Dustin Hoffman verbreitete ständig gute Laune, 800 nackte Statisten verfielen in den Liebesrausch, eine Straße in Barcelona wurde unter Jauche gesetzt. Exklusiv für den stern hat Tom Tykwer Tagebuch über die Dreharbeiten geführt.

Auf den Lavendelfelder der französischen Provence werden seit Jahrhunderten die Essenzen für die Parfumherstellung angebaut© Picture-Alliance
"Der Albtraum jedes Regisseurs: Alles ist organisiert, alle sind bereit, aber die Natur schert sich einen Teufel um irgendwelche Drehpläne. Wir waren Ende Mai, Anfang Juni in die nördliche Provence gefahren, um vor Beginn der eigentlichen Aufnahmen einige Szenen während der Lavendelblüte zu drehen. Leider war der Winter zuvor einer der härtesten aller Zeiten gewesen. Die Bauern mussten ihre Ernten verschieben - und wir auf den Lavendel warten. Mit 120 Leuten! Also nutzten wir die Tage für andere Einstellungen, wie zum Beispiel diese hier, in der Grenouille, gespielt von Ben Whishaw, Richtung Grasse marschiert. Einen passenden Grenouille-Darsteller zu finden war so ziemlich das Schwierigste an dieser Produktion. Wir haben anderthalb Jahre gesucht, bis wir schließlich Ben entdeckt haben, der kurz zuvor am Old Vic Theatre einen grandiosen Hamlet gespielt hatte.
Er besitzt diese spezielle Aura, ist einerseits ein attraktiver, zarter Junge, der zugleich eine düstere Seite hat und bedrohlich wirkt. Man traut ihm alles zu, was Grenouille macht. Und er ist kein Star. Jemand wie Leonardo DiCaprio, der ja auch im Gespräch war, hätte viel zu sehr von der Figur abgelenkt. Der Zweite von links, der das Ganze auf dem Mini-Videoschirm verfolgt, bin übrigens ich, der Mann daneben mit Hut ist der Chef-Kameramann Frank Griebe, der jeden meiner Filme fotografiert hat. Ebenfalls zur Stammcrew gehört Jörg Widmer, der die Steadicam, eine tragbare Kamera, vor sich schweben lässt. Der war schon bei "Der Krieger und die Kaiserin" und "Heaven" dabei und hat sogar schon für Terrence Malick gearbeitet. Für mich ist es ganz wichtig, Leute um mich zu haben, die ich kenne und denen ich vertrauen kann. Ob ich ein guter oder schlechter Regisseur bin, hängt davon ab, ob ich mich am Set familiär wohlfühle. Noch wohler habe ich mich dann einige Tage später gefühlt, als endlich der Lavendel blühte."
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 19/2006