Als deutscher Beitrag für die Oscar-Bewerbung steht er bereits fest, doch ob er auch beim Publikum ankommt, muss sich noch zeigen: Gestern war in München Premiere des neuen Eichinger-Films "Der Baader Meinhof Komplex". Nach der Vorführung herrschte erst mal Schweigen.

Die Schauspieler Martina Gedeck (Ulrike Meinhof) und Moritz Bleibtreu (Andreas Baader) bei der Uraufführung ihres Films "Der Baader Meinhof Komplex" in München© Ursula Düren/DPA
Der heiß diskutierte Kinofilm "Der Baader Meinhof Komplex" über die Bluttaten der Rote Armee Fraktion (RAF) ist bei seiner Weltpremiere in München zunächst mit betretenem Schweigen aufgenommen worden. Erst mehrere Minuten nach dem bedrückenden Filmende mit der Ermordung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer brandete erster Beifall auf. "Es war ein tougher Film zu machen, aber ich glaube, wir haben es ganz gut hingekriegt", sagte Produzent Bernd Eichinger am Dienstagabend nach der Premiere im voll besetzten Kinosaal des Mathäser Filmpalastes.
Fast die ganze Riege der prominenten Darsteller war gekommen, um bei der Uraufführung dabei zu sein. Neben Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck, Johanna Wokalek und Stefan Aust waren auch Schauspieler wie Heino Ferch, Katharina Wackernagel oder Bruno Ganz unter den Ehrengästen. Im Anschluss hatte die Constantin Film Produktion zu einem Empfang ins Haus der Kunst geladen.
Für ihren Streifen über die Bluttaten der Rote Armee Fraktion (RAF), der am 25. September ins Kino kommt, können sich Eichinger und Regisseur Uli Edel auch Hoffnungen auf einen Oscar machen. Wenige Stunden vor der Premiere war er als deutscher Kandidat ins Rennen um die begehrte Trophäe geschickt worden. "Die großartige schauspielerische Leistung und die außergewöhnliche filmische Umsetzung der Geschichte erlaubt einen Blick auf die Zeit der frühen 70er Jahre der Bundesrepublik Deutschland, ohne dabei die Täter zu glorifizieren", begründete die Jury ihre Entscheidung. Auch international hofft die Constantin Film nun auf Erfolg. Der Film sei bereits weltweit in die wichtigsten Regionen verkauft, hieß es.
Dass das RAF-Drama Überlebende des Terrors und ihre Familien in ihren Gefühlen verletzen könnte, glaubt Regisseur Edel nicht. "Den meisten Opfern und Angehörigen haben wir den Film schon gezeigt, weil wir ihre Meinung vorher hören wollten", sagte er. "Ich war ganz überrascht, wie positiv ihre Reaktionen darauf ausfielen." Auch Aust, auf dessen Buch der Film basiert, sieht die Interessen der Leidtragenden gewahrt. "Ich glaube, dass wir gerade den Opfern in diesem Film gerecht werden, indem wir zeigen, was Terrorismus ist, wie er aussieht." Das werde sehr drastisch gezeigt, "und ich glaube, das ist auch nötig", sagte der frühere "Spiegel"-Chef.