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«Vorwärts immer!»: Amüsante Honecker-Verwechslungskomödie

Berlin - DDR-Persiflagen sind im deutschen Kino sind fast immer ein Garant für Erfolg. An ihn glaubt auch die neue Komödie «Vorwärts immer!», in der Erich Honecker ordentlich sein Fett wegbekommt. Dank Hauptdarsteller Jörg Schüttauf sorgt der Film für gute Unterhaltung.

DDR-Persiflagen sind im deutschen Kino sind fast immer ein Garant für Erfolg. An ihn glaubt auch die neue Komödie «Vorwärts immer!», in der ordentlich sein Fett wegbekommt. Dank Hauptdarsteller Jörg Schüttauf sorgt der Film für gute Unterhaltung.

Der 9. Oktober 1989 war für die ein Tag von großer Tragweite. Gerechnet hat damit keiner, erst recht nicht die Männer um Erich Honecker. Wie an den Montagen zuvor wollten in Leipzig auch dieses Mal Tausende auf die Straße gehen, um gegen das System zu protestieren. «Wir sind das Volk!», skandierten die Demonstranten. «Wir sind die Staatsmacht», dachte sich die Polizei. Deswegen wollte sie zusammen mit der Armee hart durchgreifen, wenn an dem geschichtsträchtigen 9. Oktober mehr Menschen durch die Stadt ziehen würden als letzte Woche. Es kamen 70 000 , doch kein Schuss fiel. Was war geschehen?

Ausgerechnet an diesem Abend befand sich Sand im Getriebe des SED-Apparats. Wo Erich Honecker steckte, wusste keiner. Egon Krenz und Günter Schabowski waren hingegen vollauf mit Überlegungen beschäftigt, wie sie den Generalsekretär ablösen könnten. Und die Streitkräfte in scheuten das Risiko, ohne einen Befehl von oben einzugreifen. Niemand wollte Verantwortung übernehmen. Das steht zumindest in den Geschichtsbüchern.

Der Drehbuchautor Markus Thebe hat sich eine andere Wendung überlegt: In seiner «Vorwärts immer!» ist es ein berühmter Schauspieler, der die Rettung bringt. Otto Wolf, brillant gespielt von Jörg Schüttauf, probt am Morgen des 9. Oktober 1989 an einem Ost-Berliner Theater gemeinsam mit mehreren Kollegen für ein systemkritisches Stück. «Vorwärts immer!» soll es heißen und die SED-Führungsriege diskreditieren, wobei Otto Wolff die Rolle des Erich Honecker zukommt.

Während die Schauspieler üben, sickert die Nachricht durch, dass das DDR-Regime den Leipziger Sicherheitsleuten den Befehl erteilt hat, heute Abend auf die Demonstranten zu schießen. Otto ist schockiert, zumal sich auch noch seine ausreisewillige Tochter Anne (Josefine Preuß) auf den Weg in die sächsische Stadt begibt. Es muss gehandelt werden, das ist den Theaterleuten klar.

Und der Plan, den sie ausklügeln, hat es in sich: Während der «echte» Erich Honecker in Wandlitz der Jagd frönt, soll Otto als «falscher» Honecker das Zentralkomitee betreten und den Schießbefehl zurücknehmen. Bei diesem abenteuerreichen Unternehmen muss er nicht nur sein schauspielerisches Können, sondern auch seine Verführungskünste unter Beweis stellen, damit die argwöhnische (Hedi Kriegeskotte) den Plan nicht durchkreuzt.

«Vorwärts immer!» ist eine Produktion der Crazy Film, die für dieses Projekt Franziska Meletzky als Regisseurin beauftragte.  Eine ausgezeichnete Entscheidung: In ihren Händen ist der Film zwar nicht zu einem visuellen Feuerwerk, dafür aber zu einer sehr amüsanten Verwechslungskomödie geworden, die tolle Ideen und skurrile Slapstick-Einlagen enthält. Meletzky erzählt leichtfüßig, ohne auf billige Effekte abzuzielen. Die Lust am Unterhalten wirkt nicht verkrampft, gerade weil die Regisseurin es unterlässt, den Film mit zu vielen Gags zu überfrachten. Oftmals kommen sie leise daher.

Die Komik entsteht größtenteils infolge absurder wie grotesker Situationen, in denen insbesondere Jörg Schüttauf in der Doppelrolle als echter und falscher Honecker eine Meisterleistung abliefert. Wie er mit Sprachduktus und Körperhaltung die Verschrobenheit des einstigen Generalsekretärs in Szene setzt, ist überaus gekonnt und komisch. Dabei rutscht er nie ins Karikaturhafte ab, erscheint nicht überzeichnet, sondern verleiht dem Charakter sowohl des Schauspielers Otto Wolf als auch des echten Honeckers Glaubwürdigkeit. So richtig absurd wird es, wenn beide aufeinandertreffen und beide behaupten, der echte Honecker zu sein.

Und schließlich erlaubt uns «Vorwärts immer!» auch noch einen Blick in das Schlafzimmer der Honeckers, wo am Ende des Films die Fäden zusammenlaufen und Margot ihrem Erich mit einem innigen Kuss die Hörner aufsetzt.

Vorwärts immer!, Deutschland 2016, 98 Min., FSK ab 12, von Franziska Meletzky, mit Jörg Schüttauf, Josefine Preuß, Devid Striesow

dpa

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