und Quentin"-Geschichten wäre ich etwas vorsichtig.
Wahrscheinlich war das schon Delpys "Gräfin", obwohl ich bei den wirklich blutigen Momenten gar nicht dabei war. Bei Tarantino ist bis auf die Erschießungsszene nicht viel gewesen. Ansonsten bin ich mal erschossen worden, ich habe mich erhängt. Aber Blut? Ich erinnere mich, dass ich mit zwölf ein Kurzfilmprojekt mit meinem Cousin gemacht habe, der Filmregisseur ist. Der hat damals aus der Metzgerei eine Rinderzunge besorgt und überall Ketchup hingespritzt. Das war wahrscheinlich mein blutigster Film. Er ist aber nie fertig geworden.
Oh Gott! Überhaupt nicht, da wird mir absolut schlecht von. Selbst beim Blutabnehmen habe ich mit Kreislaufproblemen zu kämpfen. Ich bin mal ohnmächtig geworden. Die Krankenschwestern haben sich dann totgelacht. Wenn ich das spüre, wie es da so rausfließt, dieses dickflüssige... Horror! Das Kunstblut im Film sieht ja auch ungeheuer echt aus. Selbst da kann mir schlecht werden. Das einzig Gute am Kunstblut ist der Geschmack. Ich weiß nicht, was da drin ist, es schmeckt jedenfalls total lecker.
Ganz selten.
Niemals!
Bei irgendeinem Horror-Splatter-Schocker, ja. Ich bin dann auch raus.
Ich kann die äußeren Umstände immer ganz gut ausklammern. Bei diesen Liebesszenen muss man sich allerdings extrem konzentrieren, um dabei eine romantische, verliebte Stimmung aufkommen zu lassen. Es gibt nichts, was weniger sexy ist, als so eine Liebesszene zu drehen, während ein Typ mit einer Tonangel direkt daneben steht und glotzt. Heiß, stickig. Es muss ständig gelüftet werden. Alles wird hundert Mal wiederholt. Dazu noch technische Angaben: "Roll dich da mal drüber!" Das ist total ätzend. Man muss sich richtig reinsteigern, dass man für den Moment etwas empfindet.
Und am Ende noch eine Erektion kriegt? Es gibt ein lustiges Zitat, ich glaube, es ist von Jack Nicholson. Der sagt vor einer Liebesszene: Wenn ich einen hoch kriege, sei bitte nicht beleidigt. Sei aber auch nicht beleidigt, wenn ich keinen hoch kriege.
Ich fand es sehr angenehm, sie zu küssen. Ihre Lippen fühlen sich wirklich gut an.
Da war ich noch ziemlich jung. Ich war mit meiner Band unterwegs, wir saßen in einem Kölner Park und haben über einen Witz gelacht. So eine Asifamilie dachte, wir meinen sie. Der Typ ist gleich zum Kofferraum und hat seinen Baseballschläger geholt, kam hinter uns her und hat uns zur Rede gestellt. Der hat jeden Einzelnen gefragt, ob er ein Problem mit ihm hat. Ich wusste schon, dass er an mir ein Exempel statuieren wird. Ich war der Letzte in der Reihe. Den einen hat er geschubst, den anderen getreten, bei mir hat er zugeschlagen. Wumms! Zum Glück hat er mir keinen Zahn rausgehauen. Weil ich mich so geschämt habe, habe ich allen erzählt, ich hätte einen Tennisball ins Gesicht bekommen. Es konnte aber jeder sehen, dass der Ball eine Faust war.
Wenn ich mal wieder in ein Fettnäpfchen trete. Die erwische ich immer zielstrebig. Kürzlich erst hatte ich als einziger nicht mitbekommen, dass sich jemand aus meinem Freundeskreis getrennt hat. Wir saßen zusammen, und ich habe fünf Minuten hartnäckig nach dem "Schatzilein" gefragt. Trotz räuspern am Tisch und Tritten darunter.

Daniel Brühl ist einer der umtriebigsten Jungschauspieler Deutschlands© Clemens Bilan/DDP
Ich würde versuchen, ihr die Idee mit allen Mitteln auszutreiben. Das sollte sie besser auf einem anderen Weg probieren.
Ich verstehe, wenn Kollegen, die schon sehr lange im Geschäft sind, sich anderweitig austoben wollen. Bei mir selbst kann ich mir das nicht vorstellen.
Nein. Aber mit Jürgen verstehe ich mich sehr gut.
Das Nervige in Deutschland ist, das es immer wirkt, als würde jeder Schauspieler unbedingt nach Hollywood gehen wollen. Wenn es sich bei mir ergibt, wie bei Tarantinos "Basterds", ist das schön. Den Film haben wir übrigens in Babelsberg gedreht, nicht in Hollywood. Wenn jetzt aber in dieser Hinsicht eine Weile nichts mehr kommt, was durchaus passieren kann, dann sehe ich schon die Schlagzeilen: "Er ist wieder zurück!". Ich kann dazu nur sagen: Ich war nie da! Ich war in Babelsberg. Natürlich interessiert mich Hollywood, weil dort tolle Filme produziert werden.
Da habe ich gar keinen keinen Bock drauf. Die einzige Stadt, wo ich überlegt habe, für ein paar Monate hinzugehen, vielleicht mit einem Freund, das wäre New York. Los Angeles: auf gar keinen Fall.
Ich war ganz schlecht beim ersten Kuss. Da habe ich den Fehler gemacht, so zu tun, als wäre ich total erfahren. Als es dann auf einer Parkbank in Köln zum ersten Zungenkuss kam, war das durchaus eine komplizierte Angelegenheit. Das Mädchen dachte ja nach meinen Schilderungen, einen richtigen Don Juan vor sich zu haben.
Interview: Johannes Gernert