"Good bye, Lenin!" hat Schauspieler Daniel Brühl weltweit Türen geöffnet. Im stern.de-Interview erzählt er von seinen Problemen beim Nacktdrehen, den Dreharbeiten in Spanien und seinem Einstieg in Hollywood.

Einer der vielfältigsten deutschen Schauspieler: Daniel Brühl© Hubert Bösl/DPA
Eine Herausforderung. Der Castingprozess war aufwändig und lang. Ich durfte dabei auch den Hans (die Rolle von Jürgen Vogel, Anm. d. Red.) ausprobieren. Das hat mir großen Spaß gemacht, weil man nur nerven darf und ganz viel machen kann. Regisseur Sebastian Schipper ist wieder davon abgekommen. Also musste ich den Feinbohrer auspacken, alles ganz stark zurück nehmen und mit minimalen Mitteln arbeiten. In Teilen erkenne ich mich in dieser Figur wieder. Aber ich bin eine kölsche Frohnatur, nicht so hanseatisch, zurückgenommen und extrem introvertiert.
Das ist ein extrem feiner Grad, bei dem man sich auf den Regisseur verlassen muss. Beim Spiel war das ständig meine Frage. Ich mag Filme, bei denen am Ende ein großes Fragezeichen bleibt. Es wird nicht erzählt, warum die Figur so ist. Das finde ich spannend, wenn man sich darauf einlässt.
Die Leute von der Arag-Versicherung, wo wir gedreht haben, waren sehr freundlich, nett und offen. Die haben uns zu Seminaren und in die Kantine eingeladen, damit wir uns alles anschauen konnten. Das war für uns alle, die wir diesen komischen Zigeunerjob haben, eine völlig neue Welt. Nichts, was ich machen könnte.
Nackt Porsche fahren. Ich bin noch nie Porsche gefahren, und dann auch noch nackt! Da hat Jürgen im Interview sehr über mich gelacht und genauso verblüfft wie im Film gefragt: 'Du bist noch nie Porsche gefahren?' Manchmal gibt es Parallelen zwischen unseren Filmfiguren und uns im wirklichen Leben. Dafür liebe ich diesen Beruf auch: Man macht Sachen, die man privat nie machen würde. Als wir die Szene gedreht haben, mussten wir immer an einer Tankstelle wenden. Die Kamera war versteckt, und eine Gruppe von vier, fünf Jugendlichen mit ihren Mofas lungerten dort herum. Die haben nur die zwei Porsches mit den nackten Fahrern gesehen. Weil es so dunkel war, konnten die uns nicht als Schauspieler erkennen. Die werden jetzt noch von den Freaks erzählen, die um zwei Uhr nachts nackt mit dem Porsche an die Tanke fahren. Hoffentlich gucken sie sich wenigstens den Film an.
Nee. Einmal mussten wir doch, am Flughafen. Ich bin, und das deckt sich auch mit mir privat, ein bisschen prüder als Herr Vogel. Für die Figur war es auch okay, dass ich meinen Intimbereich mit der Hand zudecken darf. Jürgen hat da weniger Probleme. Es war ja nicht so, dass der Flughafen abgesperrt war, sondern da liefen genug Japaner mit ihren Trolleys, die dachten, wow, willkommen in Deutschland.
Sehr lustig, wir kannten uns schon vorher. Ich wusste, dass es gut werden würde. Wir sind zwar ganz verschieden, aber haben eine ähnliche Herangehensweise an den Beruf.
Obwohl diese Figur sehr kopflastig ist, gehe ich an die Rolle aus dem Bauch heraus ran. Es gibt technisch wesentlich versiertere Schauspieler, die das auch so gelernt haben und Dinge können, die wir nicht können. August Diehl zum Beispiel, einer meiner besten Freunde, dem liegt eine wahnsinnige Technik zugrunde, das könnte ich nie.
Ja, ich stehe total auf alte Autos. Im Moment habe ich zwei, will aber eins loswerden, weil das total bescheuert ist, zwei alte Gurken zu haben. Ich habe einen Alfa Romeo Giulia und einen Peugeot 304 Cabrio von 1970. Den Giulia will ich verkaufen, falls einer Interesse hat, ich mach einen guten Preis.