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12. Oktober 2008, 18:34 Uhr
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Reich-Ranicki sorgt für Eklat

Eklat beim Deutschen Fernsehpreis: Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki lehnte den Ehrenpreis für sein Lebenswerk auf der Bühne ab und übte vor laufenden Kameras scharfe Kritik am deutschen Fernsehen. Für einen Moment brachte das sogar einen Profi wie Thomas Gottschalk aus dem Konzept. Von Katharina Miklis und Alexander Kühn

Der Scheint trügt: Marcel Reich-Ranicki war bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises nicht durchweg guter Laune

Es sollte der Höhepunkt des Deutschen Fernsehpreises im Kölner Coloneum werden: die Verleihung des Ehrenpreises an Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Nach einer langen Laudatio, in der Thomas Gottschalk selbst den Publizisten ehrte, holte der Moderator des Abends Reich-Ranicki aus der ersten Reihe, um ihn auf die Bühne zu geleiten. Nach minutenlangen Standing Ovations began Reich-Ranicki seine Rede, die viele im Publikum zunächst für einen Scherz hielten. Er habe schon viele Preise überreicht bekommen, fing er an, doch diesmal sei er in einer schwierigen Situation. "Ich nehme diesen Preis nicht an. Ich gehöre nicht in diese Reihe", verkündete der 88-Jährige während der feierlichen Gala.

Und er übte scharfe Kritik an den für den deutschen Fernsehpreis nominierten Produktionen. "Wenn dieser Preis mit Geld verbunden wäre, würde ich es zurück geben", so Reich-Ranicki, und weiter: "Ich finde es schlimm, dass ich das hier heute Abend erleben musste... diesen Blödsinn, den wir hier zu sehen bekommen haben". Nicht nur die ARD, RTL, Sat.1 und ZDF, die den Deutschen Fernsehpreis 1999 ins Leben gerufen haben wurden kritisiert. Auch Sender wie Arte und 3Sat seien heute nicht mehr das, was sie mal waren.

Als eine Art Wiedergutmachung bot Thomas Gottschalk Reich-Ranicki nach seiner Ansprache an, in einer anderen Sendung aufzutreten, um mit ARD, ZDF, SAt1 und RTL "über alles zu reden".

Nachdem Marcel Reich-Ranicki die Bühne - ohne Preis - verlassen hatte, wandte sich der sichtlich verwirrte Gottschalk mit den Worten ans Publikum: "Wo waren wir... Weiß einer wie es weiter geht? Jetzt ist es eh Wurst, jetzt sind wir ihn los". Die Aufzeichnung der Gala wird am Sonntag ab 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Ob Reich-Ranickis Auftritt gezeigt wird, ist fraglich.

Von Katharina Miklis und Alexander Kühn
 
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