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31. Dezember 2006, 12:45 Uhr

Wale jagen aus dem Heißluftballon

Die Dreharbeiten zu der Naturdokumentation "Der weiße Planet" waren eine Gratwanderung für die Filmcrew, die trotz niedrigster Temperaturen einen enormen Aufwand betrieb. Von Tilman Wörtz

Die Filmcrew rüstet sich für einen Ausflug© Matthias Ziegler

Eine Düse faucht heißes Gas in die schlaffe Hülle eines Heißluftballons, bis sich über dem randlosen Weiß der Arktis ein Farbklecks aufbläht. Gleich wird der Pilot Dany Cleyet-Marrel aus seinem Ballon Filmaufnahmen machen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat: ein Dutzend Grönlandwale, die sich aus dem Golf von Boothia im äußersten Norden Kanadas wölben und gleich darauf unter eine Eisdecke abtauchen.

Die Kamera liegt schussbereit auf dem schwenkbaren Stativ. Das Barometer steht bei 950 Pascal. "Knapp unter Optimum für windstille Verhältnisse", summt Dany Cleyet-Marrel und setzt sich seine Pilotenmütze aus Hasenfell auf. Unter den Ballon hat er statt eines Korbes eine Sitzbank gebastelt, dahinter einen Propellermotor, der ihm das Navigieren seines Gefährts zum Drehort erlaubt.

Näher dran als jeder Hubschrauber

Knatternd wie ein Moped hebt der "Kinoballon" zum Flug über Wal und Eisberg ab. So nah wie Danys Erfindung kommt kein Hubschrauber ans Objekt. "Ich verschrecke die Tiere nicht und werfe keine Wellen auf." Deshalb buchen ihn Produzenten jedes Mal, wenn irgendwo auf der Welt ein großer Tierfilm gedreht wird, zum Beispiel "Nomaden der Lüfte", bei dem er Zugvögeln in Libyen auf ihrem Flug durch die Wüste gefolgt ist.

Heute ist die Arktis dran. "Der weiße Planet" wird der Film heißen, in Anlehnung an eine BBC-Produktion über die Meere, die vor drei Jahren unter dem Titel "Der blaue Planet" alle Erwartungen der Verleiher übertraf. Sie machte Tierfilme mit enormem Aufwand an Personal und Technik endgültig kinotauglich - und veränderte die Branche dadurch. Mit "dem weißen Planeten" will eine kanadisch-französische Koproduktion an diesen Erfolg anknüpfen, dem eigentlich nichts mehr im Weg steht. Außer die Natur vielleicht.

Einen Monat Drehzeit für zwei Minuten Film

Gerade mal zwanzig Meter ist der Kinoballon aufgestiegen, als sich Wind zuerst in Streifen ziehenden Wolken ankündigt, dann eine Delle in den Stoff bläst und Dany zurück aufs Eis zwingt. Einen Monat Drehzeit hat die Crew für eine nur zweiminütige Sequenz über Grönlandwale. Doch drei Wochen sind bereits vergangen, und auch heute kehren Dany und seine Kollegen ohne Aufnahmen ins Camp nahe der Eskimo-Siedlung Igloolik zurück, der letzten Ausfahrt vor dem Nordpol.

In einem Dutzend Zelten lagern fast viertausend Kilo Gepäck, die zwei Charterflugzeugen eingeflogen haben: Flossen, Neoprenanzüge und Sauerstoffflaschen. Kameras, Koffer voll Batterien und Super 16 mm-Filmrollen fürs Kinoformat. Dazu Schienen und ein Spezialkran, den Chef-Maschinist Claude Fortin so auf einem Eisberg platzieren will, dass die Kamera in einem Schwenk von der Spitze bis unter die Wasseroberfläche filmen kann.

Spezialeffekte wie für Actionfilme

Seine Firma Skygrip kreiert normalerweise Spezialeffekte für Spielfilme. Künstliche Wellen hat er bereits für eine Motorbootszene in "Star Wars" aufgeworfen oder die Szene in "Day After Tomorrow" montiert, in der Professor Halls Begleiter durchs Dach des verschneiten Zentralbahnhofs in New York stürzt und das Sicherungsseil mit einem Dolch durchschneidet.

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